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Gesundheit

Medikament gegen Haarausfall

Forscher warnen vor anhaltender Impotenz

Ein Mittel, das Männer vor Haarausfall bewahren soll, kann impotent machen. Laut einer aktuellen Studie dauert die Nebenwirkung bei einem Teil der Patienten sogar noch Jahre nach dem Absetzen an.

DPA

Haarausfall

Dienstag, 14.03.2017   17:15 Uhr

Nimmt ein Mann den Wirkstoff Finasterid ein, um Haarausfall entgegenzuwirken, besteht das Risiko, dass sich das negativ auf sein Liebesleben auswirkt: Erektionsstörungen, Libidoverlust und Ejakulationsstörungen können sogar nach dem Absetzen des Mittels anhalten, heißt es im Beipackzettel. Wie häufig diese Nebenwirkungen weiter bestehen bleiben, erfährt man jedoch nicht.

Auch beim Wirkstoff Dutasterid, der Männern zur Behandlung einer Prostatavergrößerung verschrieben wird, wird darauf hingewiesen, dass Impotenz eine mögliche Nebenwirkung ist. Finasterid und Dutasterid greifen an derselben Stelle in den Stoffwechsel des Sexualhormons Testosteron ein.

Ein internationales Forscherteam wollte genauer beziffern, wie oft die Probleme auftreten und wie stark die Dauer der Einnahme das Risiko beeinflusst. Die Wissenschaftler um Steven Belknap von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago haben dafür Daten von rund 12.000 Männern ausgewertet, die einen der Wirkstoffe oder beide eingenommen haben und vorher nicht über sexuelle Probleme klagten. Unter anderem verglichen sie deren weitere Gesundheit mit der von Männern, denen keines der Mittel verschrieben wurde, wie sie im Fachmagazin "PeerJ" berichten. Zusätzlich stellten sie eine kurze Einnahmezeit einer langen gegenüber.

Insgesamt ist Impotenz keine seltene Nebenwirkung: Auf 17 Männer, die Finasterid oder Dutasterid einnahmen, kam ein zusätzlicher Fall von Impotenz - im Vergleich zur Gruppe, die keines der Mittel nahm. Selbst bei den Männern unter 42 Jahren, die eine vergleichsweise geringe Dosis Finasterid gegen Haarausfall einnahmen, kam auf 31 damit Therapierte ein zusätzlicher Fall von Impotenz.

Dreieinhalb Jahre Probleme

In den meisten Fällen verschwinden die Probleme, wenn die Mittel abgesetzt werden, aber nicht in allen. 167 von 11.909 Männern - also 1,4 Prozent - hatten noch lange nach dem Absetzen der Medikamente damit zu kämpfen: im Schnitt 1348 Tage, also mehr als dreieinhalb Jahre.


Wer hat's bezahlt?

Die Studie wurde zum Teil von den National Institutes of Health, also einer staatlichen Stelle, sowie von der Post-Finasteride-Syndrome-Stiftung finanziert.


Männer unter 42 Jahren, die Finasterid länger als 205 Tage einnahmen, hatten demnach ein fast fünfmal höheres Risiko, über längere Zeit impotent zu werden als jene, die das Mittel kürzer einnahmen. Anders formuliert: Auf je 108 langfristig behandelte Patienten kam einer mehr, der lange Zeit mit sexuellen Problemen zu kämpfen hatte, als in der kürzer therapierten Gruppe. Bei ihnen hielt die Impotenz durchschnittlich 1534 Tage nach dem Absetzen der Medikamente an.

Sie gehen davon aus, dass dieser Zusammenhang sowohl die Patienten interessiert als auch jene, die die Mittel verschrieben, schreibt das Team um Belknap. Weil die Medikamente beide verschreibungspflichtig sind, sind Ärzte in der Pflicht, ihre Patienten über mögliche Nebenwirkungen aufzuklären. Genauere Zahlen, wie hoch deren Risiko ist, sind da hilfreich.

wbr

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