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KarriereSPIEGEL

Rente mit 63

Firmen haben Probleme bei der Nachbesetzung

Viele Betriebe klagen über die Rente mit 63, weil es schwer ist, Nachfolger für die frei werdenden Stellen zu finden. Allerdings tun sie auch wenig, um die älteren Kollegen zu halten.

DPA

Logistik-Arbeiter in Ludwigslust (Archivfoto)

Von
Montag, 06.03.2017   08:21 Uhr

Seit gut zweieinhalb Jahren dürfen Arbeitnehmer ohne finanzielle Nachteile schon mit 63 Jahren in Rente gehen, wenn sie nur lange genug in die Rentenkasse eingezahlt haben. Wie hat sich diese Neuregelung für die Unternehmen ausgewirkt?

Die Frage stellte das Münchener Ifo-Institut rund 1000 Managern mit Personalverantwortung. Die Ergebnisse, die dem SPIEGEL vorab vorliegen, zeigen, welche Probleme die Firmen haben - und warum das für jüngere Arbeitnehmer durchaus ermutigend ist.

In den allermeisten Unternehmen gibt es schon Kollegen, die mit 63 in Rente gegangen sind. 97 Prozent der Personalchefs wollen die Stellen im Großen und Ganzen wiederbesetzen. 44 Prozent der Unternehmen möchten die Vakanzen sogar wieder in alter Stärke füllen. Fast drei Viertel wollen dabei das Tätigkeitsprofil unverändert lassen.

Rentner im Betrieb

Für die Firmen ist die Rentenregelung durchaus problematisch. Offenbar gestaltet es sich schwierig, die frei werdenden Stellen nachzubesetzen - das sagen 65 Prozent der Unternehmen. Gerade im verarbeitenden Gewerbe klagen die Personalverantwortlichen über die Mühen, neue Facharbeiter zu finden.

ifo Institut

Von der Rente mit 63 machen vor allem Facharbeiter Gebrauch (in 64 Prozent der Unternehmen), aber auch Angestellte (60 Prozent). Dagegen ist die Zahl der frühen Rentner bei Führungskräften und Hilfsarbeitern gering (14 und 15 Prozent).

Die Regelung ist darauf angelegt, über die Jahre allmählich auszulaufen: Ab dem Geburtsjahrgang 1953 steigt das Mindestalter für die abschlagsfreie Rente an, für alle ab 1964 Geborenen wird es wieder bei 65 Jahren liegen. Dennoch werden die Unternehmen mit der Rentenwelle noch eine Weile leben müssen. 94 Prozent haben Mitarbeiter im Alter von mindestens 55 Jahren, die also 1962 geboren wurden.

ifo Institut

Da überrascht es ein wenig, dass nur 43 Prozent der Befragten angeben, sich mit Maßnahmen zu beschäftigen, wie man die Mitarbeiter länger an das Unternehmen binden könnte. Das können etwa flexible Arbeitszeitmodelle sein, Altersteilzeit, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung oder passende Weiterbildungen.

Andererseits geben 63 Prozent an, bereits Mitarbeiter zu beschäftigen, die neben dem Job schon Rente beziehen - das deutet auf funktionierende Arrangements mit den älteren Arbeitnehmern hin. Die meisten davon beschäftigen Rentner in Minijobs (73 Prozent), als Teilzeitkräfte (29 Prozent) oder als freie Mitarbeiter (8 Prozent).

Die Befragung des Ifo-Instituts ist Teil der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung. Dabei fragen Ifo und der Personaldienstleister Randstad, wie sich der Einsatz von Instrumenten zur flexiblen Gestaltung von Arbeit entwickelt, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit. Die Befragung wurde im vierten Quartal 2016 durchgeführt.

insgesamt 78 Beiträge
mrrich 06.03.2017
1. Probleme bei der
Wiederbesetzung, mehr Lohn zahlen und schon sind die Stellen wieder besetzt, so einfach ist das im Kapitalismus.
Wiederbesetzung, mehr Lohn zahlen und schon sind die Stellen wieder besetzt, so einfach ist das im Kapitalismus.
grommeck 06.03.2017
2. Jammern,jammmern,jammern....
Das können Unternehmen noch am besten. Tut etwas für eure Mitarbeiter, vielleicht bleiben sie länger. Aber dann muß man ja ein gewisses Scheibchen vom Gewinn wieder abgegeben und das geht ja überhaupt nicht.
Das können Unternehmen noch am besten. Tut etwas für eure Mitarbeiter, vielleicht bleiben sie länger. Aber dann muß man ja ein gewisses Scheibchen vom Gewinn wieder abgegeben und das geht ja überhaupt nicht.
romeov 06.03.2017
3. Umdenken in den Betrieben findet nicht statt
...Bewerbung über 50 und du wirst zur Lachnummer in der Personalabteilung. Auf der anderen Seite aber das ewige Gejammer wegen angeblich fehlender Arbeitskräfte.
...Bewerbung über 50 und du wirst zur Lachnummer in der Personalabteilung. Auf der anderen Seite aber das ewige Gejammer wegen angeblich fehlender Arbeitskräfte.
carranza 06.03.2017
4. War ja klar
"Viele Betriebe klagen über die Rente mit 63, weil es schwer ist, Nachfolger für die frei werdenden Stellen zu finden. Allerdings tun sie auch wenig, um die älteren Kollegen zu halten." Also viel Rauch um nichts, [...]
"Viele Betriebe klagen über die Rente mit 63, weil es schwer ist, Nachfolger für die frei werdenden Stellen zu finden. Allerdings tun sie auch wenig, um die älteren Kollegen zu halten." Also viel Rauch um nichts, sonst hätten die "gefragten" Kollegen doch längst ihren Beratervertrag in der Tasche.
auweia 06.03.2017
5. Nicht ganz so einfach
Wie begründen Sie die erhöhte Zahlung an einen ausstiegswilligen 63jährigen gegenüber den anderen 63 jährigen im Betrieb? Okay erhöhen wir die Zahlung an alle 63jährigen dann beklagen sich die jüngeren wg. [...]
Wie begründen Sie die erhöhte Zahlung an einen ausstiegswilligen 63jährigen gegenüber den anderen 63 jährigen im Betrieb? Okay erhöhen wir die Zahlung an alle 63jährigen dann beklagen sich die jüngeren wg. Altersdiskriminierung. Erhöhe ich dann auch deren Zahlungen. ist der erste 63jährige wieder nicht bessergestellt. Und der Betrieb ist, wenn nicht pleite, so doch gegenüber der Konkurrenz Lohnkostenmässig stärker belastet. Meine Lösung: Steuererleichterungen beim Zuverdienst für 63jährige.

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