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Gesundheit

Zwiebelsirup, Quark, Salzwasser

Diese Hausmittel können Kindern helfen

Die Nase läuft, der Bauch grummelt, das Knie ist aufgeschlagen: In solchen Fällen reichen meist Hausmittel, damit es Kindern wieder besser geht. Die häufigsten Beschwerden - und was dagegen hilft.

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Donnerstag, 12.04.2018   11:05 Uhr

Wadenwickel gegen Fieber oder Zwiebel gegen Ohrenschmerzen: In vielen Familien sind Hausmittel von Generation zu Generation überliefert worden. Obwohl es heute für die meisten Wehwehchen Medikamente gibt, merken viele Eltern, dass Omas Tipps ebenso gut wirken. Nachgewiesen mag das im Einzelnen nicht sein - erklären können Experten das Phänomen trotzdem.

Hausmittel seien praktisch nicht erforscht, sagt Rainer Stange, Internist und Experte für Naturheilverfahren am Immanuel Krankenhaus Berlin.

Dass sich die kleinen Patienten durch die Verfahren besser fühlen, hat aber ohnehin nicht unbedingt mit den einzelnen Wirkstoffen zu tun. Hermann Josef Kahl, Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, erklärt: Die Kinder spüren die Zuwendung der Eltern. "Der psychologische Effekt solcher Maßnahmen ist nicht zu unterschätzen."

Insofern spricht nichts dagegen, manche Symptome erst einmal mit Hausmitteln zu behandeln. Wann sich besser ein Arzt das Kind anschaut - dafür haben Eltern meist ein Gefühl. Eltern könnten einschätzen, wenn das Kind ungewöhnlich anders ist als sonst: grauer, träger oder weinerlicher, sagt der Kinder- und Jugendarzt Andreas Volbracht. Fühlen sich die Eltern in Bezug auf ihr Kind unwohl, sollten sie ihrem Instinkt vertrauen. "Das ist ganz gut untersucht, dass die Sorge der Eltern mit der Schwere der Erkrankung übereinstimmt", sagt Volbracht.

Für leichte Beschwerden stehen eine ganze Reihe von Mitteln zur Verfügung, die sich in fast jedem Haushalt finden.

Husten: Zwiebelsirup entspannt die Bronchien

Zwiebelsirup sei sein Lieblingshausmittel, sagt Andreas Volbracht. Dazu ein bis zwei geschälte und gewürfelte Zwiebeln mit ein paar Löffeln Zucker oder Honig in ein leeres Marmeladenglas gegeben. Nach mindestens zwei Stunden die Stücke heraussieben, übrig bleibt der Zwiebelsirup. Diesen kann man mit Wasser verdünnen. Kinder mit Husten können mehrmals täglich ein bis zwei Esslöffel einnehmen. "Es bewirkt eine Muskelentspannung an der Bronchialmuskulatur. Das löst die muskuläre Verkrampfung der Atemwege auf", so Volbracht.

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Schnupfen: Salzwasser macht die Nase frei

Statt abschwellenden Nasentropfen hilft Kindern mit verstopfter Nase manchmal auch eine einfache Kochsalzlösung. Wer die nicht selbst herstellen möchte, kann fertige Ampullen in der Apotheke kaufen.

Ohrenschmerzen: Zwiebelsäckchen nehmen den Druck

Die Zwiebel leistet auch bei leichten Ohrenschmerzen gute Dienste. Dafür die Zwiebelstückchen in einen Teebeutel oder ein Stofftaschentuch geben und vor das Ohr legen. Achtung: nicht ins Ohr! "Das nimmt so ein bisschen den Spannungsschmerz vom Trommelfell", sagt Volbracht. Lassen die Schmerzen nicht nach oder kommt hohes Fieber hinzu, ist die Zeit der Hausmittel vorbei und ein Arztbesuch angeraten.

Fieber: Wadenwickel kühlen

Kind- und Jugendarzt Kahl empfiehlt, Fieber erst ab 39,5 Grad zu senken. "Fieber hat eine stimulierende Wirkung auf das Immunsystem." Nur wenn Kinder schon mal einen Fieberkrampf hatten, müssen Eltern gleich handeln. Versuchen kann man es erst einmal mit Wadenwickeln: Ein in Wasser getauchtes und ausgewrungenes dünnes Tuch kommt um den Unterschenkel und wird mit einem Handtuch noch einmal verpackt. Das Wasser sollte nicht zu kalt sein, sagt Andrea Hagen-Herpay vom Hebammenverband. "Einfach kühles, handkaltes Wasser, was mich nicht selbst erschreckt, wenn ich meine Hand reinhalte." Achtung: Hält das Fieber über drei Tage an, verschlechtert sich der Zustand oder handelt es sich um einen Säugling, bitte zum Arzt gehen!

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Wunden, Quetschungen, Insektenstiche: Quark gegen Schmerz und Hitze

"Bei Entzündungen, Stauchungen und Quetschungen, bei harmlosen Insektenstichen - immer, wenn in den Weichteilen Hitze ist und Schmerz, ist Quark gut", sagt Internist Stange. Am besten schön kalt aus dem Kühlschrank, wird er direkt auf die schmerzende Stelle aufgetragen. Die Wirkung ähnelt einem Kühlpack. "Nur dass der Kontakt noch besser ist, er kommt gut an die Haut ran und haftet auch gut."

Oberflächliche Schürfwunden sollten Eltern nur reinigen. "Einfach Wasser drüberlaufen lassen, dass der Dreck weg ist, und dann die Wunde trocken abheilen lassen", rät Kinder- und Jugendarzt Kahl.

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Bauchweh: Wärmflasche oder Lieblingstee mit Zucker und Salz

Grummelt beim Kind der Bauch, wirken eine leichte Massage sowie Wärmflasche oder Kirschkernkissen meist beruhigend.

Bauchschmerzen mit Fieber sind dagegen ein Fall für den Arzt! Bei einem Magen-Darm-Infekt ist es vor allem wichtig, mit viel Trinken den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Eine Elektrolytlösung können Eltern selbst herstellen, indem sie in den Lieblingstee des Kindes Traubenzucker und eine Prise Salz geben. "Größere Kinder akzeptieren auch schon mal schwarzen Tee", sagt Kahl. "Der hat eine heilende Wirkung auf die entzündete Darmschleimhaut."

wbr/Christina Bachmann, dpa

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