Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

Die Abschaffung des Paragrafen 219a reicht nicht

In der Debatte über das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche sollte es weniger um Abtreibungen gehen als um Informationen über Abtreibungen. Und die dürfen in Hamburg nicht anders sein als in Bayern.

imago/ IPON

Protest gegen Paragraf 219a

Ein Kommentar von
Sonntag, 25.03.2018   17:35 Uhr

Plötzlich wird wieder über Schwangerschaftsabbrüche diskutiert in Deutschland. Dabei ist die Sache geklärt: Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland verboten. Sie bleiben aber unter bestimmten Bedingungen straffrei - etwa, wenn sich die Frau beraten lässt, vor dem Eingriff drei Tage Bedenkzeit einhält und der Eingriff vor der 12. Schwangerschaftswoche stattfindet (lesen Sie hier mehr dazu). Vielleicht ist die Regelung holprig, aber geradezu genial.

Abtreibungsgegner bekommen darin ihr gewünschtes Verbot, Frauen aber trotzdem die Möglichkeit, einen Abbruch durchzuführen. Und selbst wenn die Berater angehalten sind, in eine bestimmte Richtung zu beraten, so bleibt das Gespräch doch "ergebnisoffen", wie es so schön heißt. Die Frau kann also danach selbst entscheiden. Und das ist vielleicht eine der schwierigsten Entscheidungen, die eine Frau treffen kann.

Umso überraschender ist es, dass manche Menschen glauben, für jeden Fall eine andere Lösung zu kennen - sogar ohne mit ihm vertraut zu sein. In Kommentaren und sozialen Medien werden ungefragt gute Ratschläge von Verhütung bis hin zu anonymer Geburt und Adoption verteilt, gern auch von Menschen, die selbst gar nicht schwanger werden können.

Je weniger Information, desto besser

Man könnte jedem Kommentar ein Szenario entgegensetzen. Man könnte berichten von Mädchen, die den Tod fürchten müssen, wenn sie schwanger nach Hause kommen. Von Krankheit, Verhütungsfehlern, Missbrauch, Armut, Gewalt, Verzweiflung, Pech und Hoffnungslosigkeit. Man sollte es lassen. Vielleicht trifft nichts von alldem zu, vielleicht will eine Frau einfach kein Kind bekommen. Warum sollten wir uns anmaßen, über uns unbekannte Beweggründe in uns unbekannten Lebensgeschichten zu urteilen?

Das müssen wir zum Glück auch nicht. Denn momentan geht es nicht darum, ob Abtreibungen okay sind. Es geht darum, wie sich Frauen über einen solchen Eingriff informieren können.

Die Debatte tobt, seit eine Ärztin dafür verurteilt wurde, auf ihrer Webseite über Schwangerschaftsabbrüche in ihrer Praxis informiert zu haben. Sie ist damit nur eine von vielen Medizinern, gegen die Abtreibungsgegner Anzeige erstatten. Die nämlich möchten § 219a aus dem Strafgesetzbuch streng durchgesetzt sehen. Er regelt die "Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft": Ärzte sollen ihre Leistungen auf diesem Feld nicht einmal "ankündigen" dürfen. Für Fans des Paragrafen gilt offenbar: Je weniger Information desto besser.

Strengere Gesetze sorgen nicht für weniger Abtreibungen

Dem scheint die Hoffnung zugrunde zu liegen, weniger Informationen führten zu weniger Abtreibungen. Oder die Befürchtung, eine Frau entschiede sich doch leichtfertiger gegen ein Kind und für eine Abtreibung, weil sie im Netz entsprechende Informationen gefunden hat.

Strengere Gesetze sorgen aber nicht grundsätzlich für weniger Abtreibungen, sondern auch für gefährlichere. Frauen, die ihre Schwangerschaft beenden wollen, haben schon immer Informationen und Wege gefunden, das zu tun - sei es im Ausland oder mit Stricknadeln auf dem heimischen Küchentisch. Oft gingen sie für die Frauen tödlich aus, Grund dafür war unter anderem der Mangel an Informationen. Zum Glück sind die Zeiten vorbei. Nun gilt es, alles daran zu setzen, dass sie für immer vorbei sind.

