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KarriereSPIEGEL

Rat vom Jobcoach

Ich muss mit Alphamännern arbeiten - wie setze ich mich durch?

Teamarbeit gehört in vielen Unternehmen selbstverständlich dazu. Doch was ist, wenn Kollegen dominieren, statt zu kooperieren? Die Karriereberaterin rät: Hinterfragen Sie als Erstes sich selbst.

Getty Images/Westend61
Von
Donnerstag, 06.12.2018   11:52 Uhr

Das Problem:

Susanne, 45 Jahre, arbeitet in der Verwaltung einer Großstadt. Abteilungsübergreifend soll es nun mehr Teamarbeit geben. Das führt ihrer Beobachtung nach zu immer mehr Konflikten. Sie selbst fühlt sich von dominanten Kollegen bedroht. Sie will wissen: "Gibt es Strategien für den Umgang mit solchen Alphas? Wie kann ich mich durchsetzen?"

Zur Autorin

Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Die Vorteile von Teamarbeit sind offensichtlich: Ein Gruppe kann intelligenter sein als die Summe der einzelnen Mitglieder. Doch: Je mehr Teamarbeit in den Fokus der Unternehmen rückt und Einzelarbeit verdrängt, desto menschlicher wird die Arbeitswelt. Mit allen Konsequenzen, denn menschlich heißt auch: emotionaler.

Wer sich bisher hinter seinem Fachwissen verschanzen konnte, muss sich nun herausfordernden kommunikativen Situationen stellen - und hat dann eben auch mit Alphas zu tun oder mit faulen Mitarbeitern.

In solchen Fällen zählt vor allem die richtige Kommunikation. Doch leider wird Kommunikationsfähigkeit und Empathie weder in der Schule noch im Studium und erst recht nicht in der Arbeitswelt gefördert. Dass jemand hier einen Mangel hat, äußert sich in fehlender Konfliktbereitschaft, Angst vor Feedback und Kritik sowie Dominanz von Status und Ego und natürlich in der daraus folgenden Rücksichtslosigkeit.

Was tut man nun, wenn eigene rote Linien überschritten werden?

Ein einfaches, allgemeingültiges Rezept gibt es nicht, aber ein guter Tipp ist, rechtzeitig "Nein" und "Stopp" zu sagen. Stellen Sie sich eine Grenze um sich selbst vor. Sobald andere Ihr Gebiet betreten, gilt es, diese zu schützen. Sprechen Sie aus, was Ihr Bedürfnis ist - und was Sie wahrnehmen. "Ich fühle mich von dir überfahren und möchte Zeit zum Nachdenken haben."

Derartige Klarheit geht manchen allerdings schwer über die Lippen. Susanne sollte daher die Fähigkeit entwickeln, sich schwierigen Situationen zu stellen. Wer wirksam kommunizieren will, muss allerdings erst einmal sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse deutlich wahrnehmen: Was passiert mit mir in einer Situation, die ich als unangenehm empfinde? Wie verhalte ich mich? Welche Gefühle spielen da eine Rolle? Denken Sie an Grundemotionen wie Angst, Trauer, Freude, Neugier - oder auch Unsicherheit als eine Form von Angst.

Es gibt dabei folgende menschliche Reaktionsmuster: Einige fliehen und gehen der Situation aus dem Weg. Andere kämpfen und versuchen, den anderen zu besiegen. Und dann gibt es das Muster derjenigen, die sich anpirschen und vom eigentlichen Thema ablenken. Alle diese Muster gibt es in einer übertriebenen und einer gesunden Form. Auf eine übertriebene Form deutet ein einseitiges und immer gleiches sowie der Situation unangemessenes Verhalten hin.

Sicher werden Sie Ihr Muster hier wiedererkennen. Fragen Sie sich nun: Was wäre ein anderes, ein alternatives Verhalten? Probieren Sie es aus.

Dann gilt es, sich in den anderen hineinzuversetzen und sich dessen Perspektive vorzustellen. Wer das tut, wird viel Interessantes über den Menschen lernen. Was als Dominanzverhalten daherkommt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung beispielsweise als Angst.

Wer seine Persönlichkeit entwickelt, muss anfangen, über sich und andere nachzudenken und einige liebgewonnene Überzeugungen über Bord werfen oder revidieren. Wer das tut, verliert oft vorläufig ein Stück vermeintliche Sicherheit. Das ist eine persönliche Veränderung, die den Schritt heraus aus der Komfortzone bedeutet. Doch in der Stretchingzone dahinter lernt man am meisten.

