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16.02.2013
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Style-Psychologin

Zieh dich aus und finde dich selbst

DPA

Style-Psychologin Kate Nightingale: Will mit Stilberatung die Selbstfindung fördern

Kleiderschrank plus Psychologie - für Kate Nightingale ist das eine Geschäftsidee. Sie bietet Stilberatungen an, in denen die Kundschaft dank Klamotten zu sich selbst finden soll. Wie das auf die Außenwelt wirkt, ist dabei zweitrangig.

Zu ihrer ersten Sitzung bringen ihre Kunden Bilder von Kleidungsstücken mit, die ihnen gefallen, die sie sich aber nicht trauen, anzuziehen. Schritt für Schritt übt Kate Nightingale mit ihnen, sich so anzuziehen, wie sie es wirklich wollen. Ihr Versprechen: Am Ende strahlen sie mehr Selbstbewusstsein aus, mehr Kreativität, mehr Weiblichkeit oder mehr Eigenwilligkeit. Ihrer Theorie zufolge ändert sich durch Klamotten auch das Befinden - ihre Klienten werden selbstbewusster, besinnen sich auf ihre persönlichen Stärken, lernen sich besser kennen.

Nightingale bezeichnet sich selbst als Style-Psychologin und arbeitet in London. Sie interessiert sich für Mode, studierte Psychologie und machte daraus eine einträgliche Geschäftsidee: Zur Stilberatung gibt es gleich noch psychologische Betreuung dazu. Die bezahlt der Kunde praktischerweise mit. Denn von Stilberatern, die nur die Ausstrahlung auf andere im Kopf haben, will sie sich entschieden abgrenzen: Sie nutzt die Wirkung von Kleidung, um die Selbstfindung ihrer Kunden zu fördern.

"Es geht nicht einfach darum, gut auszusehen", erklärt Nightingale. "Wie man sich anzieht, das beeinflusst die eigenen Emotionen, das Selbstbewusstsein, und sogar die kognitive Wahrnehmung." Als Psychologin hat sich Nightingale mit non-verbaler Kommunikation auseinandergesetzt. Zwar gibt sie zu, dass die meisten Stilberater sich solche Erkenntnisse zunutze machen. Mit denen will sie aber keinesfalls in einen Topf geworfen werden. "Ich benutze wissenschaftliche Beweise, und kein angesammeltes Wissen", betont sie.

Und wie geht sie vor, wenn sie den Kunden auf dem Weg zu sich selbst hilft? "Ich lese die Zeichen hinter dem, was die Kunden mir in unseren Gesprächen erzählen. Welche Probleme sie in ihrem Leben haben, was sie verstecken, was sie wirklich wollen, all das erfrage ich." Darauf baut sie ihre Beratung auf, die sich je nach Wunsch der Kunden über Monate hinziehen kann. Sobald sie feststellt, dass ernsthaftere Sorgen da sind - etwa Essstörungen oder schwere Selbstwert-Probleme - empfiehlt sie eine therapeutische Behandlung.

Eine alte Idee in neuem Gewand

Doch die meisten Kunden kommen am Anfang mit dem falschen Ziel zu ihr, nämlich ihre Wirkung auf andere und nach außen zu verbessern. Im Falle von Frauen geht es oft um einen neuen Job, bei Männern um die Suche nach einer Partnerin. "Egal, ob man das nun gut findet oder nicht, Menschen werden danach beurteilt, was sie anhaben", sagt Nightingale. "So funktioniert nun mal das Gehirn." Der erste Eindruck, den man von einem Menschen hat, bilde sich in gerade einmal drei Sekunden.

Nightingale geht es darum, was dieser Mechanismus für das Innenleben des Bekleideten bedeutet. Wie würde ich gern aussehen und wirken, welche Formen, Farben und Schnitte wirken wie auf mich? Und was sagt das darüber aus, wer ich bin, welche psychologischen Problemstellen ich habe und wo ich innerlich noch an mir arbeiten, meine Potentiale entfalten kann? Ihr Anfangspunkt sind daher auch nicht Augenfarbe, Körperform oder Hauttyp der Person, sondern geheime Lieblingsstücke, die im Schrank verstauben.

