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Gesundheit

Künstliche Befruchtung

Forscher zählen acht Millionen Retortenbabys

Vor knapp 40 Jahren kam Louise Brown zur Welt, das erste Retortenbaby. Seitdem sind mehr als acht Millionen Kinder gefolgt, zeigt eine aktuelle Statistik. Deutschland belegt in Europa einen der ersten Plätze.

Getty Images/Johner RF

Baby (Symbolbild)

Dienstag, 03.07.2018   17:04 Uhr

In den vergangenen 40 Jahren sind weltweit mehr als acht Millionen Babys nach einer Fruchtbarkeitsbehandlung geboren worden. Das hat eine Auswertung der Datensammlung ICMART ergeben, die beim Jahreskongress der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie in Barcelona vorgestellt wurde.

Inzwischen werden demnach jährlich rund um den Globus geschätzt mehr als eine halbe Million Babys nach einer künstlichen Befruchtung geboren. In Europa liege bei der Zahl der Fruchtbarkeitsbehandlungen Spanien mit 119.875 Therapiezyklen im Jahr 2015 an der Spitze, gefolgt von Russland (110.723), Deutschland (96.512) und Frankreich (93.918), hieß es weiter.

In Deutschland kamen nach den Behandlungen 2015 mehr als 20.000 Babys auf die Welt. Zum Vergleich: 2011 waren noch rund 7000 Kinder in Deutschland nach einer künstlichen Befruchtung geboren worden. Damit hat sich die Zahl der Retortenbabys innerhalb kurzer Zeit fast verdreifacht. Während 2010 19,7 Prozent der einzeln eingesetzten Embryonen in Deutschland zu einer Geburt führten, waren es 2015 laut IVF-Register bereits 23,5 Prozent.

Zwillingsschwangerschaften wieder seltener

Der Statistik zufolge kommt es bei 36 Prozent der Embryotransfers zu einer Schwangerschaft. Die Chancen stehen demnach besser, wenn der Embryo im Alter von fünf statt von drei Tagen in die Gebärmutter übertragen wird. Mit dem Alter der Mutter hingegen sinken die Aussichten auf eine Schwangerschaft. Weil inzwischen häufiger nur ein Embryo eingesetzt wird, kommt es den Forschern zufolge mittlerweile wieder seltener zu Zwillingsschwangerschaften - 2015 lag die Rate bei etwa 14 Prozent.

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Rund jedes zehnte Paar hat Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen. Bis Ende der Siebzigerjahre ließ sich dagegen kaum etwas tun. Am 25. Juli 1978 änderte sich das: Damals wurde im britischen Oldham Louise Brown als erstes Baby nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Entwickelt wurde die Methode von Mediziner Robert Edwards, der dafür 2010 den Nobelpreis erhielt. Das erste deutsche Retortenbaby kam am 16. April 1982 in der Erlanger Frauenklinik zur Welt. Es war ein Junge - Oliver.

DPA

Robert Edwards auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2008. Der Pionier der künstlichen Befruchtung ist 2013 gestorben.

In Deutschland werden zwei verschiedene Methoden der künstlichen Befruchtung angewendet. Die In-vitro-Fertilisation (IVF) nutzen Mediziner unter anderem bei Fruchtbarkeitsproblemen der Frau wie etwa einem Eileiterverschluss. Bei der Behandlung wird zunächst mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert. Anschließend werden die gereiften Eizellen abgesaugt und im Labor mit den Samenzellen des Mannes befruchtet. Der entstandene Embryo wird in die Gebärmutter der Frau gepflanzt.

Am häufigsten wird inzwischen jedoch die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) angewendet. Sie kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz, etwa bei zu wenigen oder schlecht beweglichen Spermien. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird jedoch eine Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt.

Video: Die Babymacher

Foto: SPIEGEL TV

irb/dpa

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