Jeder Arzt sollte einer Hilfesuchenden sagen, wo sie Hilfe bekommt

Die Abschaffung eines Paragrafen ist dafür nicht genug. Von einem Land wie Deutschland ist zu erwarten, dass Frauen problemlos Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch bekommen, wenn sie das wünschen. Sowohl von staatlichen Stellen als auch von Ärzten - und zwar nicht nur von denen, die selbst Abbrüche vornehmen.

Es ist jedem Arzt zuzumuten, dass er - ganz ungeachtet seiner eigenen Haltung - Patientinnen über Rechtslage und Möglichkeiten informiert. Dass er etwa sagt: "Ich bin dagegen und mache es nicht. Aber Herr Müller im Nachbarort kann ihnen weiterhelfen." Wer es als Arzt nicht schafft, die Minimalinformation weiterzugeben, wo eine Hilfesuchende Hilfe bekommt, hat vielleicht den falschen Beruf.

Wichtig ist auch eine einheitliche Information: Wer beispielsweise nach Informationen zum Schwangerschaftsabbruch in Hamburg googelt, erhält von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz schnörkellos mitgeteilt, welche Methoden es gibt samt einer Liste von Ärzten, die den Eingriff vornehmen. Der erste Satz lautet:

"In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei, wenn Sie zuvor eine Beratung in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in Anspruch genommen haben."

Googelt eine Frau in Bayern, landet sie auf der Seite des Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Hier beginnt der Text über die Rechtsgrundlagen mit einem anderen Satz:

"Grundsätzlich ist in Deutschland ein Schwangerschaftsabbruch nach § 218 des Strafgesetzbuches (StGB) für alle Beteiligten (Ärztin/Arzt und ggf. auch die schwangere Frau) strafbar."

In Landshut ist die Wortwahl bei der Beratungstelle am Gesundheitsamt noch einmal anders:

"Ein Schwangerschaftsabbruch nach der sogenannten "Beratungsregelung" bleibt Unrecht (tatbestandslos, aber rechtswidrig), ist aber straffrei, wenn ..."

Strafbar, straffrei, Unrecht - allein die unterschiedliche Wortwahl in der ersten Ansprache lässt erahnen, dass es Frauen unterschiedlich schwer gemacht wird, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch wünschen. Klar wird aber auch: Leicht gemacht wird es ihnen nirgendwo.

Dabei ist die Entscheidung für den Abbruch einer Schwangerschaft selbst schon schwer genug. Wir sollten den Frauen danach nicht noch mehr aufbürden, indem wir sie nur sporadisch informieren. Nichts wird besser, weil weniger darüber geredet wird.

