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KarriereSPIEGEL

Die aktuelle Stellenanzeige

Cowboy und Indianer gesucht

Sie wollen endlich mal wieder einen Kriegsschrei loslassen? Mit Platzpatronen schießen und ein Lasso schwingen? Dann bewerben Sie sich doch als Komparse bei den Karl-May-Festspielen.

DPA

Matthieu Carrière (l.), Alexander Klaws und Sila Sahin-Radlinger suchen Kollegen

Freitag, 10.03.2017   15:09 Uhr

Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah kommt Ihnen flüssig über die Lippen? Ihre Friedenspfeife haben Sie immer parat? Und Sie konnten sich schon als Kind nicht entscheiden, ob Sie lieber Old Shatterhand oder Winnetou sein wollen? Dann wäre dieser Job etwas für Sie: Die Kalkberg GmbH sucht Komparsen für die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg.

Gesucht werden 40 Komparsen, die als Westmänner, Soldaten, Gangster, Indianerkrieger, Saloonladys und Siedler zum Team gehören. Sie stehen gemeinsam mit Jan Sosniok ("Winnetou"), Alexander Klaws ("Old Surehand"), Sila Sahin ("Lea-tshina") und Mathieu Carrière ("General Douglas") auf der Bühne des Freilichttheaters am Kalkberg.

Was, bitte, ist ein Westmann? Der Duden kennt das Wort auch nicht, aber als echter Karl-May-Fan müssten Sie wissen, wer gemeint ist: ein Trapper, Siedler, Cowboy. Doch keine Angst: Reiten können müssen Sie nicht. Reiter werden in einem separaten Casting ausgewählt.

Viel wichtiger ist: Sie müssen moralisch so flexibel sein, dass sie in Minutenschnelle zwischen Bösewicht und Held wechseln können. In einer Szene wanken sie vielleicht als betrunkener Cowboy durch den Saloon, in der nächsten greifen sie als Kiowa-Krieger ein Eisenbahnlager an, dann stehen sie als Soldat Wache vor einer Goldmine - hier ist Wandlungsfähigkeit gefragt. Und schnelles Umziehen. Aber das können Sie ja schon mal zu Hause üben.

Beim Casting wird Stuntkoordinator Dr. Steve Szigeti mit den Bewerbern schon mal eine kleine "Schlägerei" einüben. Wer es lieber friedlicher mag, kann bei Choreograf Jean Marc Lebon mit ersten Tanzschritten sein Rhythmusgefühl unter Beweis stellen. Produktionsleiter Stefan Tietgen verschafft sich im Anschluss daran in einem kurzen Gespräch einen persönlichen Eindruck von den Bewerbern.

Die Anführungszeichen um das Wort "Schlägerei" dürfen Sie getrost ignorieren. Hauen Sie einfach drauf! Bessere Chancen auf einen Komparsenjob haben Sie übrigens, wenn Sie sowohl das Tanz- als auch das Prügeltraining mitmachen. Rund zwei Stunden solle man für das Casting einplanen, sagt die zuständige Pressefrau.

Wer zu unserem Team gehört, muss mindestens 16 Jahre alt und sportlich fit sein.

Man beachte hier: Es gibt kein Höchstalter für die Bewerbung. Auf Nachfrage heißt es, auch 60-Jährige hätten schon mit großer Begeisterung bei den Festspielen mitgemacht. Allerdings seien die auch besonders fit gewesen. Couchpotatoes hätten keine Chance, weil sie allein schon mit dem schnellen Umziehen und dem Rennen im Sand der Arena überfordert seien. Testen Sie also sicherheitshalber noch mal, ob Sie einen Liegestütz hinkriegen.

Wichtig ist auch, dass man genügend Zeit für die vierwöchige Probenarbeit und die 72 Vorstellungen hat.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Sie müssen vier Wochen lang jeden Nachmittag proben und dann jede einzelne Rolle 72-mal spielen. Geprobt wird ab Ende Mai, auf der Bühne stehen Sie vom 24. Juni bis 3. September. Gespielt wird an vier Tagen pro Woche. Donnerstag, Freitag und Samstag gibt es zwei Vorstellungen pro Tag, Sonntag eine. Arbeitsbeginn ist jeweils 14 Uhr, dann haben Sie eine Stunde Zeit fürs Schminken und Umziehen. Einen Vorhang gibt es in einem Freilufttheater natürlich nicht, aber wenn es einen gäbe, würde er um 22 Uhr fallen. Dann Duschen, Abschminken, Umziehen... - vor 23 Uhr kommen Sie da nicht weg.

Wir können versprechen: Für alle Mitwirkenden wird es ein unvergesslicher Sommer.

Sommer in Norddeutschland sind wie ein einziger, langer April. Wenn Sie Pech haben, wird es in Strömen regnen, die Sonne wird vom Himmel brennen oder sich wochenlang nicht sehen lassen. Sicher ist: Sie werden in einer Uniform schwitzen und im Lendenschurz frieren. Bei so vielen Rollen wird immer ein Kostüm dabei sein, das nicht zum Wetter passt. Und falls Sie es vergessen haben sollten: Wir reden hier von einem Job in einem Freilichttheater. Also ohne Dach. Aber Sie wissen schon: Indianer kennen keinen Schmerz. Und Saloonladys erst recht nicht.

Das Statisten-Casting findet statt am Sonnabend, 25. März, ab 14 Uhr im Indian Village neben dem Freilichttheater am Kalkberg.

Das dürfte die größte Herausforderung sein: Wer an diesem Tag keine Zeit hat, nach Bad Segeberg zu reisen, hat Pech gehabt. Aber gut, ein bisschen Engagement gehört eben zu jedem Job.

Die Proben für "Old Surehand" beginnen Ende Mai unter der Leitung von Regisseur Norbert Schultze jr. aus Hamburg.

Dass "Old Surehand" der Sohn von Kolma Puschi, der Bruder von Apanatschka und der Neffe von Tokbela und Ikwehtsi'pa ist, wissen Sie. Oder? Wenn nicht, lesen Sie einfach noch mal nach.

Wie der Regisseur heißt, kann Ihnen eigentlich herzlich egal sein - irgendjemand wird Sie halt herumkommandieren. Was Sie vermutlich viel mehr interessiert: Wie viel Kohle gibt es? Das verrät die Stellenanzeige nicht, aber wir haben natürlich für Sie nachgefragt: Es gibt 3300 Euro brutto. Einmal. Für die gesamte Zeit. Aber als echter Fan wären Sie wahrscheinlich auch bereit, für den Job draufzuzahlen, stimmt's?

vet

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