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Trockene Brötchen plus Kaffee

Nein, das ist kein Frühstück

Heißgetränke aus dem Automaten, dazu Brötchen ohne Butter: Für das Finanzamt reichte das als Frühstück - und eine entsprechend hohe Steuerforderung. Nichts da, hat nun ein Gericht in Münster entschieden.

DPA

Steuerrechtlich kein Frühstück: frische Brötchen in einer Kiste

Montag, 02.10.2017   15:50 Uhr

Trockene Brötchen und Kaffee sind laut einem aktuellen Urteil kein vollwertiges Frühstück und müssen deshalb vom Arbeitgeber nicht versteuert werden. Zu einem Frühstück gehöre nach dem allgemeinen Sprachgebrauch neben Brötchen und Getränken auch ein entsprechender Brotaufstrich, befand das Finanzgericht Münster in einer am Montag veröffentlichten Entscheidung.

Geklagt hatte ein Softwareunternehmen mit 80 Mitarbeitern. Die Firma hatte täglich rund 150 Brötchen besorgt und sie - ohne Aufschnitt oder Belag - in der Kantine für Mitarbeiter, Kunden und Gäste zum Verzehr bereitgelegt. Kostenlos gab es dazu aus einem Automaten heiße Getränke.

Das Finanzamt sah darin eine "unentgeltliche Zurverfügungstellung einer Mahlzeit an den Arbeitnehmer in Form eines Frühstücks" und forderte unter Berücksichtigung der Preissteigerung der letzten Jahre eine Steuernachzahlung von 1,50 bis 1,57 Euro je Mitarbeiter und Tag - von Dezember 2008 bis Dezember 2011.

Die Münsteraner Richter sahen das anders. Es habe sich wegen des fehlenden Brotaufstrichs nicht um ein Frühstück gehandelt, sondern steuerlich gesehen lediglich um "Kost". Die müsse zwar auch besteuert werden. Das Gesetz sieht für diesen Fall allerdings eine andere Freigrenze vor, die nicht überschritten wurde.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Streitfrage ließ der Senat in Münster die Revision zum Bundesfinanzhof zu.

lov/AFP/dpa

insgesamt 57 Beiträge
Tharsonius 02.10.2017
1. Lächerlich
In manchen Dingen kann man unseren Steuerbehörden wahrhaftig unersättliche Gier vorwerfen...omg...trockene brötchen besteuern. Hirnrissig und sehr peinlich.
In manchen Dingen kann man unseren Steuerbehörden wahrhaftig unersättliche Gier vorwerfen...omg...trockene brötchen besteuern. Hirnrissig und sehr peinlich.
jetbundle 02.10.2017
2. Ähnliche Konstellationen
Sehr ähnliche Konstellationen gibt es auch bei Dienstreisen. Ist die Zumutung von Snack auf einem Langsteckenflug jetzt ein "Mittagessen"? Und wie sieht es mit dem Cafe mit Croissant aus der Tüte im Hotel aus, bei dem [...]
Sehr ähnliche Konstellationen gibt es auch bei Dienstreisen. Ist die Zumutung von Snack auf einem Langsteckenflug jetzt ein "Mittagessen"? Und wie sieht es mit dem Cafe mit Croissant aus der Tüte im Hotel aus, bei dem man dann doch lieber zum Starbucks geht? Und ist das WLAN im Hotel jetzt ein Grundbedürfnis oder ein Privatvergnügen? Da scheinen die Regeln in den 70er Jahren festzuhängen und sich zum Nachteil der Arbeitnehmer nicht an das 21. Jahrhundert anzupassen.
supergrobi123 02.10.2017
3. Oha!
Eine Steuernachzahlung von 1,50 pro Mitarbeiter und Tag? Selbst wenn alle Arbeitnehmer den Spitzensteuersatz von 42% bezahlen, müssten sie den Gegenwert von 3,57 an trockenen Brötchen und Automatenkaffee verkonsumieren. Jeder. [...]
Eine Steuernachzahlung von 1,50 pro Mitarbeiter und Tag? Selbst wenn alle Arbeitnehmer den Spitzensteuersatz von 42% bezahlen, müssten sie den Gegenwert von 3,57 an trockenen Brötchen und Automatenkaffee verkonsumieren. Jeder. Täglich. Das ist schon wild gerechnet.
LorenzSTR 02.10.2017
4. Kafka lebt
Es liegen zig Milliarden deutsches Steuerfluchtgeld in der Schweiz und anderswo - aber die Finanzämter kümmern sich um trockene Brötchen und Kaffee. Natürlich, der Fisch stinkt vom Kopf her. Deshalb wurden ja etwa damals im [...]
Es liegen zig Milliarden deutsches Steuerfluchtgeld in der Schweiz und anderswo - aber die Finanzämter kümmern sich um trockene Brötchen und Kaffee. Natürlich, der Fisch stinkt vom Kopf her. Deshalb wurden ja etwa damals im CDU-Hessen Steuerbeamte kaltgestellt, die ihrem Job nachgegangen sind. Es ist auch immer wieder grotesk, wie der Normalbürger jeden Cent nachweisen muss und mit einer völlig undurchsichtigen Steuergesetzgebung konfrontiert ist, während der Millionenerbe schön ein paar Steueranwälte beschäftigen und sich im Notfall einfach durch eine Selbstanzeige retten kann.
frenchie3 02.10.2017
5. Ist bei der Steuernachzahlung schon
die Strafe mit drin? Bei der Nachforderung kamen die wohl vom Biobauern auf dem Ochsenkarren angefahren. Der Kaffee dürfte direkt in der Plantage gebraut und dann geliefert worden sein. Aber jetzt noch einmal versuchen: ist das [...]
die Strafe mit drin? Bei der Nachforderung kamen die wohl vom Biobauern auf dem Ochsenkarren angefahren. Der Kaffee dürfte direkt in der Plantage gebraut und dann geliefert worden sein. Aber jetzt noch einmal versuchen: ist das nicht ein geldentwertender Vorteil und muß eigentlich vom Mitarbeiter versteuert werden?

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