insgesamt 61 Beiträge
dasfred 25.03.2018
1. Das wir überhaupt diesen Paragraphen haben
ist der eigentliche Skandal. Keine Frau nimmt eine Abtreibung so leicht, wie eine Nasenkorrektur, die überall beworben wird. Gerade die ungewollt Schwangere benötigt besonders gute Informationen und zwar schnell, um die Frist [...]
ist der eigentliche Skandal. Keine Frau nimmt eine Abtreibung so leicht, wie eine Nasenkorrektur, die überall beworben wird. Gerade die ungewollt Schwangere benötigt besonders gute Informationen und zwar schnell, um die Frist nicht zu überschreiten. Erst wenn alle Infos vorliegen, kann auch die Entscheidung richtig getroffen werden. Vielleicht auch pro Kind. Die Zeiten, wo Frau heimlich nach Holland gefahren ist, ist Gott sei Dank vorbei. Aber von umfassender Aufklärung über den Abbruch und seine Möglichkeiten und Folgen sind wir in Deutschland meilenweit entfernt. Alles nur, weil einige Menschen noch in einer Welt leben, die nichts mit der Realität der Betroffenen zu tun hat. Ich bin sicher, die Fälle, in denen Neugeborene im Blumenkübel oder dem Gefrierschrank entdeckt werden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Alles, weil Frauen nicht früher dieses Problem lösen konnten.
spon_4_me 25.03.2018
2. Ein Grund für den 219a,
der in der angeblich tobenden Debatte selten erwähnt wird, ist, die Kommerzialisierung der Abtreibung zu verhindern. Der Paragraf nennt dies eine Werbung „seines Vermögensvorteils wegen“. Ich teile Ihre Meinung, dass die [...]
der in der angeblich tobenden Debatte selten erwähnt wird, ist, die Kommerzialisierung der Abtreibung zu verhindern. Der Paragraf nennt dies eine Werbung „seines Vermögensvorteils wegen“. Ich teile Ihre Meinung, dass die Information zum Schwangerschaftsabbruch so neutral und einheitlich wie möglich sein sollte. Mir wird dieses wirtschaftliche Argument aber zu wenig berücksichtigt. Sind Sie so sicher, dass hier kein Missbrauch und Schindluder getrieben werden wird? Wie würden Sie den verhindern oder eindämmen wollen? Nicht dass Sie sich - wie bei FB - plötzlich in ein paar Jahren die Augen reiben und schockiert sagen: Da hat das ja jemand zum Geldverdienen ausgenutzt.
muekno 25.03.2018
3. #1 genau so ist es
Ein Abbruch ist einzig und allein die Sache der Frau, da hat kein Staat, kein Kirche etc. rein zureden. Ein ordentliche Aufklärung ja, ein ordentlich Beratung ja, meinetwegen auch als Pflicht. Hilfestellung um nicht einen Abbruch [...]
Ein Abbruch ist einzig und allein die Sache der Frau, da hat kein Staat, kein Kirche etc. rein zureden. Ein ordentliche Aufklärung ja, ein ordentlich Beratung ja, meinetwegen auch als Pflicht. Hilfestellung um nicht einen Abbruch nur wegen einer temporären Notlage ja. Aber sonst ist es eine Sache der Frau, Pasta.
haarer.15 25.03.2018
4. Abschaffung des Paragraphen 219a
Ja. Dieser Paragraph sollte verschwinden, weil er unterschiedliche Auslegung zulässt und Komplikationen erzeugt, für den Arzt wie für die betroffene Frau. Eine Beratung sollte auch nicht richtungsweisend sein, sondern u m f a [...]
Ja. Dieser Paragraph sollte verschwinden, weil er unterschiedliche Auslegung zulässt und Komplikationen erzeugt, für den Arzt wie für die betroffene Frau. Eine Beratung sollte auch nicht richtungsweisend sein, sondern u m f a s s e n d, sonst darf sich das nicht Beratung nennen. Und ja, ein Arzt soll natürlich seine Leistungen aufgliedern, und zwar transparent auch für den Fall eines Schwangerschafts-Abbruchs. Das hat mit Werbung gar nichts zu tun, sondern es ist seine Informationspflicht. Wenn er selbst keine Abtreibung vornehmen will, so ist er trotzdem verpflichtet, den betroffenen Frauen weiterzuhelfen. Claro - sonst hätte er seinen Beruf verfehlt.
xilraf 25.03.2018
5. Sehr richtig!
Kann dem Kommentar nur zustimmen. Frauen sollten dieselben, neutralen Informationen bekommen können, und eine Liste mit Ärzten, die Abbrüche durchführen.
Kann dem Kommentar nur zustimmen. Frauen sollten dieselben, neutralen Informationen bekommen können, und eine Liste mit Ärzten, die Abbrüche durchführen.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Erreger, die in der Schwangerschaft gefährlich sein können

