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KarriereSPIEGEL

Insolvente Air Berlin

Pilot scheitert mit Klage gegen Freistellung

Die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hat mehrere Hundert Mitarbeiter freigestellt. Ein Pilot klagte dagegen - erfolglos.

Getty Images

Maschinen von Air Berlin am Flughafen Tegel

Donnerstag, 23.11.2017   16:51 Uhr

Ein Pilot der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist mit der Klage gegen seine Freistellung gescheitert. Das Düsseldorfer Arbeitsgericht wies sie am Donnerstag im Eilverfahren zurück. Ein weiterer Co-Pilot hatte seinen Antrag zuvor zurückgenommen.

Der 59-jährige Kläger hatte argumentiert, dass er nach wie vor eingesetzt werden könne, weil Air Berlin für einige Wochen noch Flüge für andere Airlines und Überführungsflüge übernehme. Doch Air Berlin habe das Personal für diese Flüge zum Beispiel ab dem Flughafen Köln/Bonn willkürlich zusammengezogen und ihn - am Standort Düsseldorf - zu Unrecht nicht berücksichtigt.

Seine 28 Jahre Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflicht für drei Kinder hätten offenbar keine Rolle gespielt. Dadurch drohe ihm nun zusätzlich der Verlust der Berechtigung, bestimmte Flugzeugtypen zu fliegen, sagte der Flugkapitän.

Von den Freistellungen betroffen sind laut Nachrichtenagentur dpa Piloten und Flugbegleiter in Berlin, Düsseldorf, München, Paderborn, Leipzig und Nürnberg sowie die in Frankfurt stationierten Piloten.

Das Gericht fand, dass für die insolvenzrechtliche Freistellung auf Widerruf keine Sozialauswahl erfolgen müsse. Es reiche, wenn der Arbeitgeber argumentiere, für den Zeitraum von zwei Monaten nur noch Piloten der jeweiligen Standorte einzusetzen, um keine Versetzungswelle oder zusätzliche Reisekosten zu verursachen. Außerdem sei die Entscheidung mit der Personalvertretung abgestimmt worden. (Aktenzeichen: 10 Ga 89/17).

Im Gerichtsverfahren wandelte der Anwalt des Insolvenzverwalters dem Kläger dessen widerrufliche Freistellung in eine unwiderrufliche um. Damit kann dieser nun Arbeitslosengeld beantragen, das allerdings auf deutlich weniger als 3000 Euro im Monat gedeckelt ist. Bei Air Berlin hatte der Pilot monatlich 16.321 Euro verdient.

lov/dpa

insgesamt 10 Beiträge
Vanagas 24.11.2017
1. Was klagt der Tor auch
Hier muss der Kuchen für systemrelevante Manager in trockene Tücher gebracht werden und da klagt der Krümel von einem Piloten. Unterhaltspflicht für die kleinen Racker, wo kommen wir denn da hin? Nachher bekommen die unteren [...]
Hier muss der Kuchen für systemrelevante Manager in trockene Tücher gebracht werden und da klagt der Krümel von einem Piloten. Unterhaltspflicht für die kleinen Racker, wo kommen wir denn da hin? Nachher bekommen die unteren Chargen auch noch Recht in diesem Land. Das würde den Untergang bedeuten.
ksail 24.11.2017
2. Kuchen für Manager?
Man kann natürlich aus jeder insolvenzbegründeten Freistellung einen Sozialkampf machen. Fakt ist aber, dass ein insolventes Unternehmen, in dem zudem schon viel Steuergeld steckt, nicht gezwungen werden kann, seine Mitarbeiter [...]
Man kann natürlich aus jeder insolvenzbegründeten Freistellung einen Sozialkampf machen. Fakt ist aber, dass ein insolventes Unternehmen, in dem zudem schon viel Steuergeld steckt, nicht gezwungen werden kann, seine Mitarbeiter sinnlos weiterzubeschäftigen. Daran ändert auch die unappetitliche Sondervereinbarung mit dem Vorstandschef grundsätzlich nix, solange sie rechtmäßig ist. Aber dem Gesetzgeber wäre es ja möglich, so etwas für die Zukunft zu regeln.
MiDa1895 24.11.2017
3.
Aber kündigen kann es, oder? So dass ein Beschäftigter einer insolventen Firma die Möglichkeit hat Arbeitslosengeld zu bekommen. Ich denke dies ist taktisches Kalkül, bekommt der Pilot weder Gehalt noch Arbeitslosengeld, [...]
Zitat von ksailMan kann natürlich aus jeder insolvenzbegründeten Freistellung einen Sozialkampf machen. Fakt ist aber, dass ein insolventes Unternehmen, in dem zudem schon viel Steuergeld steckt, nicht gezwungen werden kann, seine Mitarbeiter sinnlos weiterzubeschäftigen. Daran ändert auch die unappetitliche Sondervereinbarung mit dem Vorstandschef grundsätzlich nix, solange sie rechtmäßig ist. Aber dem Gesetzgeber wäre es ja möglich, so etwas für die Zukunft zu regeln.
Aber kündigen kann es, oder? So dass ein Beschäftigter einer insolventen Firma die Möglichkeit hat Arbeitslosengeld zu bekommen. Ich denke dies ist taktisches Kalkül, bekommt der Pilot weder Gehalt noch Arbeitslosengeld, wird er bald so mürbe sein, dass er doch für die Billigtochter Eurowings zu austrarifierten Verhältnissen arbeiten soll. Ein Schelm der böses denkt.
Flari 24.11.2017
4.
Sie glauben, dass es dem deutschen Gesetzgeber möglich wäre, einem ausländischen Geldgeber/Investor zu untersagen, einem Deutschen eine längerfristige Gehaltsgarantie auf seine Kosten zu geben? Oder einem Deutschen in [...]
Zitat von ksailMan kann natürlich aus jeder insolvenzbegründeten Freistellung einen Sozialkampf machen. Fakt ist aber, dass ein insolventes Unternehmen, in dem zudem schon viel Steuergeld steckt, nicht gezwungen werden kann, seine Mitarbeiter sinnlos weiterzubeschäftigen. Daran ändert auch die unappetitliche Sondervereinbarung mit dem Vorstandschef grundsätzlich nix, solange sie rechtmäßig ist. Aber dem Gesetzgeber wäre es ja möglich, so etwas für die Zukunft zu regeln.
Sie glauben, dass es dem deutschen Gesetzgeber möglich wäre, einem ausländischen Geldgeber/Investor zu untersagen, einem Deutschen eine längerfristige Gehaltsgarantie auf seine Kosten zu geben? Oder einem Deutschen in einem Fall wie bei Winkelmann zu untersagen, zugesagte Gelder von einem ausländischen Investor anzunehmen?
fly2dive 24.11.2017
5. Monatsverdienst
mein Miteleid hält sich angesichts des früheren Monatsverdienstes von 16.321 Euro in Grenzen. Beim Kabinenpersonal sieht das ganz anders aus ...
mein Miteleid hält sich angesichts des früheren Monatsverdienstes von 16.321 Euro in Grenzen. Beim Kabinenpersonal sieht das ganz anders aus ...

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