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KarriereSPIEGEL

Arbeitsgerichtsurteil

Wer spontan in die Ferien fliegt, darf fristlos gekündigt werden

Eine Controllerin aus Düsseldorf flog nach Mallorca - und reichte ihren Urlaubsantrag erst von dort aus ein. Der Chef forderte ihre Rückkehr, doch sie blieb. Nun landete der Fall vor Gericht.

DPA

Kündigungsschreiben (Symbolbild)

Mittwoch, 11.07.2018   12:26 Uhr

Montagmorgen in einer Düsseldorfer Unternehmensberatung. Eigentlich sollte die Junior-Controllerin in der Abteilung "Online Performance Management" bis zehn Uhr an ihrem Schreibtisch sitzen - aber sie kommt nicht.

Stattdessen trudelt um 12.04 Uhr eine Mail bei ihrem Chef ein. Unter dem Betreff "Spontan-Urlaub" teilt sie mit, sie sei nach bestandenem berufsbegleitendem Studium vor einigen Tagen von ihrem Vater mit einem Aufenthalt auf Mallorca überrascht worden.

In der Euphorie und Eile habe sie keine Möglichkeit gehabt, ihre Abwesenheit im Personalsystem des Unternehmens zu vermerken. Und: Für die "Überrumpelung" entschuldige sie sich. Das Unternehmen kündigte ihr daraufhin. Gegen den Rausschmiss hatte die Controllerin geklagt - und verlor nun am Dienstag auch in zweiter Instanz.

"Die falschen Prioritäten gesetzt"

Denn der spontane Urlaub ohne Genehmigung des Arbeitgebers rechtfertigt eine fristlose Kündigung, hat das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf entschieden (Aktenzeichen 8 Sa 87/18). Die Firma hatte der Mitarbeiterin noch am gleichen Abend mitgeteilt, ihre Anwesenheit sei "aus dringenden betrieblichen Gründen" erforderlich. Die Controllerin mailte zurück, sie befinde sich bereits seit einigen Tagen auf der spanischen Ferieninsel.

Damit habe die Mitarbeiterin "ernsthaft zu erkennen gegeben, dass sie an dem eigenmächtig genommenen Urlaub festhalte und nicht zur Arbeit kommen werde", stellten die Richter fest: "Damit hat sie die falschen Prioritäten gesetzt und ihre vertragliche Pflicht zur Arbeit beharrlich verletzt." Das reiche für eine fristlose Kündigung aus.

Insofern hatte die Mitarbeiterin zum Schluss sogar noch Glück: Vor dem Arbeitsgericht einigte sie sich am Dienstag mit ihrem früheren Arbeitgeber auf eine fristgerechte Kündigung und eine Abfindung in Höhe von 4000 Euro.

him/dpa

insgesamt 61 Beiträge
wally76 11.07.2018
1. Doofer Vater
Welcher Vater kommt denn auf so eine Idee? Mallorcareise ist ja ein schönes Geschenk zum Studienabschluss, aber bereits gebucht mit kurzfristigem Termin? Zumindest ergibt sich diese Interpretation aus dem Artikel. Dass die [...]
Welcher Vater kommt denn auf so eine Idee? Mallorcareise ist ja ein schönes Geschenk zum Studienabschluss, aber bereits gebucht mit kurzfristigem Termin? Zumindest ergibt sich diese Interpretation aus dem Artikel. Dass die Tochter dann auch noch ohne Freigabe fährt ist natürlich auch nicht so clever.
voiceoverip 11.07.2018
2. spontan?
mal unter uns: wer "spontan" ohne urlaubsantrag nach malle fliegt, der (oder die) nimmt die kündigung doch billigend in kauf. wer danach dann gegen die kündigung klagt hat irgendwas nicht kapiert...
mal unter uns: wer "spontan" ohne urlaubsantrag nach malle fliegt, der (oder die) nimmt die kündigung doch billigend in kauf. wer danach dann gegen die kündigung klagt hat irgendwas nicht kapiert...
touri 11.07.2018
3.
Sehe ich auch so. Da hat sich die Angestellte höchst dämlich verhalten. Und da sie (wie ich) Controlling studiert hat und da mit Sicherheit auch eine Vorlesung mit dem Thema "Arbeitsrecht" mit dabei war, hätte sie [...]
Zitat von wally76Welcher Vater kommt denn auf so eine Idee? Mallorcareise ist ja ein schönes Geschenk zum Studienabschluss, aber bereits gebucht mit kurzfristigem Termin? Zumindest ergibt sich diese Interpretation aus dem Artikel. Dass die Tochter dann auch noch ohne Freigabe fährt ist natürlich auch nicht so clever.
Sehe ich auch so. Da hat sich die Angestellte höchst dämlich verhalten. Und da sie (wie ich) Controlling studiert hat und da mit Sicherheit auch eine Vorlesung mit dem Thema "Arbeitsrecht" mit dabei war, hätte sie die Konsequenz aus ihrem handeln eigentlich sehen müssen. Ehrlich gesagt in so einem glasklaren Fall hätte ich mich als AG auch nicht auf eine Abfindung eingelassen. Über eine fristgerechte Kündigung hätte ich allerdings auch noch mit mir reden lassen, dann aber vor dem Prozess und unter 4 Augen.
dergrosseonkel 11.07.2018
4. Gute Idee
Eigentlich hat sie alles richtig gemacht. Studium abgeschlossen, neuer Job womöglich in Reichweite, denn wir haben Fachkräftemangel, ein toller Urlaub vom Papi und noch 4 Mille Urlaubsgeld. Gute Sache!
Eigentlich hat sie alles richtig gemacht. Studium abgeschlossen, neuer Job womöglich in Reichweite, denn wir haben Fachkräftemangel, ein toller Urlaub vom Papi und noch 4 Mille Urlaubsgeld. Gute Sache!
biber555 11.07.2018
5. Wieso Abfindung?
Das ist mehr als dreist, einfach von der Arbeit wegbleiben und dann noch gegen die gerechtfertigte Kündigung klagen....wieso diese Person eine Abfindung bekommen hat ist mir vollkommen unklar.
Das ist mehr als dreist, einfach von der Arbeit wegbleiben und dann noch gegen die gerechtfertigte Kündigung klagen....wieso diese Person eine Abfindung bekommen hat ist mir vollkommen unklar.

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Grundsätzlich ist die Frage nach einer Schwangerschaft im Bewerbungsgespräch unzulässig. Wird trotzdem gefragt, darf gelogen werden. Der Chef darf also nicht kündigen, wenn die Arbeitnehmerin bei Vertragsunterzeichnung bereits schwanger war und das auch wusste. Einzige Ausnahme: Es geht um die Besetzung eines Arbeitsplatzes, an dem Schwangere nicht eingesetzt werden dürfen, etwa wenn geröntgt wird.

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