Klicken Sie auf die Reiter, um mehr zu erfahren.
Röteln
Während die Rötelnerkrankung bei Kindern und Erwachsenen meist ohne Komplikationen abläuft, ist eine Infektion mit Rötelnviren in der Schwangerschaft sehr gefährlich: Breiten sich die Viren im Ungeborenen aus, kann das schwere körperliche Missbildungen zur Folge haben oder zu einer Fehlgeburt führen - je nachdem in welchem Stadium sich die Schwangere angesteckt hat. Übertragen werden die Rötelnviren durch eine Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen). Schutz: Impfung im Kindesalter. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft. Behandlung: Röteln in der Schwangerschaft lassen sich nur symptomatisch behandeln. Das heißt, es steht keine spezifische Therapie gegen das Virus zur Verfügung. So kann auch eine Röteln-Infektion des Ungeborenen (Rötelnembryopathie) nicht therapiert werden. Bei Verdacht (wenn etwa eine ungeimpfte Schwangere Kontakt mit einer infizierten Person hatte) spritzt der Arzt Röteln-Antikörper, sogenannte Immunglobuline.
Zytomegalievirus
Zytomegalieviren (CMV) sind für gewöhnlich ungefährlich. Meistens steckt man sich unbemerkt damit an. Problematisch wird eine CMV-Infektion für Schwangere, die vorher noch nicht damit infiziert waren. Sie können sich vor allem beim Kontakt mit Kleinkindern damit anstecken - die Viren sind in Urin, Tränen, Speichel, Blut, aber auch in Samen oder Vaginalflüssigkeit enthalten. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft, liegt das Risiko bei 30 bis 40 Prozent, dass sie das Virus auf das Ungeborene überträgt. Das kann beim Kind gravierende Organschäden mit dauerhaften Folgeschäden hervorrufen.Schutz: Eine Impfung gibt es bisher nicht. Schwangere können sich auf eigene Kosten auf CMV testen lassen. Wenn sie CMV-negativ sind, empfiehlt es sich, engen Kontakt mit Kleinkindern zu vermeiden. Behandlung: Treten Komplikationen beim Ungeborenen auf, und besteht der Verdacht einer CMV-Erstinfektion während der Schwangerschaft, kann man in einem sogenannten Heilversuch eine Behandlung mit CMV-Antikörpern durchführen. Allerdings ist das Präparat noch nicht zugelassen. Doch schon jetzt zeigt diese passive Immunisierung deutliche Erfolge.
Parvovirus B19 (Ringelröteln)
Parvoviren werden meistens per Tröpfcheninfektion übertragen. In den Industrieländern stecken sich etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mit Ringelröteln an. Frauen, die sich während der Schwangerschaft erstmals mit Parvoviren infizieren, können die Infektion auf das Ungeborene übertragen. Weil eine Folge der Infektion die verminderte Bildung von roten Blutkörperchen und damit Blutarmut ist, kann das für den Fötus lebensbedrohlich sein. Deshalb benötigt der Fötus mehrfach Bluttransfusionen, ansonsten kann das Ungeborene sterben. Schutz: Eine Impfung gibt es bisher nicht. Auch die Wirksamkeit von Antikörpern ist noch nicht nachgewiesen. Hygienische Maßnahmen vor allem während der Schwangerschaft sind deshalb wichtig. Behandlung: keine. Lediglich schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente können verabreicht werden.
HIV
Ärzte raten Schwangeren zu einer Untersuchung auf HIV. Denn das Risiko, dass sich das Kind während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ebenfalls infiziert, ist hoch: Ohne Behandlung wird es auf 15 bis 30 Prozent geschätzt. Auch beim Stillen kann eine HIV-infizierte Mutter das Virus übertragen. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Bestimmte Medikamente, sogenannte antiretrovirale Mittel, verringern das Risiko einer Übertragung auf das Kind. Ebenso eine Geburt per Kaiserschnitt sowie das Abstillen.
Varizella-Zoster-Virus (Windpocken)
Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das zur Familie der Herpesviren gehört. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion (etwa Husten und Niesen) übertragen. Außerdem kann man sich anstecken, wenn man mit virushaltigem Bläscheninhalt der Pocken in Kontakt kommt. Bei Schwangeren kann eine Windpocken-Erkrankung das ungeborene Kind schädigen. Hatte man als Kind Windpocken, ist man ein Leben lang immun dagegen, es sei denn, die Ersterkrankung verlief schwach oder fand in sehr jungen Jahren statt. Bei über 95 Prozent der Erwachsenen kann man jedoch Antikörper gegen das Virus nachweisen. Schutz: Kontakt mit erkrankten Personen meiden. Behandlung: keine. Lediglich schmerz- und juckreizstillende sowie fiebersenkende Medikamente können verabreicht werden.
Humanes Papillomvirus (HPV)
siehe Kasten unten.