Immer noch gilt jedoch vielerorts der Grundsatz, dass Selbstreflexion eine Schwäche sei. Tatsächlich jedoch führt sie zu Stärke - wenn auch nicht von heute auf morgen. Mitarbeiter oder Führungskräfte werden zufriedener und besser, wenn sie die Angst vor Kritik verlieren und diese vielmehr offensiv einfordern.

insgesamt 24 Beiträge
Tömmchen 06.12.2018
1. Status-Spiele
Liebe Frau Hofert Nach meiner Erfahrung steht oft hinter dem Verhalten von Alphas in der Tat eine Angst - nämlich die Angst vor Nähe. Allerdings ist mit dieser Erkenntnis noch nicht geholfen. Vielmehr muss die eigene Angst - [...]
Liebe Frau Hofert Nach meiner Erfahrung steht oft hinter dem Verhalten von Alphas in der Tat eine Angst - nämlich die Angst vor Nähe. Allerdings ist mit dieser Erkenntnis noch nicht geholfen. Vielmehr muss die eigene Angst - nämlich die vor der Distanz bzw. das Bedürfnis nach Nähe überwunden werden. Nachzulesen in dem Gleichnamigen Buch wie die Überschrift.
whitewisent 06.12.2018
2.
"Sie selbst fühlt sich von dominanten Kollegen bedroht." Fühlt sich die Fragestellerin da wirklich von den Alphas bedroht, oder daß sie nun in "Teamarbeit" sich eine Stellung in einer Gemeinschaft per [...]
"Sie selbst fühlt sich von dominanten Kollegen bedroht." Fühlt sich die Fragestellerin da wirklich von den Alphas bedroht, oder daß sie nun in "Teamarbeit" sich eine Stellung in einer Gemeinschaft per persönlichem Engagement erarbeiten muss, welche nicht per Arbeitsvertrag, Türschild oder Quotenregelung erreicht wurde? 20% der Männer sind Alphas, und das ist auch sinnvoll, denn Gruppendynamik funktioniert nunmal nur mit Befehlskette und Kompetenzpyramide. Darum ist es eher von Bedeutung zu klären, welche Position jemand in einem Team einnehmen möchte. Es funktioniert nicht, sich einen Haufen von Betas zu wünschen, weil man sich bedroht fühlt, und lieber im Lemminghaufen die Klippe runterzuspringen, weil man hofft, auf den Leichen der anderen weicher zu fallen. Was die Nähe angeht. Der Grat ist schmal zwischen Furcht und Vorsorge. Alles zu dem man eine Beziehung hat, kann gegen einen verwendet werden. Persönliche Abhängigkeiten und Verbindlichkeiten untereinander stärken nicht ein Team, sondern schaffen Parallelstrukturen, die dann vieleicht nicht von Alphas, sondern von cleveren Betas geführt werden. Als Frau mit Bedrohungstrauma mag man sich damit besser fühlen, wenn man nicht gefällig sein muss, erreicht aber am Ende noch weniger, da sich bestenfalls die Gruppe der Alphas mit dem Beths arrangiert, während die Gammas und Omegas nur bei der Weihnachtsfeierorganisation zum Zuge kommen. Was man ihnen als Vertrauensposten aufgrund persönlicher Kompetenz bestens verkaufen kann.
dasfred 06.12.2018
3. Ein bisschen spät
Mit Selbstreflexion sollte man schon beginnen, bevor man einen Beruf ergreift. Dann kann ich meine eigene Komfortzone wesentlich besser abstecken. Wenn ich mich kenne, weiß ich besser, auf andere zuzugehen. Ich muss nicht warten, [...]
Mit Selbstreflexion sollte man schon beginnen, bevor man einen Beruf ergreift. Dann kann ich meine eigene Komfortzone wesentlich besser abstecken. Wenn ich mich kenne, weiß ich besser, auf andere zuzugehen. Ich muss nicht warten, bis das Alphamännchen auf mich zukommt, sondern kann es abholen und auf meine Ebene ziehen. Selbst in der Lage zu sein, aktiv zu agieren, gibt Sicherheit, zu warten und zu reagieren begrenzt meine Möglichkeiten und meinen Einfluss. Wer sich selbst sicher ist, strahlt das auch aus und wird als kompetenter wahrgenommen.
derBob 06.12.2018
4. Das hebt die Stimmung
Zitat: "Ich fühle mich von dir überfahren und möchte Zeit zum Nachdenken haben." So eine Antwort freut alle Projektteammitglieder. Insbesondere wenn dringende Entscheidungen anstehen und der Meilenstein bedrohlich [...]
Zitat: "Ich fühle mich von dir überfahren und möchte Zeit zum Nachdenken haben." So eine Antwort freut alle Projektteammitglieder. Insbesondere wenn dringende Entscheidungen anstehen und der Meilenstein bedrohlich nahe ist.
Plasmabruzzler 06.12.2018
5.
Ich frage mich, ob es Sinn ergibt, sich gegen Alpha-Leute (m/w) durchzusetzen oder durchsetzen zu wollen. Ich habe auch mit allerhand solcher Leute zu tun, die vor allem meinen, dass sie es besser wissen. Mich lassen sie aber in [...]
Ich frage mich, ob es Sinn ergibt, sich gegen Alpha-Leute (m/w) durchzusetzen oder durchsetzen zu wollen. Ich habe auch mit allerhand solcher Leute zu tun, die vor allem meinen, dass sie es besser wissen. Mich lassen sie aber in Ruhe werkeln, weil sie ganz genau wissen, dass sie mir auf meinem Gebiet nicht das Wasser reichen können und lasse ab und an auch mal eine(n) von der Sorte in einer Besprechung auflaufen und habe dann wieder wochenlang Ruhe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich daran aufzureiben überhaupt nicht lohnt. Ich bekomme auch so mein Geld und kann mich amüsieren, wenn sich die Alpha-Leute sich gegenseitig das Leben schwer machen.
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