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Gesundheit

Feueralarm

Mamas Stimme weckt Kinder besser als Rauchmelder

Kinder schlafen tiefer als Erwachsene. In einer Studie reichte das Warnsignal eines normalen Rauchmelders oft nicht aus, um sie zu wecken. Eine Aufnahme mit der Stimme ihrer Mutter wirkte zuverlässiger.

Getty Images
Freitag, 26.10.2018   10:43 Uhr

Feuermelder können Menschenleben retten - vor allem, wenn das Feuer nachts in einem Wohnhaus ausbricht und die Bewohner schlafen. Doch der hohe Piepton, den herkömmliche Geräte von sich geben, wirkt bei Kindern nicht besonders zuverlässig.

In einer Studie, die Kinderärzte aus den USA jetzt im Fachblatt "Journal of Pediatrics" veröffentlichten, wachte nur die Hälfte der teilnehmenden Kinder von dem einfachen Warnsignal auf. Fügten die Ärzte dem Ton eine Aufnahme der mütterlichen Stimme hinzu, erwachten hingegen neun von zehn Kindern.

"Kinder sind bemerkenswert resistent gegen Geräusche, wenn sie schlafen", sagt Mark Splaingard, Co-Autor der Studie und Direktor des Sleep Disorder Center am Nationwide Children's Hospital in Ohio. "Sie schlafen länger und tiefer als Erwachsene, und es braucht lautere Geräusche, um sie zu wecken. Daher ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie sich bei einem nächtlichen Wohnungsbrand in Sicherheit bringen."

Für die Studie wurden insgesamt 176 Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren im Schlaflabor untersucht. Die Forscher testeten vier verschiedene Signalvarianten, drei davon kombinierten Sätze, welche die Mütter der Kinder zuvor aufgenommen hatten, mit dem üblichen Piepton. Was die Mütter genau sagten - ob sie die Kinder beispielsweise mit ihrem Vornamen ansprachen - war demnach wenig ausschlaggebend. Beim Klang ihrer Stimme erwachten die Kinder in 86 bis 91 Prozent der Fälle. Beim einfachen Signal waren es nur 53 Prozent.

Mamas Stimme weckt auch schneller

Auch die Zeit, die es brauchte, bis die Kinder erwachten und den Schlafraum verließen, war bei den kombinierten Signalen weitaus kürzer. Sie betrug durchschnittlich 18 bis 28 Sekunden. Beim Piepton allein dauerte es dagegen durchschnittlich 282 Sekunden, also fast 5 Minuten, bis die Kinder den Raum verlassen hatten - wenn sie denn überhaupt aufwachten.

Bei einem echten Brand können Sekunden entscheidend sein. Die Studienautoren hoffen daher, dass ihre Ergebnisse langfristig dazu dienen können, effektivere Feuermelder für Kinder zu entwickeln, die alt genug sind, um sich im Notfall selbst in Sicherheit zu bringen.

In einem nächsten Schritt wollen die Kinderärzte testen, ob anstelle der mütterlichen Stimme auch die Stimme einer beliebigen weiblichen oder männlichen Person genutzt werden kann und ob ein solcher Alarm auch bei Erwachsenen funktioniert. Dies würde Herstellung und Gebrauch neuartiger Feuermelder erleichtern.

mah

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