Mumps-und-Masern-Viren
Eine Masern- oder Mumps-Erkrankung in der Schwangerschaft zieht zwar keine so schwerwiegenden Folgen wie eine Rötelninfektion nach sich, doch die Rate an Fehl- und Totgeburten und die Sterblichkeit im Säuglingsalter ist erhöht. Schutz: Seit 2006 ist in Deutschland ein Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken) zugelassen (MMRV-Impfstoff), der meist Säuglingen vom elften bis zum 14. Lebensmonat verabreicht wird.
Toxoplasma gondii (Toxoplasmose)
Der Parasit Toxoplasma gondii ist der Verursacher von Toxoplasmose. Es wird auf vielfältigen Wegen übertragen. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch. Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft zum ersten Mal, kann es beim Ungeborenen zu Schädigungen des Zentralen Nervensystems oder der Organe kommen. Zudem steigt das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt an. Schutz: Verhindern kann man eine Ansteckung nicht, Schwangere können das Risiko verringern, indem sie rohes oder ungegartes Fleisch und ungenügend gewaschenes Gemüse und Obst sowie den Kontakt mit Katzenkot vermeiden. Behandlung: In den meisten Fällen ist eine Behandlung nicht notwendig - der Körper wird in der Regel allein mit dem Erreger fertig. Allerdings müssen infizierte Schwangere zum Schutz ihrer Neugeborenen mit einer Kombination aus Pyrimethamin mit Folsäure und sowie dem Antibiotikum Sulfonamid behandelt werden.
Listerien (Listeriose)
Für Schwangere und ihr ungeborenes Kind ist eine Listeriose besonders gefährlich: Neben grippeähnlichen Beschwerden können Schwangere auch eine Blasenentzündung und vorzeitige Wehen entwickeln. Hat sich das Kind im Mutterleib infiziert, kann es zu einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt kommen. Überlebt das Neugeborene, ist es den Listerien ohne ein funktionsfähiges Immunsystem schutzlos ausgesetzt. Benommenheit, Atemnot, Erbrechen, Krämpfe und zahlreiche Geschwüre auf Haut- und Schleimhaut können die Folge sein. In mehr als 50 Prozent der Fälle versterben die Neugeborenen meist noch innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt. Ansonsten können geistige Entwicklungsstörungen auftreten. Schutz: Listerien kommen quasi überall vor, auf Pflanzen sowie im Erdboden. Der Mensch nimmt die Bakterien vor allem durch den Verzehr verunreinigter pflanzlicher und tierischer Lebensmittel auf. Zu ihnen zählen ungewaschene Salate, Rohmilchprodukte und Rohwurstprodukte wie Mett-, Teewurst und Salami. Auch Milchprodukte wie Käse, insbesondere die Käserinde, können Listerien enthalten. Schwangere sollten deshalb solche Nahrungsmittel vermeiden. Behandlung: Antibiotika.
Chlamydien
Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören weltweit zu den häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragenen Krankheiten. Eine unentdeckte Infektion kann bei Frauen die Ursache für Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit sein. Tritt die Infektion in der Schwangerschaft auf, besteht die Gefahr einer Frühgeburt, wobei die Erreger während der Geburt auf das Kind übertragen werden können. Relativ schnell danach treten Symptome wie eine chronische Bindehautentzündung auf. Etwa ein Fünftel aller infizierten Neugeborenen bekommt eine atypische Lungenentzündung. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Antibiotika.
Treponema pallidum (Syphilis/Lues)
Unbehandelt durchläuft die Syphilis im Allgemeinen drei unterschiedliche Krankheitsstadien, die zu schweren Schäden vor allem an Herz, Gehirn, Augen und Knochen führen können. Infizierte Schwangere geben die Infektion meist an ihre ungeborenen Kinder weiter, die dadurch oftmals schwer geschädigt werden. In vielen Fällen führt die Infektion zu Fehlgeburten. Schutz: Kondome minimieren das Ansteckungsrisiko, die Bakterien können aber auch durch Küssen weitergegeben werden. Behandlung: Antibiotika.
Gonokokken (Gonorrhö/Tripper)
Eine Gonorrhö kann in der Schwangerschaft zu einem frühzeitigen Blasensprung und so zu einer Fehlgeburt führen. Wird das Ungeborene infiziert, kann dies zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung führen. Deshalb werden Schwangere routinemäßig bei der ersten Vorsorgeuntersuchung auf Gonokokken untersucht. Steckt eine infizierte Schwangere ihr Kind während der Geburt an, sind vor allem die Augen des Neugeborenen gefährdet: Unbehandelt kann es innerhalb weniger Tage erblinden. Schutz: Safer Sex. Behandlung: Antibiotika.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP