Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Fußball-WM

Schadet Sex vor dem Spiel der Leistung?

Dürfen Fußballer vor einem Spiel Sex haben - oder schwächt sie die Anstrengung? Sportwissenschaftler haben eine klare Antwort.

Witters

Lothar Matthäus mit Ehefrau Silvia während der Fussball-WM 1986 in Mexiko

Mittwoch, 13.06.2018   17:02 Uhr

"Kein Sex vor dem Wettkampf", diese Devise galt lange. Mit der Enthaltsamkeit hofften Spieler und Trainer, die Konzentration auf das Wesentliche - den Fußball - zu steigern. Wissenschaftliche Belege für ihre strenge Regel aber gibt es nicht.

Geht es nach Experten, dürfen sich Fußballer auch während der Weltmeisterschaft sexuell ausleben. "Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem, wenn es nicht gerade eine wahnsinnige Orgie darstellt", sagte Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Eine gewisse Reglementierung könne trotzdem grundsätzlich ratsam sein.

"Der Schlaf als wichtigste Regenerationsphase sollte nicht für Sex geopfert werden", sagt Froböse. "Sex als Einschlafhilfe zu nutzen, ist okay." Vor einer WM-Partie sollte es aber keine Ausdauerleistung sein. Der Grund dafür ist logisch: Sex strengt an. Vergnügt sich ein Paar miteinander, fährt der Kreislauf hoch. Muskeln werden beansprucht, der Stoffwechsel aktiviert, Energie verbraucht.

"Wenn alles ganz normal läuft, dann ist auch alles gut"

Der Sportpsychologe René Paasch bringt es auf eine einfache Formel: "Wenn alles ganz normal läuft, dann ist auch alles gut." Die angeblich leistungsschwächende Wirkung von Sex auf Spitzensportler sei inzwischen durch Untersuchungen widerlegt, meint Paasch, der für den VfL Bochum tätig ist. "Erfahrene und moderne Trainer wie Jogi Löw" legten viel Wert auf Zwischenmenschliches und ließen den Spielern genug Freiraum.

MEHR ZUM THEMA

Aus psychologischer Sicht sieht Paasch sogar einen positiven Nutzen: Die Intimität könne Stress und Nervosität abbauen. Im Hinblick auf die Hormonsituation hingegen bringt Sex keine Vorteile. Zwar schüttet der Körper während des Liebesspiels Testosteron aus, das die Aggressivität und damit die Durchsetzungskraft in Zweikämpfen steigern könnte. Nach dem Sex aber sinkt der Spiegel bei Männern sogar ab, nach einigen Stunden ist der Hormonhaushalt sowieso wieder ausgeglichen.

Grundsätzlich sei Sexualität im Zusammenhang mit Leistungssport noch immer ein Tabuthema, sagt Froböse. Völlig unverständlich, findet der Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung. "Viele Spitzensportler sind junge Leute, und Sex gehört zu unserer Biologie dazu." Auch Paatsch ruft dazu auf, das Thema gelassen zu sehen. "Jeder Profisportler weiß doch selbst ganz genau, worum es geht."

irb/dpa

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP