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KarriereSPIEGEL

So geht Arbeit

Damit der Urlaub nicht verfällt

Sie haben Ihre Urlaubstage in diesem Jahr nicht aufgebraucht? Vorsicht, Sie könnten sie bald ganz verlieren. Es ist aber nicht schwer, das zu verhindern.

DPA

Es gibt Schlimmeres, als dringend in den Urlaub zu müssen.

Von
Dienstag, 07.11.2017   07:47 Uhr

Sie haben ein Problem:

Sie sollen in den Urlaub, aber schnell. Das hat Ihre Chefin gesagt, denn Sie haben noch elf Tage Resturlaub. Klingt eigentlich ganz angenehm, aber Sie hatten gehofft, mit den übrigen Tagen im nächsten Sommer eine besonders lange Auszeit zu machen.

Die Ansage ist verbunden mit einer Drohung: Wenn Sie nicht zügig Urlaub einreichen, sind die Urlaubstage zum Jahreswechsel futsch. Dann wird es nichts mit den vier Wochen im Juli. Ist so eine drastische Maßnahme überhaupt erlaubt?

Das könnte helfen:

Das Bundesurlaubsgesetz - ja, das heißt wirklich so. Dieses Bundesurlaubsgesetz sieht vor, dass der Jahresurlaub tatsächlich auch im laufenden Jahr genommen wird. Das hat einerseits vor allem den Sinn, dass die Arbeitnehmer sich regelmäßig erholen können, und eben nicht ihren Urlaub für lange Pausen ansparen und vorher aus den Latschen kippen. Es soll auch die Arbeitgeber unter Druck setzen, damit sie Urlaub zeitnah genehmigen und ihre Leute nicht bis zum Sanktnimmerleinstag schuften müssen.

Andererseits: Oft kriegt man den ganzen Urlaub einfach nicht unter. Vielleicht waren Sie zwischendurch länger krank, oder ein Urlaub wurde nicht genehmigt, weil alle Kollegen in Ihrer Abteilung gleichzeitig weg waren.

Für solche Fälle sieht das Bundesurlaubsgesetz eine Lösung vor: Der Urlaub kann doch mit ins nächste Jahr genommen werden, wenn es dringende Gründe gibt. Dafür müssen Sie zwei Punkte beachten:

Was, wenn die Chefin bei der Übertragung nicht mitzieht? Dann müssen Sie wohl wirklich noch schnell in den Urlaub. Seien Sie sicher, andere würden da gerne mit Ihnen tauschen.

Das sollten Sie beachten:

Die Übertragung des Urlaubsanspruchs ist nur der erste Schritt. Am besten, Sie beantragen gleich den Urlaub mit einem konkreten Termin. Ihre Firma ist in so einem Fall grundsätzlich verpflichtet, den Urlaub im ersten Quartal zu gewähren.

Liegt der Urlaub später, etwa weil Ihre Abteilung ansonsten mal wieder ausgestorben wäre, dann ist das streng genommen ein Verstoß gegen des Urlaubsgesetz. Wenn das für alle Seiten okay ist - kein Problem. Aber der lehrbuchmäßige Weg zu dem späten Urlaub sieht anders aus.

Urlaub - das sind Ihre Rechte

Dazu müssten Sie Ihre Firma in Verzug setzen. Das klingt nach Anwalt und Arbeitsgericht, stimmt aber nicht. Sie tun das schon dann, wenn Sie den Laden schriftlich auffordern, Ihnen bis März den Urlaub zu gewähren. Dass Sie das eigentlich gar nicht wollen - Nebensache. Es geht darum, dass Sie Ihren Rechtsanspruch sichern und Ihr Urlaub nicht verfällt.

Damit jedenfalls ist die Firma in der Pflicht, Ihnen bald den Resturlaub zu gewähren. Wie immer gilt: Wenn sich beide Seiten einig sind, ist die Verspätung kein Drama. Liegen Sie dagegen mit der Chefin im Clinch, dann haben Sie mit Ihrer E-Mail immerhin einen Nachweis für Ihre Ansprüche.

Und sonst so?

Nun kann es ja vorkommen, dass Sie die Firma verlassen, bevor Sie Ihren Resturlaub nehmen konnten. Auch dann sind Sie mit Ihrer E-Mail auf der sicheren Seite. Was im deutschen Urlaubsrecht nämlich normalerweise nicht vorgesehen ist - die Umwandlung von Freizeit in Geld -, geht dann nämlich doch: Die Firma muss Ihnen die nicht genommenen Urlaubstage ausbezahlen.

