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KarriereSPIEGEL

Präsidentschaftskandidatin Le Pen

Ein Diplomat zeigt Charakter

Diplomaten sollen zurückhaltend und neutral sein. Doch ein französischer Botschafter hat jetzt das Gegenteil getan: Er kritisierte den Front National scharf - und will im Fall eines Wahlsiegs der Rechtspopulisten zurücktreten.

AFP

Rechtspopulistin Marine Le Pen

Mittwoch, 08.03.2017   18:43 Uhr

Diplomaten vertreten die Interessen ihres Heimatlandes im Ausland - und zwar absolut loyal. Deshalb ist der Schritt des französischen Top-Diplomaten in Japan äußerst ungewöhnlich. In einem Kommentar für die Zeitung "Le Monde" schrieb Thierry Dana, er werde eher zurücktreten, als unter Marine Le Pen als Diplomat zu dienen.

Le Pen tritt bei den französischen Präsidentschaftswahlen im April und Mai als Spitzenkandidatin des rechtsextremen Front National an. Sie plädiert für eine strenge Einwanderungspolitik und will Frankreich aus der EU führen.

"Ich könnte nicht loyal ihre Positionen vertreten, die gegen alle Prinzipien verstoßen, die Frankreich hochhält", begründete Dana seine Entscheidung. Damit ist Dana der erste hochrangige Diplomat, der angekündigt hat, zurückzutreten, falls Le Pen die Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet.

Dana soll im Sommer eigentlich einen neuen diplomatischen Posten annehmen, aber er würde lieber aufgeben, als "der Diplomatie des Front National zu dienen".

Seine Kritik gegenüber Le Pen könnte kaum deutlicher sein: "Wenn Sie behaupten, unsere Großartigkeit wiederherzustellen, sperren Sie Frankreich in einen Keller, der mit Dämonen gefüllt ist, die wir für vergessen gehalten hatten", so Dana.

Florian Philippot, einer der fünf Vizepräsidenten des Front National, reagierte schnippisch auf Danas Ankündigung. Er schrieb auf Twitter: "Nur zu, tritt zurück. Kein Problem. Wir werden einen französischen Diplomaten finden, der tatsächlich Japanisch spricht."

Unterstützung bekommt Dana indes vom französischen Botschafter in den USA. Gérard Araud teilte Danas Kommentar auf Twitter mit dem Hinweis: "sehr guter Artikel von meinem Kollegen in Tokio".

Man könnte meinen, die französische Regierung würde sich über Danas Ankündigung freuen. Doch der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault forderte alle französischen Diplomaten in einer Nachricht auf, sich während der Wahl neutral zu verhalten.

Er räumte jedoch ein, dass er deutlich spüre, dass Frankreichs internationale Partner von den anstehenden Wahlen beunruhigt seien. "Unsere Partner wollen, dass Frankreich Frankreich bleibt - ein Land offen gegenüber der Welt und einem vereinten Europa verpflichtet", schrieb Ayrault in der Mitteilung.

koe/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
tempus fugit 08.03.2017
1. Erfreulich,...
....dass es noch kluge Menschen gibt, Danas ist so einer - und setzt ein Zeichen, das in Frankreich wohl deutlicher erkannt wird als wenn z.B. in Deutschland so was passieren sollte...
....dass es noch kluge Menschen gibt, Danas ist so einer - und setzt ein Zeichen, das in Frankreich wohl deutlicher erkannt wird als wenn z.B. in Deutschland so was passieren sollte...
docthedoctorgimmethenews 08.03.2017
2. super
er spricht mir aus der Seele. Ich lebe in Frankreich und die kommenden Wahlen machen Angst.
er spricht mir aus der Seele. Ich lebe in Frankreich und die kommenden Wahlen machen Angst.
Bueckstueck 08.03.2017
3.
Normalerweise hätte ich ja gesagt, die grosse Nation Frankreich ist so blöde nicht. Aber dann erinnere ich mich an die Katastrophe vom 8. Nobember 2016... Vielleicht sind die Auswirkungen jedoch aber ein heilsamer [...]
Zitat von docthedoctorgimmethenewser spricht mir aus der Seele. Ich lebe in Frankreich und die kommenden Wahlen machen Angst.
Normalerweise hätte ich ja gesagt, die grosse Nation Frankreich ist so blöde nicht. Aber dann erinnere ich mich an die Katastrophe vom 8. Nobember 2016... Vielleicht sind die Auswirkungen jedoch aber ein heilsamer Schock der genügend Wankenden vor Augen führt, dass mit einem braunen Misthaufen an den Hebeln der Macht keine Zukunft zu machen ist? Toi Toi Toi Frankreich und dem gesamten Kontinent!
cosmo9999 09.03.2017
4. Ja ja
und seine Putzfrau findet Frau Le Penn auch nicht gut. Auch ein Botschafter ist ersetzbar.
und seine Putzfrau findet Frau Le Penn auch nicht gut. Auch ein Botschafter ist ersetzbar.
sarkasmis 09.03.2017
5. Mutig?
Ich weiß ja nicht wie das in Frankreich geregelt ist, aber in den meisten Ländern sind Botschafter politische Beamte, die bei einem Machtwechsel ausgetauscht werden. Vermutlich würde der Herr nur seiner Absetzung zuvorkommen.
Ich weiß ja nicht wie das in Frankreich geregelt ist, aber in den meisten Ländern sind Botschafter politische Beamte, die bei einem Machtwechsel ausgetauscht werden. Vermutlich würde der Herr nur seiner Absetzung zuvorkommen.
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