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Gesundheit

Frankreich

Behörde warnt vor Schadstoffen in Babywindeln

Parfüms, Pestizide, PAK: Die französische Umweltbehörde hat diverse Schadstoffe in Babywindeln nachgewiesen. Sie fordert die Hersteller auf, künftig auf Duftstoffe zu verzichten.

Getty Images/Tetra images RF

Symbolbild

Mittwoch, 23.01.2019   16:27 Uhr

Die meisten Babys in Deutschland werden in Einwegwindeln gewickelt. Eltern gehen zu Recht davon aus, dass diese nicht nur praktisch sind, sondern gesundheitlich völlig unbedenklich. Ein aktueller Bericht der französischen Umweltschutzbehörde Anses widerspricht dieser Annahme.

Die Behörde stützt sich auf Analysen aus den Jahren 2016 und 2018, bei denen zahlreiche Windeln getestet wurden, die in Frankreich auf dem Markt sind. Dem Bericht zufolge entdeckte Anses zahlreiche gefährliche Chemikalien in den Windeln. Die Sorge: Die Stoffe könnten etwa durch Urin aus der Windel gelöst werden, dann mit der Haut des Babys in Kontakt kommen und Schaden anrichten.

Problematisches Parfum

Einige der als problematisch betrachteten Substanzen fügen die Hersteller absichtlich zu: Duftstoffe wie etwa das sogenannte Lilial. Die nach Maiglöckchen riechende Substanz kann unter anderem Allergien auslösen, die Haut reizen und möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Andere stammen wohl aus den genutzten Rohstoffen, wie in den Windeln nachgewiesene Pflanzenschutzmittel, darunter auch Glyphosat. Weitere werden wohl im Herstellungsprozess eingesetzt und sollten idealerweise nicht mehr im Endprodukt vorhanden sein.

Zumindest bei einigen Stoffen seien die nachgewiesenen Mengen so hoch, dass ein Gesundheitsrisiko nicht auszuschließen sei, teilt die Behörde mit.

Das gilt laut Anses für

Bei anderen Substanzen, etwa bei Formaldehyd, weiteren Duftstoffen, Glyphosat und anderen Pestiziden, überschritten die Mengen dagegen nicht die Grenzwerte.

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Was die Behörde jetzt vorschlägt

Anses kommt zum Fazit: Wenn sich gefährliche Chemikalien in Windeln nachweisen lassen, reichen die aktuellen Regelungen zur Herstellung nicht aus. Sie fordert neue, strengere Regularien.

Welche Fragen noch offenbleiben

Der vorliegende Report kann allerdings einige Fragen nicht beantworten. In welchem Ausmaß in der Windel vorhandene Schadstoffe tatsächlich mit der Haut in Kontakt kommen und dann Probleme bereiten, ist noch nicht ausreichend erforscht und damit aktuell nicht eindeutig zu klären. Hier seien Studien nötig, schreibt die französische Behörde.

Was der Bericht für den deutschen Markt bedeutet, lässt sich aktuell nicht sagen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) will sich zu dem Report noch nicht äußern, weil ihm die Daten bislang nicht vorliegen.

