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Gesundheit

Niederlande

Aldi und Lidl stoppen Verkauf von Energydrinks an Kinder

Zu viel Zucker, zu viel Koffein, einfach zu ungesund: Kinder bekommen bei Aldi und Lidl in Zukunft keine Energydrinks mehr - zumindest in den Niederlanden. In Deutschland existieren keine ähnlichen Pläne.

DPA

Energydrinks (Archivbild)

Mittwoch, 04.07.2018   10:50 Uhr

Die deutschen Supermarktdiscounter Aldi und Lidl werden in den Niederlanden keine Energydrinks mehr an Kinder verkaufen. Die Regelung gelte ab 1. Oktober für Kinder unter 14 Jahren, teilte Aldi am Dienstag mit. Der Discounter begründete den Schritt mit zunehmenden Sorgen in der Gesellschaft. "Indem wir Energydrinks nicht mehr an Kinder verkaufen, stimulieren wir sie, eine gesündere Wahl zu treffen."

Auch Lidl kündigte am Dienstag einen Verkaufsstopp der Getränke für Kinder in den Niederlanden an. Der Discounter hatte kürzlich erklärt, in den niederländischen Filialen auch keine Zigaretten mehr zu verkaufen. Energydrinks gelten wegen des hohen Gehalts an Koffein und Zucker als ungesund. Sie können Ärzten zufolge zu Unruhe, Übermüdung und Herzrhythmusstörungen führen.

Der niederländische Verband der Kinderärzte hatte Anfang des Jahres ein Verbot der Energydrinks für Kinder unter 18 Jahren gefordert. Das hatte das Gesundheitsministerium zwar abgelehnt, Schulen, Sportvereine und Unternehmen aber zu Maßnahmen aufgerufen. Die Ernährungsbehörde empfiehlt, dass Kinder bis 14 Jahre die Energydrinks nicht trinken sollten. Viele Schulen hatten die Drinks bereits aus den Kantinen entfernt.

Auch in anderen Ländern regt sich der Widerstand gegen die aufputschenden Getränke. In Großbritannien hatten Aldi und Lidl bereits im März ein Mindestalter von 16 Jahren für den Kauf von Energydrinks eingeführt, neben vielen weiteren Supermarktketten. Vorreiter der Bewegung ist Litauen, wo der Verkauf von Energydrinks an Kinder und Jugendliche 2014 gesetzlich verboten wurde.

Deutschland: Ebenfalls Widerstand - aber keine Verbotspläne

In Deutschland hingegen planen weder Aldi Nord noch Aldi Süd derzeit eine Altersbeschränkung, wie die Unternehmen am Dienstag auf Anfrage mitteilten. Auch bei Lidl gibt es derzeit keine entsprechenden Pläne für Deutschland. Die Unternehmen verwiesen auf Verpackungshinweise, mit denen - wie gesetzlich vorgeschrieben - auf den erhöhten Koffeingehalt hingewiesen werde.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisierte das: "Aldi und Lidl Deutschland dürfen beim Kinder- und Jugendschutz nicht länger hinterherhinken", teilte der Verein mit.

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Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kämpft ebenfalls schon seit Langem für eine Altersbeschränkung. "Wir (...) fordern Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf, sich endlich für ein Verbot von Energydrinks für Kinder und Jugendliche einzusetzen und sie damit vor den fatalen Nebenwirkungen dieser Getränke zu schützen", erklärte BVKJ-Pressesprecher Josef Kahl Anfang Juni.

Mehrere Todesfälle unter Teenagern

Koffein treibt ähnlich wie das Stresshormon Adrenalin den Herzschlag an, lässt den Blutdruck steigen und kann dadurch in sehr hohen Dosierungen der Gesundheit schaden. Möglicherweise gefährlich ist auch die Kombination mit Sport, der das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belastet. Dies könne vor allem bei einem unentdeckten Herzfehler zur Gefahr werden, warnen Kritiker.

Bereits mehrere Teenager sind nach dem Konsum größerer Mengen Koffein gestorben, angesichts des weit verbreiteten Konsums sind Todesfälle jedoch extrem selten. Bei einem ansonsten gesunden 16-Jährigen etwa hatte eine Überdosis 2017 zu tödlichen Herz-Rhythmus-Störungen geführt, wie die Obduktion ergab. Der Junge aus den USA hatte innerhalb von zwei Stunden eine große Flasche stark koffeinhaltige Zitronenlimonade, einen Caffè Latte und einen Energydrink getrunken.

In Deutschland ist bislang kein vergleichbarer Fall bekannt. Es existieren jedoch Berichte von Todesfällen, bei denen ein Zusammenhang mit Energydrinks in Kombination mit Alkohol oder anstrengendem Sport vermutet wird. Kinder sind durch den Konsum von Energydrinks gefährdeter, weil sich bei ihnen das Koffein auf einer geringeren Körpermasse verteilt.

Video: Droge Zucker

Foto: SPIEGEL TV

irb/dpa

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