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Gesundheit

Studie zur Fruchtbarkeit

Boxershorts-Träger haben die besseren Spermien

Lange nur vermutet, jetzt bestätigt: Tragen Männer weite Boxershorts statt enge Unterhosen, profitieren ihre Spermien. Es werden mehr produziert, und sie können besser schwimmen.

Getty Images/ iStockphoto
Donnerstag, 09.08.2018   12:18 Uhr

Männer, die häufig weite Boxershorts tragen, haben mehr Spermien als solche mit enger sitzenden Unterhosen. Das berichten US-Forscher in der Fachzeitschrift "Human Reproduction". Die Boxershorts-Anhänger hätten auch eine höhere Spermienkonzentration und einen höheren Anteil an schwimmenden Spermien, schreibt das Team um Lidia Mínguez-Alarcón von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston.

Bei den Trägern enger Unterwäsche hingegen entdeckten die Forscher vergleichsweise hohe Konzentrationen des sogenannten follikelstimulierenden Hormons (FSH) im Blut, das die Spermienproduktion anregt. Das könne eine Reaktion des Körpers auf die verringerte Spermienproduktion durch die enge Unterwäsche sein, vermuten sie.

Mínguez-Alarcón und ihre Kollegen untersuchten für die Studie mehr als 650 Männer, die aufgrund eines unerfüllten Kinderwunsches eine Klinik aufsuchten und deren Spermienkonzentration dennoch im Normalbereich lag. Sie befragten ihre Teilnehmer, welche Art von Unterhose sie üblicherweise trugen. Anschließend analysierten sie typische Werte, die Aussagen über die Fruchtbarkeit zulassen.

Etwa die Hälfte der Männer bevorzugten Boxershorts. Im Vergleich zu Männern, die andere Unterhosen trugen, hatten sie:

Wichtiges Kühlsystem: Luftzirkulation um die Hoden

Die Studie kann zwar nicht direkt belegen, dass die engen Unterhosen den Spermien schaden. Die Autoren verweisen jedoch auf frühere Untersuchungen mit ähnlichen Ergebnissen. Bei einer davon trugen zwei Männer Anfang dreißig jeweils drei Monate lang im Wechsel enge und weite Unterhosen. Auch bei ihnen nahm die Zahl der Spermien und deren Beweglichkeit ab, wenn sie auf die enge Wäsche umschwenkten.

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Für die Ergebnisse gibt es eine plausible Erklärung. Obwohl die Hoden äußerst empfindlich sind, baumeln sie frei im Schritt. Aus gutem Grund: Damit Spermien gedeihen können, benötigen sie eine Temperatur, die rund zwei bis drei Grad unterhalb der des Körpers liegt. Dies erreicht das Hodengewebe unter anderem durch ein ausgeklügeltes Venengeflecht und die Luftzirkulation um die Hoden.

Kommt das Kühlsystem aus dem Takt, leidet auch die Spermaproduktion. Gut dokumentiert ist dieser Effekt bei Fieberpatienten. Doch auch so können schon Kleinigkeiten die Hodentemperatur in die Höhe treiben. Wer etwa auf der Arbeit lange sitzt und nicht hin und wieder über den Gang flaniert, schadet seiner Spermaproduktion ebenso wie wahrscheinlich die Träger enger Unterhosen.

Westliche Welt: Die Spermienqualität sinkt

Die aktuelle Studie gebe Hinweise darauf, wie Männer ihre Fruchtbarkeit durch die Wahl der Unterwäsche positiv beeinflussen können. Trotzdem solle man die Ergebnisse nicht überbewerten, meint Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie am Universitätsklinikum Münster. "Alle gemessenen Veränderungen bewegen sich im Normbereich." Wichtig sei vor allem, daraus nicht den Umkehrschluss zu ziehen, dass enge Unterhosen unfruchtbar machen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Spermaqualität bei Männern in der westlichen Welt generell abgenommen. Dafür gebe es jedoch mehrere mögliche Gründe, sagt Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg: Neben einer erhöhten Temperatur des Hodensacks können unter anderem ein erhöhter Body-Mass-Index, Zigaretten oder eine schlechte Ernährung der Spermienqualität schaden.

Dies gilt natürlich auch für die Männer der aktuellen Studie. Um die Ergebnisse nicht zu verzerren, rechneten die Forscher deshalb den Einfluss mehrerer Faktoren heraus - etwa Gewicht und Alter der untersuchten Männer, ihr Rauchverhalten und ihre Liebe zu heißen Bädern. Die Wissenschaftler verweisen trotzdem darauf, dass ihre Ergebnisse möglicherweise nicht auf alle Männer übertragbar seien, da die Versuchsteilnehmer aus Fruchtbarkeitskliniken stammten.

"Diese Studie kann einen Hinweis geben, dass es in der Beratung dieser Männer sinnvoll ist, auf die Möglichkeit einer negativen Beeinflussung der Fruchtbarkeit durch zu enge Unterhosen hinzuweisen und gegebenenfalls weite Unterhosen zu empfehlen", so Wagenlehner.

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