Übrigens ist das auch ein wichtiger Grund, warum es diese Ablauffristen gibt. Der Urlaub kann Ihr Unternehmen bares Geld kosten. Nehmen Sie Ihren Urlaub nicht im alten Jahr, muss Ihre Chefin das Geld zurücklegen, das es kosten würde, Sie für diese Tage auszubezahlen. Damit ist sichergestellt, dass auch eine klamme Firma in so einem Fall genügend Geld übrig hat. Sie darf es so lange nicht für andere Zwecke verwenden, bis Sie Ihren Urlaub hatten.

insgesamt 11 Beiträge
columbo1 07.11.2017
1. abweichende tarifvertragliche Regelungen?
Kann es sein, dass es da abweichende tarifvertragliche Regelungen gibt? Bei uns (großer Konzern mit Betriebsrat) gilt: Ins neue Jahr können prinzipiell beliebig viele Tage mitgenommen werden. Aber spätestens am 1. April [...]
Kann es sein, dass es da abweichende tarifvertragliche Regelungen gibt? Bei uns (großer Konzern mit Betriebsrat) gilt: Ins neue Jahr können prinzipiell beliebig viele Tage mitgenommen werden. Aber spätestens am 1. April verfällt alles bis auf 10 Tage, was aus dem Vorjahr übertragen wurde.
noch_ein_forenposter 07.11.2017
2. Bei uns ist das lustig
Allgemein gilt bei uns, dass der Urlaub bis 31.12. genommen sein muss. Allerdings gibt es jedes Jahr einen Schrieb aus der Personalabteilung, dass "ausnahmsweise" der Resturlaub bis zum 30.09. des Folgejahres genommen [...]
Allgemein gilt bei uns, dass der Urlaub bis 31.12. genommen sein muss. Allerdings gibt es jedes Jahr einen Schrieb aus der Personalabteilung, dass "ausnahmsweise" der Resturlaub bis zum 30.09. des Folgejahres genommen werden kann (in Absprache mit dem eigenen Chef). Das kommt wirklich jedes Jahr. Wahrscheinlich will man keinen Generalfall schaffen, der von der Gesetzgebung abweicht.
sven2016 07.11.2017
3.
Ja, das scheint individuell festlegbar zu sein. Bei uns ist auch Ende September des Folgejahres als Verfallstermin von Urlaub vorgesehen. Es gibt ja auch Ausnahmeregelungen für Sabbaticals bei Großkonzernen; da wird über [...]
Ja, das scheint individuell festlegbar zu sein. Bei uns ist auch Ende September des Folgejahres als Verfallstermin von Urlaub vorgesehen. Es gibt ja auch Ausnahmeregelungen für Sabbaticals bei Großkonzernen; da wird über mehrere Jahre freie Zeit angesammelt. Recherche erweitern??
s.foth 07.11.2017
4.
Wenn ich mich recht entsinne gilt das Gesetz immer als Mindestgrundlage - eine Besserstellung durch Tarif- oder Manteltarifverträge ist absolut möglich. Hier können Sie sich über die relativ großzügige Regelung freuen
Zitat von columbo1Kann es sein, dass es da abweichende tarifvertragliche Regelungen gibt? Bei uns (großer Konzern mit Betriebsrat) gilt: Ins neue Jahr können prinzipiell beliebig viele Tage mitgenommen werden. Aber spätestens am 1. April verfällt alles bis auf 10 Tage, was aus dem Vorjahr übertragen wurde.
Wenn ich mich recht entsinne gilt das Gesetz immer als Mindestgrundlage - eine Besserstellung durch Tarif- oder Manteltarifverträge ist absolut möglich. Hier können Sie sich über die relativ großzügige Regelung freuen
Pega123 07.11.2017
5. Gilt dies nur für den gesetzlichen Urlaubsanspruch?
Mich würde interessieren, ob dies nur für den gesetzlichen Urlaubsanspruch gilt? Die meisten Arbeitnehmer haben ja einen Anspruch über den gesetzlichen hinaus. Wird dieser auch durch das Gesetz abgebildet oder kann man da [...]
Mich würde interessieren, ob dies nur für den gesetzlichen Urlaubsanspruch gilt? Die meisten Arbeitnehmer haben ja einen Anspruch über den gesetzlichen hinaus. Wird dieser auch durch das Gesetz abgebildet oder kann man da abweichende (für den Arbeitnehmer schlechtere) Regelungen treffen?

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