wbr

insgesamt 8 Beiträge
sam_keit 24.01.2019
1. Stoffwindeln
Da die Industrie wahrscheinlich kein Interesse daran haben, etwas daran zu ändern (Das Duftstoffe nicht ungefährlich sind, weiß die Industrie schon vorher), sollte man einfach auf Stoffwindeln wechseln. Ist günstiger, es [...]
Da die Industrie wahrscheinlich kein Interesse daran haben, etwas daran zu ändern (Das Duftstoffe nicht ungefährlich sind, weiß die Industrie schon vorher), sollte man einfach auf Stoffwindeln wechseln. Ist günstiger, es werden keine Produktions- und Lieferketten benötigt, und es schont die Umwelt. Also win win win
Grrinch 24.01.2019
2. Kein Kompromiss
Es sollte kein Kompromiss eingegangen werden wenn es um die Gesundheit unserer Kinder geht. Von daher sollten Firmen die schädliche Stoffe verwenden öffentlich an den Pranger gestellt und und ihre Produkte vom verkauf [...]
Es sollte kein Kompromiss eingegangen werden wenn es um die Gesundheit unserer Kinder geht. Von daher sollten Firmen die schädliche Stoffe verwenden öffentlich an den Pranger gestellt und und ihre Produkte vom verkauf ausgeschlossen werden. Eine Liste wäre gut gewesen da diese Hersteller doch bestimmt auch in Deutschland vertreiben unter anderem Namen oder weil sie in Frankreich schon durch einen global Player vertreiben. Immer wieder erschreckend, genau wie der Skandal mit dem Asbest im Babypuder. Ein Wechsel zu Stoffwindeln ist umwelttechnisch nicht die bessere Lösung da durch die Reinigung dieser (Wasserverbrauch, Waschmittel usw.) die Umwelt stärker belastet wird als durch eine Wegwerfwindel. Allerdings ist das Schadstoffpotenzial geringer, macht aber auch wesentlich mehr Arbeit, aber wer die Zeit hat und nicht so genau auf Umweltschutz achtet sollte Stoffwindeln nehmen.
regelaltersrentner 24.01.2019
3.
Wer hier Stoffwindeln propagiert, hat noch nie ein Kind mit Stoffwindeln gewickelt. Und jetzt bin ich gespannt, ob dieser Beitrag zur selben Sache auch nicht freigegeben wird! Bevor die Frage kommt, ja ich habe meine [...]
Zitat von sam_keitDa die Industrie wahrscheinlich kein Interesse daran haben, etwas daran zu ändern (Das Duftstoffe nicht ungefährlich sind, weiß die Industrie schon vorher), sollte man einfach auf Stoffwindeln wechseln. Ist günstiger, es werden keine Produktions- und Lieferketten benötigt, und es schont die Umwelt. Also win win win
Wer hier Stoffwindeln propagiert, hat noch nie ein Kind mit Stoffwindeln gewickelt. Und jetzt bin ich gespannt, ob dieser Beitrag zur selben Sache auch nicht freigegeben wird! Bevor die Frage kommt, ja ich habe meine Söhne gewickelt, auch mit Stoffwindeln.
spon-1284395854394 24.01.2019
4.
Wann haben Sie denn bitte das letzte Mal mit Stoffwindeln gewickelt? Ich habe das nämlich auch getan (vor 6 Jahren angefangen) und es ist definitiv nicht schwieriger oder arbeitsintensiver, als mit Wegwerfwindeln. Einer [...]
Zitat von regelaltersrentnerWer hier Stoffwindeln propagiert, hat noch nie ein Kind mit Stoffwindeln gewickelt. Und jetzt bin ich gespannt, ob dieser Beitrag zur selben Sache auch nicht freigegeben wird! Bevor die Frage kommt, ja ich habe meine Söhne gewickelt, auch mit Stoffwindeln.
Wann haben Sie denn bitte das letzte Mal mit Stoffwindeln gewickelt? Ich habe das nämlich auch getan (vor 6 Jahren angefangen) und es ist definitiv nicht schwieriger oder arbeitsintensiver, als mit Wegwerfwindeln. Einer der Gründe, warum ich dies tat war übrigens, weil ich durchaus wusste, wieviel Chemie in den Wegwerfwindeln steckt.
eulenspiegel1979 24.01.2019
5.
Ich habe mal gelesen, dass die Natur 400 jahre benötigt, um eine herrkömmliche Windel abzubauen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Allerdings hat uns das zum Nachdenken angeregt. Zudem wollten wir keine Windeln an unsere Tochter [...]
Ich habe mal gelesen, dass die Natur 400 jahre benötigt, um eine herrkömmliche Windel abzubauen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Allerdings hat uns das zum Nachdenken angeregt. Zudem wollten wir keine Windeln an unsere Tochter legen, die stark parfümiert oder andersartig chemisch unnötig behandelt wurden. Dann wird schnell klar, dass man vermutlich alle bekannten Windelmarken abschreiben kann. Die Billigmarken sowieso. Wir haben einen Hersteller aus Frankfurt gefunden, der in Brandenburg produzieren lässt. Die Windeln sind biologisch abbaubar. Diese kosten zwar ein wenig mehr, aber das ist es uns wert. Da ich hier keine Werbung machen möchte, muss jeder Interessierte selbst recherchieren. Der Hersteller beginnt mit L und endet mit o.

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