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Gesundheit

Geburtenrückgang

Deutschland verliert Großfamilien

Die Deutschen bekommen heute deutlich weniger Kinder als noch vor fünfzig Jahren. Der Hauptgrund dafür ist, dass es weniger Großfamilien gibt. Kinderlosigkeit spielt eine vergleichsweise kleine Rolle.

DPA

Neugeborenes

Freitag, 20.01.2017   09:31 Uhr

Der Tiefpunkt war 2009 erreicht. Damals brachten die Deutschen gerade mal 8,1 Kinder pro 1000 Einwohner zur Welt - in den Sechzigern waren es noch 16, 17 oder gar 18. Grund dafür ist Forschern zufolge vor allem der Rückgang kinderreicher Familien.

"Ein Drittel der Frauen, die Anfang der Dreißigerjahre geboren wurden, hatten drei oder mehr Kinder. Dagegen ist nur jede Sechste der Ende der Sechzigerjahre geborenen Frauen kinderreich", erklärte Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Insgesamt seien kleinere Familien für mehr als zwei Drittel der sinkenden Geburtenrate in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verantwortlich, berichten Bujard und sein Kollege Harun Sulak in der Zeitschrift "Demografische Forschung Aus Erster Hand". Kinderlosigkeit verursachte demnach 26 Prozent des Rückgangs. Der Anteil von Frauen mit einem Kind blieb über den gesamten Zeitraum relativ stabil.

Stigmatisierung kinderreicher Familien?

Eine Frau entscheide sich oft gegen Kinder, weil sie ihre beruflichen Ziele oder ihren Lebensstandard nicht verändern oder aufgeben möchte, schreiben die Forscher. Für eine Frau, die bereits Mutter von zwei Kindern ist und ihren Lebensstil darauf eingestellt hat, sei möglicherweise eher entscheidend, welches Image von kinderreichen Familien in der Gesellschaft existiere.

Bei der schrumpfenden Zahl an Großfamilien könnte eine starke Debatte über die Überbevölkerung in den Sechzigerjahren, eine Stigmatisierung von kinderreichen Familien und die Etablierung einer Zwei-Kinder-Norm die Ursache sein, mutmaßen die Forscher weiter. Noch allerdings sei das Wissen dazu nur sehr bruchstückhaft.

2015 war zum ersten Mal seit 30 Jahren die sogenannte Geburtenziffer in Deutschland wieder auf den Wert von 1,5 je Frau gestiegen. Der statistische Wert gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn sie sich daran orientiert, wie sich gerade der Durchschnitt der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren verhält. Deutschlandweit kamen 2015 rund 738.000 Mädchen und Jungen zur Welt - 23.000 Neugeborene mehr als im Jahr 2014.