Dass sie eine alte Idee als ganz neuen Ansatz verkauft, muss mitbezahlt werden. Ein komplettes, eintägiges "Makeover" inklusive Haar- und Schminkberatung kostet um die 700 Pfund (863 Euro). Nicht jeder allerdings braucht eine Rundumberatung, manchmal tut es auch ein kleiner Anstoß. Eine Kundin erzählt, dass sie nach der Beratung ihren eigenen Kleiderschrank mit neuen Augen sah. "Ich ziehe mich jetzt besser an, mit Kleidern, die ich schon hatte."

Autorin Harriet Walker von der Zeitung "The Independent" findet, sie wusste durchaus schon, wer sie war - nämlich eine lockere, lustige Person. Ihre Erkenntnis: "Ich sende irgendwie die falsche Nachricht aus, wenn ich immer nur schwarz trage."

Britta Gürke/dpa/mia

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. ja, wir sind augenmenschen
ServicePackXXL 16.02.2013
genau das dachte ich schon so manches mal beim anblick bestimmter grazien im fitness studio: immer dieses trostlose schwarze outfit und dazu der passende traurige blick... . ;-)
Zitat von sysop"Ich sende irgendwie die falsche Nachricht aus, wenn ich immer nur schwarz trage."
genau das dachte ich schon so manches mal beim anblick bestimmter grazien im fitness studio: immer dieses trostlose schwarze outfit und dazu der passende traurige blick... . ;-)
2.
webman 16.02.2013
....alter wein in neuem schlauch .....:)
Zitat von sysopKleiderschrank plus Psychologie - für Kate Nightingale ist das eine Geschäftsidee. Sie bietet Stilberatungen an, in denen die Kundschaft dank Klamotten zu sich selbst finden soll. Wie das auf die Außenwelt wirkt, ist dabei zweitrangig. Style-Psychologin rät zu Kleidung, die gefällt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/ausland/style-psychologin-raet-zu-kleidung-die-gefaellt-a-883705.html)
....alter wein in neuem schlauch .....:)
3. optional
boer640 16.02.2013
schwarz macht schlank. der traurige blick kommt nach dem gang auf die waage. mit was manche leute ihr geld machen...
schwarz macht schlank. der traurige blick kommt nach dem gang auf die waage. mit was manche leute ihr geld machen...
4. erstaunlich, daß der Artikel geschlechtsneutral gehalten ist
MtSchiara 16.02.2013
Erstaunlich ist, daß der Artikel geschlechtsneutral gehalten ist. Leben doch Männer und Frauen bezüglich Mode in sehr unterschiedlichen Welten und gelten hier doch sehr unterschiedliche Regeln. Frauen genießen bei Mode [...]
Erstaunlich ist, daß der Artikel geschlechtsneutral gehalten ist. Leben doch Männer und Frauen bezüglich Mode in sehr unterschiedlichen Welten und gelten hier doch sehr unterschiedliche Regeln. Frauen genießen bei Mode sozusagen Narrenfreiheit, wohingegen bei Männern Mode gesellschaftlich streng reglementiert ist. 80 Prozent der entwickelten Mode, der Farben, Formen und Stoffe - also die für Frauen entwickelten Mode - ist für Männer tabu. Darüber hinaus werden Männer am Arbeitsplatz und bei öffentlichen Veranstaltungen in langweilige und unpraktische Anzugsuniformen mit Krawatte gezwungen. Insbesondere vor diesem Hintergrund überrascht schon die Aussage aus dem Titel: Denn für Frauen ist dies eine Selbstverständlichkeit, für Männer hingegen nur zum Preis gesellschaftlicher Ächtung zu realisieren. Für Frauen geht es hier also nur um die Überwindung innerer Blockaden oder Denkgewohnheiten, für Männer hingegen um die Überwindung gesellschaftlicher Normen, was ein ganz anderes Thema ist.
5. Schon mal eine Frau kennengelernt ?
albert schulz 16.02.2013
Seit wann ändern Frauen ihre Überzeugungen oder Denkgewohnheiten ? Machen wir mal wieder auf Kindergeburtstag ?
Zitat von MtSchiaraFür Frauen geht es hier also nur um die Überwindung innerer Blockaden oder Denkgewohnheiten, ...
Seit wann ändern Frauen ihre Überzeugungen oder Denkgewohnheiten ? Machen wir mal wieder auf Kindergeburtstag ?

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