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KarriereSPIEGEL

Die aktuelle Stellenanzeige

Vollzeitnarr gesucht

Ein Traum wird wahr: Sie dürfen ins Narrenkostüm schlüpfen und werden dafür auch noch bezahlt. Wo gibt's denn so was? In der Stadt Mölln.

imago

Till Eulenspiegel

Von
Freitag, 19.05.2017   17:47 Uhr

Wenn Sie einen Fehler sehen, dann sprechen Sie ihn auch aus, da sind Sie knallhart. Aber weil Sie ein geselliger Mensch sind und es sich nicht mit Ihren Freunden verscherzen wollen, haben Sie einen Weg gefunden, Ihre beißende Kritik charmant zu verpacken. In einem Witz, einem Wortspiel, sodass Ihnen am Ende niemand böse sein kann.

Die Beschreibung trifft auf Sie zu? Dann sind Sie ein echter Eulenspiegel. Und es gibt vielleicht einen attraktiven Job für Sie. Nämlich als - Trommelwirbel: Eulenspiegel. Wie denn? Was denn? Wo denn? Hier sind die wichtigsten Ausschnitte aus der Stellenanzeige:

"Die Stadt Mölln sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen engagierten Till-Eulenspiegel-Darsteller (m/w) / Assistenz in der Städtischen Kurverwaltung."

Ein Traum wird wahr: Sie dürfen ins Narrenkostüm schlüpfen und werden dafür auch noch bezahlt. Motto: Sie nennen es Arbeit. Kann das sein?

"Zu den wesentlichen Aufgaben der Stellen gehört die überzeugende Darstellung des Till Eulenspiegel anlässlich Gästebegrüßungen, auf Anfrage, bei Veranstaltungen, zu Werbeeinsätzen, für TV-Produktionen, Presse- und Messepräsentationen u.ä."

Ja, Sie dürfen den Narren spielen, immer große Bühne, und immer da, wo Wein und Freibier fließen. Nachteil: Mit der knallharten Kritik müssen Sie vorsichtig sein, bei Werbeeinsätzen sind vor allem Ihr Charme und diplomatisches Geschick, kurz: Schauspielerei gefragt. Wenn Ihnen so was liegt, kommt hier das Beste:

"Es handelt sich um eine unbefristete Vollzeitstelle."

Das ist, je nach Naturell, Verheißung und Fluch zugleich. Denn Sie müssen dauerhaft Lust haben auf Publikum, gerne kurparkgerecht, also auch mal schwerhörig. Und Sie können es sich nicht aussuchen: Wenn Sie mit Baumarkteröffnungen fremdeln - lassen Sie's lieber. Denn im Ernst ist die Kundschaft des Eulenspiegel 2017 nicht erpicht darauf zu hören, was Sie von ihr denken. Da hatte das historische Vorbild ganz andere Freiheiten. Aber auch keine Vollzeitstelle.

"Neben der Funktion als Eulenspiegel ist zukünftig der Einsatz als Assistenz in der Kurverwaltung vorgesehen."

Auch das kann ein Haken sein: Ihr Vorgänger musste noch nicht in der Tourismusverwaltung mithelfen, auf Sie käme nun auch Papierkram zu. Wobei in der Stellenanzeige versprochen wird, dass auch der neue Till hauptsächlich Till sein darf. Der Anteil der Rolle liege bei 60 bis 75 Prozent der 39 Wochenstunden.

Erwartet wird außerdem unter anderem:

"Darstellerisches Talent, Erfahrung im Bereich der Büroorganisation, gute kommunikative Fähigkeiten und Improvisationstalent, auch vor großem Publikum, Fotogenität, Bereitschaft zum Dienst außerhalb der regulären Arbeitszeiten, Führerschein."

Bisher habe der Till rund 400 Auftritte pro Jahr. Das sollte für eine Rampensau wie Sie eigentlich kein Problem sein.

Pflichtschuldig verweist die Stadt Mölln auf die Chancengleichheit von Männern und Frauen bei der Bewerbung. Ein Theater besetzt den Macbeth ja auch nicht quotenhalber mit einer Frau, aber es wäre natürlich interessant zu sehen, wie die Rolle neu interpretiert wird. Seit die Stadt mit einem Eulenspiegeldarsteller wirbt, also seit 1908, hatten nur Männer den Posten inne.

Wenn Sie Lust auf die Stelle haben, sollten Sie noch ein bisschen Grundwissen haben: Der echte Eulenspiegel soll 1300 bei Braunschweig geboren und 1350 im Heilig-Geist-Hospital von Mölln gestorben sein. Seine Streiche wurden 1510 im Eulenspiegelbuch von Hermann Bote veröffentlicht. Bewerbungsfrist ist der 28. Juni. 2017, versteht sich.

