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KarriereSPIEGEL

Frauen in Führungsjobs

Schwesig droht Firmen mit harter Quote

Tausende Firmen müssen sich seit vergangenem Jahr selbst Ziele stecken, wie viele Führungsjobs sie mit Frauen besetzen wollen. Doch nicht alle ziehen mit. Nun droht die Familienministerin mit einer verbindlichen Quote.

DPA

Familienministerin Schwesig

Mittwoch, 08.03.2017   10:48 Uhr

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat für mehr Unternehmen eine verbindliche Frauenquote gefordert. "Da, wo sich Unternehmen selbst die Zielvorgaben setzen können, sagen tatsächlich welche: null", sagte die SPD-Politikerin im ARD-"Morgenmagazin". "Die provozieren, dass wir uns in der nächsten Legislaturperiode dieses Gesetz noch mal vorknöpfen und sagen: Dann muss auch die harte Quote für diese Unternehmen gelten."

Das Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen war im Mai 2015 in Kraft getreten. 3500 Firmen mussten sich deshalb verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Wenn sie dem nicht nachkommen, sind allerdings keine Sanktionen vorgesehen.

Das Gesetz verpflichtete zudem rund 100 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen seit Anfang 2016 bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Alle Firmen, die 2016 das Kontrollgremium neu wählten, haben diese Quote erreicht. "Man sieht, es funktioniert", sagte Schwesig.

Das Bundeskabinett befasste sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit dem Stand der Umsetzung der Frauenquote. Das Justiz- und das Familienministerium legen dazu einen ersten Zwischenbericht vor. "Die Quote wirkt", sagte betonte Schwesig auch im Kabinett. In den Unternehmen und in der Gesellschaft habe es einen Kulturwandel gegeben. Bereits im vergangenen Juli hatte Schwesig vorsichtig eine positive Bilanz der Frauenquote gezogen.

Viele Unternehmen machen allerdings nach wie vor wenig Anstalten, ihren Frauenanteil zu erhöhen. Vor allem die MDax-Unternehmen hinken hinterher, wie im Februar eine Studie der britischen Anwaltskanzlei Allen&Overy zeigte. Demnach hatten sich drei Viertel aller im MDax notierten Unternehmen bis Juni die Zielgröße "null Frauen" im Vorstand verordnet.

Wenn die Entwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Vorständen so weitergeht wie bisher, würde es laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung in der Gruppe der Top-200-Unternehmen noch mehr als 60 Jahre dauern, bis in den Vorständen gleich viele Männer und Frauen sitzen. In den Aufsichtsräten wäre das in 18 Jahren der Fall.

lov/dpa

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