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KarriereSPIEGEL

Castingshow in Tschetschenien

Diktator Kadyrow sucht einen Assistenten

In Tschetschenien bemühen sich 16 Männer darum, Assistent von Ramsan Kadyrow zu werden. Der Diktator schickt die Bewerber durch eine skurrile Castingshow - fast wie bei Donald Trump.

REUTERS

Ramsan Kadyrow auf einem Volksfest in Grosny (Archivbild)

Von manager-Magazin.de-Redakteur Lukas Schürmann
Freitag, 04.11.2016   16:53 Uhr

Wer in Deutschland ein hohes Amt im Staatsdienst bekleiden möchte, hat zwei gleichermaßen mühsame Wege vor sich: Er kann entweder in einer Stadt-, Landes- und schließlich der Bundesverwaltung oder aber in einer Partei Karriere machen. In jedem Falle ist er Jahre, womöglich Jahrzehnte unterwegs.

In Tschetschenien ist der Weg zu den Rockzipfeln der Macht aktuell entschieden kürzer: Fürs erste reicht es schon, in einem Fußballstadion mit Tausenden Menschen eine Choreografie zu orchestrieren. Im Stile von Donald Trumps TV-Show "The Apprentice" sucht Ramsan Kadyrow, für manche Präsident, für andere Diktator der Region im Nordkaukasus, einen Assistenten.

16 Bewerber sind angetreten, Kadyrow siebt in der Show "Komanda" mit verschiedenen Aufgaben nun nach und nach aus. Zu sehen gibt es das seit Anfang Oktober auf Russlands Staatssender Rossiya 1.

Das tschetschenische Assessment Center beginnt im genannten Fußballstadion: Kadyrow teilte die Bewerber in zwei Gruppen ein, berichtet das Magazin "Slate". Jede sollte 3000 Tschetschenen mit Pappschildern so anordnen, dass sie den Namen des jeweiligen Teams bilden. Weil die eine Gruppe jedoch nur Kadyrows Initialen hinbekommen habe, habe der Teamchef gehen müssen. Vorher habe er jedoch immerhin noch einen Baum in einem Garten der Kadyrows pflanzen dürfen.

Der boxende Instagram-Präsident

"Bewerber müssen an jedem Tag und in jeder Stunde beweisen, dass sie Aufgaben pünktlich und genau erfüllen können, bereit sind, 24 Stunden am Tag zu arbeiten und jede Schwierigkeit zu überwinden", übersetzt der "Guardian" aus dem russischen Trailer der Show, um "die interessantesten Projekte zusammen mit dem Team des Regierungschefs zum Leben zu erwecken".

Auf den Gewinner wartet weitere Arbeit: Er soll laut MDR-Bericht eine "Agentur für strategische Entwicklung Tschetscheniens" leiten. Erste Ideen hätten die Teilnehmer bereits entwickelt. Ein tschetschenisches Silicon Valley etwa, ein tschetschenisches Disneyland oder aber ein tschetschenisches Qualitätslabel a la "Made in Germany".

Kadyrow wurde von Putin 2007 als Oberhaupt in Tschetschenien eingesetzt und regiert seither mit eiserner Faust. Für seine Anhänger ist er ein Idol, für Kritiker ein Sadist, der Menschen foltert und unterdrückt.

Kadyrow präsentiert seine Macht gern öffentlich: Auf seinem Instagram-Auftritt mit 2,1 Millionen Followern zeigt er sich beim Krafttraining, beim Boxen oder bei Bloßstellungen von Ministern und Kritikern.

Ein von Ramzan Kadyrov (@kadyrov_95) gepostetes Video am

Anfang Oktober schickte er seine eigenen Söhne vor laufender Kamera in einen brutalen Kampfsportwettbewerb. Die Aktion sorgte russlandweit für Empörung. Er ziehe seine Söhne zu "Patrioten und Verteidigern Russlands" heran, verteidigte sich daraufhin der Machthaber.

Dass er nun auch noch den Weg ins russische Fernsehen suche, sei als weitere Publicity-Maßnahme zu verstehen, schreibt "Slate". Laut dort zitierter "International Crisis Group" versuche der Kreml, "Kadyrow als Marke zu unterstützen, als jemanden, der die kriegsgeplagte Republik in einen friedlichen, wohlhabenden Ort verwandelt hat, der loyal zum Putin-Regime ist und konservative Werte vermittelt".

Auch solle das Land selbst werbewirksam in Szene gesetzt werden. Schon der Trailer zeigt neben dem Kräftemessen der Kandidaten auch "die schönsten Ecken von Tschetschenien", Berggipfel, Seen, Waldwege - und Gastfreundschaft.

Mitarbeit: Heike Klovert

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