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KarriereSPIEGEL

So geht Arbeit

Wenn der Chef falsch stempeln lässt

In Ihrer Firma wird die Arbeitszeit immer zum Nachteil der Mitarbeiter gerundet - das ist nicht erlaubt. Aber wie können Sie sich wehren?

DPA
Von
Dienstag, 10.10.2017   10:33 Uhr

Sie haben ein Problem:

In Ihrer Firma wird die Arbeitszeit besonders trickreich erfasst: Alle müssen stempeln mit minutengenauer Zeiterfassung, aber bei der Abrechnung wird auf Viertelstunden gerundet - und zwar immer zum Vorteil der Firma. Wer um 8:01 Uhr stempelt, für den zählt 8:15 Uhr als Ankunftszeit, wer um 16:43 Uhr die Karte durchzieht, ist offiziell schon um 16:30 Uhr gegangen. Da kann sich auf der Monatsabrechnung leicht ein stattliches Minus ansammeln.

Das könnte helfen:

Eine Rechnung an die Firma, mit Zahlungsfrist. Und die Bereitschaft, sich dafür auch vor Gericht zu streiten, denn vermutlich wird der Laden nicht freiwillig auf Geld verzichten.

Eins ist klar: Diese Auf- und Abrechnerei ist nicht zulässig. Solange Sie das Stechkartensystem ordnungsgemäß nutzen, gilt: "Ein Arbeitgeber darf die Vergütung nur dann kürzen, wenn er den Nachweis erbringt, dass tatsächlich nicht gearbeitet wurde", sagt Thomas Becker, Arbeitsrechtsanwalt in Potsdam.

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Stechuhren-Galerie: Wie die Stechuhren ticken lernten

Allerdings reichen Ihre Ansprüche nicht beliebig lange zurück. An der Stelle wird es kompliziert: Ihr Vergütungsanspruch verjährt nach Ablauf von drei Jahren mit Beginn des Jahres, welches auf das Jahr folgt, in dem gearbeitet wurde. Verständlicher wird es am Beispiel: Ihre Ansprüche auf Gehaltsnachzahlung für das Jahr 2016 müssen spätestens bis zum 31.12.2019 beim Arbeitsgericht eingeklagt werden. Wenn Sie der Firma eine Frist setzen, sollte die daher so früh liegen, dass Sie im Notfall noch rechtzeitig vor Gericht ziehen können.

Worauf müssen Sie achten?

Es kann leicht sein, dass bei Ihnen die Zeiträume kürzer sind, nämlich dann, wenn so genannte Ausschlussfristen gelten. So ist laut Anwalt Becker die Regelung recht verbreitet, dass Vergütungsansprüche spätestens innerhalb von zwei oder drei Monaten schriftlich geltend gemacht werden müssen. Es gibt manchmal sogar eine zweite Frist, die Ihre Möglichkeiten der Klage einschränkt.

Am besten, Sie schauen erst in Ihrem Arbeitsvertrag nach, oder im Tarifvertrag, wenn einer für Sie gilt. Wenn dort solche Fristen festgeschrieben sind, dann können Sie für deutlich weniger Monate Geld nachfordern. Es sei denn, die Ausschlussfrist selbst ist rechtswidrig: Alles, was hier kürzer als drei Monate ist, hat vor Gericht keinen Bestand.

Und sonst so?

Das Ganze ist natürlich heikel. Wenn Sie eigentlich vorhaben, noch eine Weile bei diesem Arbeitgeber zu arbeiten, kann so eine Rechnung schwer das Klima verderben - auch wenn das wirklich nicht Ihre Schuld ist.

Wie gut kennen Sie sich im Arbeitsrecht aus?

Wenn es also in Ihrem Betrieb irgendeine Mitarbeitervertretung gibt, sollten Sie zu allererst dort nachfragen. Ohnehin sind solche Stechuhr-Regeln mitbestimmungspflichtig, das heißt, sie können nicht ohne Beteiligung des Betriebsrats aufgestellt werden, wenn es einen gibt.

insgesamt 13 Beiträge
hman2 10.10.2017
1. Au weia, SPON!
"Radio-Frequenz-Technologie " Bitte legt Euch doch mal einen Übersetzer zu, der die englische Sprache beherrscht. "radio frequency" oder kurz RF heißt auf Deutsch ganz einfach "Funk". Peinlich...
"Radio-Frequenz-Technologie " Bitte legt Euch doch mal einen Übersetzer zu, der die englische Sprache beherrscht. "radio frequency" oder kurz RF heißt auf Deutsch ganz einfach "Funk". Peinlich...
BjoernUsw 10.10.2017
2. Ernsthaft?
"über das Touchscreen-Display kann sogar das Mittagessen bestellt werden" Das gezeigte Gerät hat definitiv keinen Touchscreen, zu sehen an den Knöpfen unter der Anzeige...
"über das Touchscreen-Display kann sogar das Mittagessen bestellt werden" Das gezeigte Gerät hat definitiv keinen Touchscreen, zu sehen an den Knöpfen unter der Anzeige...
sven2016 10.10.2017
3.
Komische Kommentare 1 und 2, die scheinen zu einem anderen Artikel zu gehören. Der Artikel selber ist nicht gerade hilfreich: er stellt eine unfaire Situation dar und zeigt als Ausweg - klagen Sie, wenn sie diesen Job [...]
Komische Kommentare 1 und 2, die scheinen zu einem anderen Artikel zu gehören. Der Artikel selber ist nicht gerade hilfreich: er stellt eine unfaire Situation dar und zeigt als Ausweg - klagen Sie, wenn sie diesen Job verlieren wollen. Ohne Gewerkschaft geht da gar nichts, solange solche Abrechnungen nicht strafbar sind.
hman2 10.10.2017
4.
Nein, der Artikel stimmt. Sie haben vermutlich nur die Bildunterschriften nicht gelesen...
Zitat von sven2016Komische Kommentare 1 und 2, die scheinen zu einem anderen Artikel zu gehören. Der Artikel selber ist nicht gerade hilfreich: er stellt eine unfaire Situation dar und zeigt als Ausweg - klagen Sie, wenn sie diesen Job verlieren wollen. Ohne Gewerkschaft geht da gar nichts, solange solche Abrechnungen nicht strafbar sind.
Nein, der Artikel stimmt. Sie haben vermutlich nur die Bildunterschriften nicht gelesen...
petroulla 10.10.2017
5. Kleinigkeiten
Es ist wohl richtig, dass man seinen Job vergessen kann, wenn man gleich vor Gericht zieht. Zumal es hier um vergleichsweise Kleinigkeiten geht. Wirklich "trickreich" finde ich es eher, wenn verlangt wird, dass man schon [...]
Es ist wohl richtig, dass man seinen Job vergessen kann, wenn man gleich vor Gericht zieht. Zumal es hier um vergleichsweise Kleinigkeiten geht. Wirklich "trickreich" finde ich es eher, wenn verlangt wird, dass man schon z.B. 2 Std. arbeitet, ehe man einstempeln darf. Bzw. dasselbe analog bei Arbeitsschluss. In diesem Falle wäre es wohl besser, selbst darauf zu achten, wann man stempelt, um den Schaden möglichst gering zu halten. Zumindest wenn es ansonsten ein guter Job ist.
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