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KarriereSPIEGEL

Bewerbungen nach dem Burn-out

Wie soll ich das denn erklären?

Ein Teamleiter sucht nach einem Burn-out einen neuen Job. Soll er die Pause im Lebenslauf erklären oder lieber verschleiern?

DPA

Gestresster Mitarbeiter (Symbolfoto)

Eine Kolumne von
Samstag, 25.03.2017   09:01 Uhr

Bernd, 47, fragt:

Ich bin Teamleiter im Kundenservice. Vor knapp zwei Jahren hatte ich ein Burn-out und bin in dem Zusammenhang von meiner Firma gekündigt worden. Nach einem Klinikaufenthalt und anschließender Behandlung fühle ich mich wieder gut und möchte zurück in den Beruf. In meinen beruflichen Fähigkeiten sehe ich mich nicht beeinträchtigt, sondern sogar reflektierter als vorher. Soll ich mit meinem Burn-out in den Bewerbungen offen umgehen?

Hallo Bernd,

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern achtet jedes Unternehmen darauf, möglichst qualifizierte und leistungsfähige Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine längere Krankheit könnte bei den Personalverantwortlichen Zweifel an Ihrer Leistungsfähigkeit wecken.

Grundsätzlich sollten Sie jedoch in Ihrer Bewerbung niemals Falschangaben machen. Gefälschte Dokumente und falsche Qualifikationsangaben können schlimmstenfalls zu einer fristlosen Kündigung führen. In Ihrem Fall wäre mindestens das Vertrauen in Ihre Person erschüttert, wenn irgendwann durch einen Zufall heraus kommt, dass Sie geschwindelt haben.

Sie könnten in Betracht ziehen, die Krankheit einfach unerwähnt zu lassen. Im Einzelfall hängt es von der Länge des beschäftigungslosen Zeitraums ab. Eine Lücke von zwei bis drei Monaten wird meistens akzeptiert und erweckt kaum Argwohn. Bei längeren Lücken und fehlenden Angaben werden aufmerksame Personaler jedoch im Bewerbungsgespräch nachhaken und unbequeme Fragen stellen. Wer befürchtet, Sie verheimlichten etwas, sortiert Ihre Unterlage aus.

Bei einer längeren Arbeitslosigkeit ist es also sinnvoll, mit offenen Karten zu spielen. Nach einer überstandenen Operation und erfolgreicher Reha bestünde für den Arbeitgeber kaum Grund zukünftige Ausfallzeiten zu befürchten. Das ließe sich auch entsprechend verdeutlichen. Bei Burn-out ist es für den Arbeitgeber viel schwieriger einzuschätzen, ob Sie wieder stabil oder nur eingeschränkt belastbar sind.

Für den Lebenslauf empfehle ich Ihnen die Formulierung "Berufliche Pause aus privaten Gründen." Damit offenbaren Sie zunächst nicht mehr als nötig und gleichzeitig stehen Sie zu der Pause. Private Gründe - das kann Vieles bedeuten, eine lange Reise oder die Pflege eines Angehörigen. Interessierte Personaler werden hier ganz sicher nachfragen, um den konkreten Grund für die arbeitslose Zeit zu erfahren. Ich empfehle Ihnen, im Vorstellungsgespräch so nah wie möglich an der Wahrheit zu bleiben. Sonst laufen Sie Gefahr, sich in Widersprüchen zu verstricken und Ihre Körpersprache verrät Sie. Bauen Sie Ihre neue berufliche Zukunft nicht auf einer Unwahrheit auf.

Eine gute Storyline verbindet die Trennungsgründe vom alten Arbeitgeber mit der anschließenden Auszeit. Ich weiß nicht, in welchen Aspekten Sie gestärkt aus Ihrer Krise hervorgegangen sind. Da gibt es sicher einiges zu erzählen. Im Vorstellungsgespräch können Sie darstellen, was Sie daraus für sich gelernt haben und welche Fähigkeiten Sie dadurch erweitern konnten. Nicht ausgeschlossen, dass Sie bei bestimmten Anforderungen der konkreten Stelle auf diese Weise sogar Pluspunkte sammeln. Kommt es in Ihrem Beruf beispielsweise auf kommunikative Fähigkeiten und Einfühlungsvermögen an, wären Ihre persönlichen Erfahrungen sehr bereichernd - wenn Sie diese für sich gut reflektiert und aufgearbeitet haben.

Voraussetzung dafür ist die richtige Einstellung. Sehen Sie sich selbst als Opfer der Umstände oder unfairer Mitmenschen und blicken mit Groll zurück, werden Sie dies ungewollt auch so darstellen. Das schreckt potenzielle Arbeitgeber ab. Dann würde ich Ihnen empfehlen, Ihre Haltung zu überdenken. Suchen Sie bei den Ursachen - neben Stress und belastenden externen Umfeldfaktoren - auch Ihre eigenen Anteile. Können Sie Fehler eingestehen? Haben Sie daraus Ihre Schlüsse gezogen und sich aktiv befreit, nötigt das Ihren Gesprächspartner Respekt ab. Diese Offenheit ist entwaffnend, selbstbewusst und glaubwürdig.

