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Gesundheit

Studie

Mehr Frauen aus armen Ländern haben Zugang zu Verhütung

Kondom, Pille, Hormonspritze: Dank Förderprogrammen können sich immer mehr Frauen in Entwicklungsländern für Verhütung entscheiden. Doch den Initiativen geht das Geld aus - besonders die USA zahlen deutlich weniger.

DPA

Frau hält ein Kondom in einer Hand

Dienstag, 05.12.2017   16:40 Uhr

Über 309 Millionen Mädchen und Frauen in den 69 ärmsten Ländern der Weg haben mittlerweile Zugang zu Empfängnisverhütung. Das sind fast 39 Millionen mehr als 2012, wie das weltweite Netzwerk "Familyplanning 2020" (FP2020) berichtet. Allein zwischen Juli 2016 und Juli 2017 hat es demnach durch Pille, Kondom oder Langzeitspritze 84 Millionen ungewollte Schwangerschaften weniger gegeben. Auch 26 Millionen unsichere Abtreibungen und 120.000 Todesfälle von Müttern seien so verhindert worden.

Die Situation hat sich demnach besonders im Osten und Süden Afrikas verbessert. Vor allem an der Elfenbeinküste und in Burkina Faso hätten Frauen leichteren Zugang zu Verhütungsmitteln, berichtet Fatimata Sy von der regionalen Organisation "Ouagadougou Partnership". Insgesamt verhüten laut Studie in den ärmsten Ländern des Kontinents 16 Millionen mehr Frauen als noch 2012. Gleichzeitig hat aber nur jede vierte Frau zwischen 15 und 49 Jahren Zugang zu Verhütungsmitteln.

VERHÜTUNGS-QUIZ

In den bevölkerungsreichen Ländern Asiens - Indien, Indonesien, Pakistan und Bangladesch - war die Zuwachsrate kleiner. Aber dort nutzen ohnehin schon deutlich mehr Frauen Empfängnisverhütung: Laut FP2020 sind es derzeit etwa 38 Prozent.

Das Netzwerk hilft in Abstimmung mit den Zielen der Uno-Initiative "Every Woman every Child" armen Staaten dabei, eigene Gesundheitsprogramme aufzubauen oder zu verbessern. Es liefert auch Statistiken, um internationale Spenden sinnvoll einzusetzen. 41 der 69 ärmsten Staaten im Fokus der Initiative haben mittlerweile entsprechende Vorhaben auf den Weg gebracht.

2016 flossen 1,2 Milliarden US-Dollar in die von FP2020 unterstützten bilateralen Programme. Mehr als 44 Prozent der Fördergelder kamen aus den USA, Deutschland trug dagegen nur 3,2 Prozent zur Summe bei. Doch die Zahlungen sind seit zwei Jahren rückläufig, sagte Direktorin Beth Schlachter bei der Vorstellung des fünften Jahresreports.

Vor allem durch die veränderte US-Politik sei die Zukunft ungewiss. Präsident Donald Trump hatte bereits in seinem Wahlkampf angekündigt, Gelder für Entwicklungshilfe zu kürzen. Die Hoffnung von FP2020-Direktorin Schlachter liege nun auf anderen Ländern. "Das hoch gesteckte Ziel, bis 2020 insgesamt 120 Millionen Frauen zusätzlich Zugang zu modernen Mitteln der Empfängnisverhütung zu verschaffen, werden wir wohl erst zwischen 2025 und 2030 erreichen."

koe/dpa

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