irb/dpa

insgesamt 75 Beiträge
huppim 20.01.2017
1. So ein Quatsch!
Wer darf so einen blühenden Unsinn schreiben? Die "Ursache" von weniger Geburten ist ja wohl nicht die sinkende Zahl an Großfamilien, sondern die sinkende Quote überhaupt, also die Zahl der Kinder je Frau. Ob sich das [...]
Wer darf so einen blühenden Unsinn schreiben? Die "Ursache" von weniger Geburten ist ja wohl nicht die sinkende Zahl an Großfamilien, sondern die sinkende Quote überhaupt, also die Zahl der Kinder je Frau. Ob sich das dann auf 1-Kind-Familien oder 6-Kinder-Familien verteilt, ist für die Geburtenrate in Deutschland wohl ziemlich unerheblich. Dabei ist es auch nicht von Belang, ob die Zahl der 1-Kind-Frauen gleich geblieben ist. Was Ursache ist, Wirkung oder einfach nur Tatsache ohne Bezug, sollte man schon auseinander halten. SPON "zeichnet" sich schon seit längerem durch eine sehr merkwürdige Themenauswahl aus. Wenn jetzt die einzelnen Beiträge auch noch von Leuten geschrieben werden, die keine Lust zum Nachdenken (oder keine Fähihkeit?) haben, dann gute Nacht!
DerAndereBarde 20.01.2017
2. Zwei sind aber auch genug
Meine Frau und mich hält keinesfalls soziales Stigma davon ab, unseren zwei wunderbaren Kindern weitere hinzuzufügen, sondern vielmehr die Erkenntnis, das wir die Betreuung von mehr nicht angemessen stemmen würden. Vermutlich [...]
Meine Frau und mich hält keinesfalls soziales Stigma davon ab, unseren zwei wunderbaren Kindern weitere hinzuzufügen, sondern vielmehr die Erkenntnis, das wir die Betreuung von mehr nicht angemessen stemmen würden. Vermutlich geht es vielen anderen Eltern ähnlich; deren Ansprüche an sich selbst sind auf Grund der bequemen Lebensumstände einfach höher als die von Generationen aus Kriegszeiten.
u30 20.01.2017
3. Stigmatisierung?
Bei der Suche nach dem Grund finde ich es falsch den Fokus allein auf die Frauen zu legen, immerhin bekommen die die Kinder nicht allein. Es wird nur Stigmatisierung durch die Gesellschaft als möglicher Grund angeführt, das [...]
Bei der Suche nach dem Grund finde ich es falsch den Fokus allein auf die Frauen zu legen, immerhin bekommen die die Kinder nicht allein. Es wird nur Stigmatisierung durch die Gesellschaft als möglicher Grund angeführt, das halte ich für äusserst schlecht recherchiert. Wesentliche Unterschiede zu damals sind doch Zugang zu Verhütung - wollten die Familien von damals so viele Kinder? Oder hatten sie keine Wahl? Ausserdem das Alter der Erstgebärenden, heute Durchschnittlich 30 - da kann man nicht mehr endlos viele Kinder bekommen. Ausserdem sind berufstätige Mütter heute die Regel und haben oft nicht die Wahl, denn der Wohnraum für Familie muss finanziert werden. Mit zwei Kindern ist das zu organisieren, mit 3 und mehr als 4 Kindern wird die Organisation schwer und lohnt es sich finanziell oft nicht.
kladderadatsch 20.01.2017
4. Viele Kinder bedeutet zu viele Opfer
und heute kann man dies anders als vor 50 Jahren selbst bestimmen. Dann ist noch der Einfluss der katholischen Kirche zurückgegangen. Bei so vielen Kindern fällt die Mutter als Einkommensquelle aus und hat dann auch kaum [...]
und heute kann man dies anders als vor 50 Jahren selbst bestimmen. Dann ist noch der Einfluss der katholischen Kirche zurückgegangen. Bei so vielen Kindern fällt die Mutter als Einkommensquelle aus und hat dann auch kaum Rentenanspruch. Die Kindererziehung ist sehr anstrengend und nicht immer erfolgreich. Und an den Schulen gibt es Dank G8 nur noch wenig Unterstützung von den Lehrern. Die sind überfordert und verlagern den Lernstoff auf die Eltern. Also mehr als ein Kind zu haben ist nicht rational. Und so ist es dann auch heute - schade eigentlich.
divStar 20.01.2017
5. Es gibt aus meiner Sicht mehrere Gründe
1. Kinder sind teuer und schlecht mit Beruf und privatem Freizeitausgleich, den man braucht, um einen Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit zu haben. 2. Hart gesagt lohnt es sich keinesfalls, denn ob Kinder im Alter einem selbst [...]
1. Kinder sind teuer und schlecht mit Beruf und privatem Freizeitausgleich, den man braucht, um einen Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit zu haben. 2. Hart gesagt lohnt es sich keinesfalls, denn ob Kinder im Alter einem selbst helfen, ist fraglich. 3. In der Gesellschaft ist Kinderlosigkeit recht weitreichend akzeptiert - was IMO auch in Ordnung ist, denn nicht jeder sollte auf Biegen und Brechen Kinder bekommen. 4. Die finanziellen Entlastungen des Staates sind äußerst überschaubar. 5. Dank diverser Problematiken ist es nicht einmal leicht einen ordentlichen Partner fürs Leben zu finden und Frauen / Mütter haben im Zweifel vor dem Gesetz scheinbar Vorrang - ergo werde ich als Mann z.B. keine Kinder machen wenn ich mir beim Partner nicht 100%tig sicher bin - und wann ist man das schon? Es gibt sicher noch viele andere Gründe - aber die hier erklären für mich warum es immer weniger Kinder gibt. Dass sie eigentlich nötig wären, um die sozialen und anderen Systeme aufrecht zu erhalten, mag sein - aber offenbar gibt es für sie im Leben immer weniger Platz und auch weniger Anreize die ganzen Bürden auf sich zu nehmen.
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