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KarriereSPIEGEL

Ladenschluss an Heiligabend

"Ich hoffe, uns Verkäuferinnen wird das gegönnt"

In diesem Jahr fällt Heiligabend auf einen Sonntag. In sozialen Netzwerken wird heiß diskutiert, ob Geschäfte trotzdem öffnen sollten oder nicht.

DPA

Shoppingcenter in Hamburg kurz vor Weihnachten

Dienstag, 07.11.2017   19:26 Uhr

Es ist Heiligabend, aber es fehlen noch einige Weihnachtsgeschenke oder der Festbraten? Wer in den vergangenen Jahren Einkäufe auf den letzten Drücker erledigt hat, könnte in diesem Jahr Probleme kriegen. Da der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt, wollen viele Geschäfte nicht öffnen oder werden per Gesetz dazu verpflichtet. Zu Recht, findet die Gewerkschaft Ver.di und ruft zu einem Einkaufsverzicht an Heiligabend auf.

Doch das sehen nicht alle so. Die Frage nach den Einkaufzeiten wird auch in sozialen Netzwerken wie Facebook heiß diskutiert. Katrin K. arbeitet in einer Drogerie. Sie schreibt: "Dieses Jahr freuen wir uns einfach, dass auch wir mal entspannt an Heiligabend bei unseren Lieben sein dürfen. Also hoffe ich, dass uns das als Verkäuferinnen gegönnt sein wird!"

"Shoppingwahnsinn 15 Stunden lang"

Verkäuferin Martina P. berichtet, sie werde jetzt bereits von Kunden angeschnauzt, weil der Supermarkt, in dem sie arbeitet, Heiligabend geschlossen bleibt. Sie entgegnet: "Leute, wir haben von Montag bis Samstag von 7 bis 22 Uhr geöffnet. Shoppingwahnsinn 15 Stunden lang! Das reicht doch vollkommen."

Elektronikverkäufer Merten W. schreibt dagegen, er habe wegen der Lohnzuschläge immer gern an Heiligabend und Silvester gearbeitet. Einige fordern, die gesetzlichen Regeln abzuschaffen, jedes Geschäft sollte selbst entscheiden dürfen, ob und wann es öffnet. Andere Nutzer werfen ein, dass auch Taxifahrer, Kellner, Köche, Ärzte, Polizisten und Feuerwehrmänner arbeiten müssten. Warum sollte es da Ausnahmen für den Einzelhandel geben?

"Warum sollte ich am 24.12. nicht einkaufen gehen?"

Martin W. arbeitet im Schichtdienst als Zugführer. Er argumentiert bei Facebook: "Warum sollte ich am 24.12. nicht einkaufen gehen? Es ist kein Feiertag." Zwar wolle er an Heiligabend keine Geschenke kaufen, aber es sei legitim, an Heiligabend noch mal den Kühlschrank aufzufüllen. Es handele sich schließlich um einen Heiligabend und nicht einen heiligen Tag. Zudem hätten Mitarbeiter des Einzelhandels in der Regel zwei Tage nach Heiligabend frei.

Projektingenieur Benjamin R. fragt, warum Einzelhändler einen höheren Schutz bei der Sonntagsruhe genießen als andere Branchen. Trotzdem wolle er selbst nicht an Heiligabend einkaufen gehen. Ein guter Vorsatz, denn die meisten Geschäfte bleiben wohl ohnehin geschlossen.

Heiligabend ist zwar kein Feiertag, dennoch gelten an diesem Tag besondere Öffnungszeiten, gerade wenn der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt. Die Ladenschlusszeiten sind Ländersache. Verkaufsoffene Sonntage an Heiligabend sind meist nur für Geschäfte erlaubt, die vor allem Lebens- und Genussmittel im Angebot haben. Die Märkte von Media Markt und Saturn bleiben beispielsweise deshalb geschlossen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Die Kunden würden kommen

Doch selbst die, die öffnen können, verzichten oft lieber. Aldi, Lidl, Penny und Kaufland haben bereits mitgeteilt, dass alle Filialen geschlossen bleiben. Bei Rewe und Edeka können die Inhaber der Märkte teilweise selbst entscheiden, ob sie öffnen oder nicht. Doch auch sie wollen in vielen Fällen schließen.

"Wir haben kurz diskutiert, ob wir öffnen, uns aber dagegen entschieden", sagte Frank Ebrecht. Er führt in Hamburg mehrere Edeka-Filialen. "Wir freuen uns einfach, dass alle Mitarbeiter zeitgleich mal drei Tage am Stück frei haben. Das passiert nicht so oft." Zwar könne es unternehmerisch sinnvoll sein, an Heiligabend zu öffnen, weil die Kunden sicher kommen würden, aber der Vorteil für die Mitarbeiter überwiege.

Bei den Drogerien sieht es ähnlich aus. Bei dm kann jede Filiale über ihre Öffnungszeiten entscheiden. Bislang habe aber kein Markt angekündigt, am 24. Dezember zu öffnen, teilte die Geschäftsführung mit. Wie an anderen Sonntagen auch, blieben die Märkte in den Bahnhöfen jedoch geöffnet. Bei Rossmann ist man sich noch nicht sicher, ob geöffnet werden soll oder nicht.

Kleinere Drogerieketten wie Budnikowsky werden ebenfalls an Heiligabend nicht öffnen. "Als Familienunternehmen und im Interesse unserer Mitarbeiter und ihrer Familien lehnen wir die Sonntagsöffnung an Heiligabend ausdrücklich ab", heißt es in einer Stellungnahme.

Die hitzige Diskussion um die Öffnungszeiten an Weihnachten erscheint deshalb insgesamt obsolet. Die meisten Geschäfte bleiben in diesem Jahr wohl ohnehin geschlossen. Anders sieht es für das kommende Jahr aus. 2018 fällt Heiligabend auf einen Montag.

koe

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