Obwohl sich viele Personaler in den letzten Jahren intensiv mit der Burn-out-Thematik befasst haben, kann es den einen oder anderen Vorgesetzten geben, bei dem eigene Ängste und Vorurteile überwiegen. Doch ganz ehrlich - möchten Sie dort arbeiten? Sicher nicht. Mit dieser Strategie sortieren Sie die ungeeigneten Arbeitgeber automatisch aus. Es kann sein, dass Sie mehr Bewerbungen schreiben, Gespräche führen und Zeit investieren müssen, bis Sie ein passendes Unternehmen gefunden haben. Dafür erhalten Sie dann einen neuen Job bei einem wirklich guten Arbeitgeber und mit einer tollen Unternehmenskultur.

Zum Autor

insgesamt 38 Beiträge
kirstenhannover 25.03.2017
1. gute Erfahrungen mit meiner Offenheit
ich hatte 2002 ein Burnout. jeder neue Chef danach hatte überhaupt kein Problem damit. einer war sogar überzeugt, dass jemand, der da wieder raus kommt, viel resilienter ist und belastbarer, weil er seine Grenzen kennt! und [...]
ich hatte 2002 ein Burnout. jeder neue Chef danach hatte überhaupt kein Problem damit. einer war sogar überzeugt, dass jemand, der da wieder raus kommt, viel resilienter ist und belastbarer, weil er seine Grenzen kennt! und ich hatte danach auch Phasen mit mehr als 60 Stunden. Konnte dann aber tatsächlich immer auch rechtzeitig für mich sorgen. schließlich werden wir alle zum Glück für qualitativ hochwertige Arbeit bezahlt und nicht weil wir für zwei arbeiten. wenn das auf Dauer so vorgesehen ist, ist eh ein Fehler im System. dann habe ich gewechselt und für mich gesorgt- und nebenbei Karriere gemacht :-) alles Gute!!!
unaufgeregter 25.03.2017
2. Vorsicht
Warum sollte man sich nach einem Burnout Oberhaupt noch in das Hamsterrad begeben? Gesünder ist es, von diesem Teil großen Abstand zu halten.
Warum sollte man sich nach einem Burnout Oberhaupt noch in das Hamsterrad begeben? Gesünder ist es, von diesem Teil großen Abstand zu halten.
steffen.ganzmann 25.03.2017
3. Warum kein sabbatical angeben?
Ist doch heutzutage fast schon Mode. Man muss sich nur etwas einfallen lassen, was man während dieser Zeit so alles machte, was man nicht nachprüfen kann! Bei mir war es kein Burnout, sondern eine Scheidung und kein Jahr, [...]
Ist doch heutzutage fast schon Mode. Man muss sich nur etwas einfallen lassen, was man während dieser Zeit so alles machte, was man nicht nachprüfen kann! Bei mir war es kein Burnout, sondern eine Scheidung und kein Jahr, sonder nur drei Monate. Aber während dieser Zeit - offiziell ein längerer Urlaub - arbeitete ich als Wrangler auf einer Ranch in Kanada, ich musste den Kopf freikriege, Arbeit vom Pferderücken aus schien mir dafür passend, und meine Abteilung hatte vollstes Verständnis dafür, im Gegenteil, es wurde als einmaliges Abenteuer angesehen ...
jomai 25.03.2017
4. Personaler?
Also bei mir hat noch kein "Personaler" einen Mitarbeiter eingestellt sondern darüber entscheiden immer noch meine operativen Führungskräfte. Die "Personaler" hole ich aber zur Hilfe wenn ich sehe dass [...]
Also bei mir hat noch kein "Personaler" einen Mitarbeiter eingestellt sondern darüber entscheiden immer noch meine operativen Führungskräfte. Die "Personaler" hole ich aber zur Hilfe wenn ich sehe dass jemand Richtung Burn-Out unterwegs ist. Denn als Chef sehe ich mich in der Verantwortung dass es erst gar nicht so weit kommt.
nwz86 25.03.2017
5. Was geht das die Firma überhaupt an?
Ich frage mich, warum Firmen sich für "Lücken" im Lebenslauf überhaupt interessieren. Muss die zukünftige Firma die Zeit etwa bezahlen? Nein. Warum sollte man sich hier in irgendeiner Weise rechtfertigen müssen? Es [...]
Ich frage mich, warum Firmen sich für "Lücken" im Lebenslauf überhaupt interessieren. Muss die zukünftige Firma die Zeit etwa bezahlen? Nein. Warum sollte man sich hier in irgendeiner Weise rechtfertigen müssen? Es zählt doch die fachliche Qualifikation und ob man im persönlichen Umgang miteinander klarkommt (dazu dient ja das Vorstellungsgespräch) und nicht, wie der potentielle Arbeitnehmer seine Lebenszeit ausserhalb seiner vertraglichen Arbeitszeit verbringt. Das geht doch niemanden etwas an, ausser ihn selbst.

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