insgesamt 8 Beiträge
austinmini68 20.05.2017
1. Till Eulenspiegel gesucht....
Da wüsste ich jemanden der perfekt auf die Stelle passt solange immer viele Leute um ihn herum sind und brav Beifall klatschen. Die Bürokommunikation müsste aber über Twitter laufen, sollte aber nicht allzu schwierig sein da [...]
Da wüsste ich jemanden der perfekt auf die Stelle passt solange immer viele Leute um ihn herum sind und brav Beifall klatschen. Die Bürokommunikation müsste aber über Twitter laufen, sollte aber nicht allzu schwierig sein da ja nur kurze und grammatakalisch eimfache Sätze verwendet werden.
Flying Rain 20.05.2017
2. Hmm
Hmm da wüsste ich tatsächlich so ein paar Kandidaten die jeden zum lachen bringen und so viel Charme versprühen das man selbst einen ganzen Landstrich damit zum glühen bringen könnte. Nur ist einzige passende davon in Sachen [...]
Hmm da wüsste ich tatsächlich so ein paar Kandidaten die jeden zum lachen bringen und so viel Charme versprühen das man selbst einen ganzen Landstrich damit zum glühen bringen könnte. Nur ist einzige passende davon in Sachen Gewicht nicht gerade passend für einen Narren von vor ein paar hundert Jahren (wohlgenährt ;D ) und könnte wie ich auch niemals nie in einer Gegend leben in der man keinen Blick auf hohe Berge hatt. Ist egal wo auf der Welt...man braucht einen Blick auf Berge. Naja jedem das seine hehe
al2510 20.05.2017
3. Man kann nur hoffen, dass die zu Bespassenden den echten Till nicht kennen
wer das Buch wirklich kennt weiß, dass der eigentlich nicht lustig war sondern nur schmerzhaft. Man fragt sich wie man darüber lachen konnte, dass er z.B. in Nürnberg den Betreibern des Heilig Geist Spitals versprochen hat [...]
wer das Buch wirklich kennt weiß, dass der eigentlich nicht lustig war sondern nur schmerzhaft. Man fragt sich wie man darüber lachen konnte, dass er z.B. in Nürnberg den Betreibern des Heilig Geist Spitals versprochen hat dieses zu leeren. Dann ging er ins Siechenhaus und hat den Insassen erzählt, dass er sie alle heilen kann, wenn er den Krankesten von ihnen verbrennen würde und den Anderen zum Esse geben würde. Um den zu Verbrennenden zu ermitteln, müssten aber alle schnell das Haus verlassen. Wer als letzter da ist, wird verbrannt. Nachdem Eulenspiegel den Ort verlassen hatte, war das Haus wieder voll. Wenn jetzt einem eine solche Figur als Stadtheiliger entgegentritt, dann kann der Kundige durchaus auch den Ort fluchtartig verlassen, ohne Geld in der Stadt auszugeben.
dietmr 20.05.2017
4. Deutschstämmiger Eulenspiegel aus Übersee ...
Seht lustiger Einfall. Abgesehen davon, dass dieser Kandidat (leider noch) ein anderes - krass fehlbesetztes - Amt ausübt, dürfte es auch an seinen diplomatischen Fähigkeiten hapern ...
Zitat von austinmini68Da wüsste ich jemanden der perfekt auf die Stelle passt solange immer viele Leute um ihn herum sind und brav Beifall klatschen. Die Bürokommunikation müsste aber über Twitter laufen, sollte aber nicht allzu schwierig sein da ja nur kurze und grammatakalisch eimfache Sätze verwendet werden.
Seht lustiger Einfall. Abgesehen davon, dass dieser Kandidat (leider noch) ein anderes - krass fehlbesetztes - Amt ausübt, dürfte es auch an seinen diplomatischen Fähigkeiten hapern ...
dietmr 20.05.2017
5. Eulenspiegeleien
Sind Sie so ein Griesgram? Erstens ist selbst diese Geschichte im Grunde lustig, und zwar gerade mit der von Ihnen geschilderten Pointe (dass sie historisch wahr ist, würde ich indes bezweifeln). Aber es gibt wahrlich weit [...]
Zitat von al2510wer das Buch wirklich kennt weiß, dass der eigentlich nicht lustig war sondern nur schmerzhaft. Man fragt sich wie man darüber lachen konnte, dass er z.B. in Nürnberg den Betreibern des Heilig Geist Spitals versprochen hat dieses zu leeren. Dann ging er ins Siechenhaus und hat den Insassen erzählt, dass er sie alle heilen kann, wenn er den Krankesten von ihnen verbrennen würde und den Anderen zum Esse geben würde. Um den zu Verbrennenden zu ermitteln, müssten aber alle schnell das Haus verlassen. Wer als letzter da ist, wird verbrannt. Nachdem Eulenspiegel den Ort verlassen hatte, war das Haus wieder voll. Wenn jetzt einem eine solche Figur als Stadtheiliger entgegentritt, dann kann der Kundige durchaus auch den Ort fluchtartig verlassen, ohne Geld in der Stadt auszugeben.
Sind Sie so ein Griesgram? Erstens ist selbst diese Geschichte im Grunde lustig, und zwar gerade mit der von Ihnen geschilderten Pointe (dass sie historisch wahr ist, würde ich indes bezweifeln). Aber es gibt wahrlich weit lustigere, die (im Grunde alle) von großem Wortwitz zeugen und der Lust, das Publikum (!) hinter's Licht zu führen - ihm also letztlich zu zeigen, dass man niemandes Versprechen trauen darf ... Ein geradezu aufklärerischer Ansatz im Hochmittelalter ...

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