Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Fotoprojekt eines Buchhändlers

Wie aus dem Gesicht geschnitten

Auf den Fotos von David Pigeret verschmelzen Menschen mit Buchcovern. Als Models halten seine Kollegen her: Sie arbeiten in einer Buchhandlung in Bordeaux.

mollat.com
Ein Interview von Stefan Simons
Donnerstag, 16.03.2017   08:41 Uhr

Zur Person

David Pigeret, 48, ist Buchhändler und arbeitet bei dem Traditionsunternehmen Mollat in Bordeaux in der Abteilung "Schöne Künste". Er fotografiert seine Kollegen mit Buchcovern vor dem Gesicht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Pigeret, Sie lassen auf Fotos die Gesichter Ihrer Kollegen mit Buchcovern verschmelzen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

David Pigeret: Schon vor rund zehn Jahren waren Fotos en vogue, auf denen Plattencover, meist von Vinyl-LPs, mit Porträts zu einem Bild montiert wurden. "Sleaveface" nannte man diese Collagen, sie galten an der Kunsthochschule als witziges und kreatives Hobby. 2004 habe ich mit meiner Arbeit bei Mollat begonnen, und da kam mir irgendwann die Idee, auch Umschläge von Büchern mit Fotos zu verbinden. Ein Buch ist ein kulturelles Objekt: Träger einer Botschaft einerseits, aber eben auch gestalteter Gegenstand - zum Ansehen, zum Anfassen, zum Erleben. Und viele Einbände sind außergewöhnlich künstlerisch.

SPIEGEL ONLINE: Wie wählen Sie die Motive aus?

Pigeret: Wir haben rund 300.000 Bücher im Programm, aber meist entdecke ich die Vorlagen beim Herumstreifen zwischen den Auslagen, also den aktuellen Titeln. Oder Mitarbeiter machen mich auf eine Vorlage aufmerksam. Ich suche dann nach einem Kollegen oder einer Kollegin, deren Haare, Kleidung und Physis passen könnten und bitte sie, gegebenenfalls mit einem entsprechenden Pulli, Mantel oder Accessoire zu erscheinen. Ein-, zweimal hat auch meine kleine Tochter posiert. Der Rest ist ein bisschen Inszenierung und ein Foto mit dem iPad.

Ein Beitrag geteilt von librairie mollat (@librairie_mollat) am

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mittlerweile eine richtige Fangemeinschaft im Netz.

Pigeret: Instagram gab den Schub. Wir haben dort seit 2013 einen Account. Anfangs waren die hochgeladenen Bilder noch ziemlich ungeschickt, aber allmählich wurden die Montagen anspruchsvoller und ästhetischer. Mittlerweile haben wir 40.000 Follower aus mehr als 40 Nationen - selbst aus entfernten Ländern wie Kasachstan, Taiwan oder Kolumbien bekommen wir Feedback.

SPIEGEL ONLINE: Hilft das auch dem Umsatz?

Pigeret: Die Verkaufszahlen der gezeigten Titel steigen dadurch nicht. Aber unser Laden hat eine andere Kundschaft gewonnen. Mollat existiert seit 1896 in Bordeaux, und ist die älteste freie Buchhandlung Frankreichs. Bisher waren wir für unser Sortiment, unsere täglichen Vorträge und unser Kulturprogramm bekannt, Videos, Ausstellungen, Podcasts. Mit den "Bookfaces" erreichen wir auch jüngere Menschen. Die Fotos machen neugierig.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP