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19.02.2012
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Pils-Verkostung

Ein Bier zum Arbeitsbeginn ist Pflicht

dapd

Na denn Prost: Schon um halb neun trinkt Jörg Hormes das erste Pils. Streng beruflich. Ohne seine Freigabe verlässt keine Flasche die Brauerei. Für 20 Minuten schauen die Tester morgens tief ins Glas und kosten. Ausspucken ist tabu - immerhin ist das Bier, kein Wein.

Jörg Hormes und Udo Schiedermair treffen sich jeden Morgen um 8.30 Uhr zum Biertrinken. Mit einem großen Schluck im Mund bewerten sie dann die Vollmundigkeit und die Rezenz, also den Kohlensäuregehalt, des Pilsners. Ausspucken, wie bei Weinverkostungen üblich, dürfen sie ihr Bier nicht: Nur beim Schlucken kann die Qualität der sogenannten Hopfenbittere, des bitteren Geschmacks, beurteilt werden.

Bierverkoster gehört für die beiden Mitarbeiter der Radeberger Exportbierbrauerei zu ihrem Job. Ein richtiger Beruf ist es nicht, sondern eine Fortbildung: Die Angestellten lernen in wochenlangen Schulungen, wie man Geschmacksfehler oder unterschiedliche Konzentrationen erkennt.

"Die Verkostung ist wichtig, um die Qualität und die Kontinuität des typischen Geschmacks unseres Pilsners sicherzustellen", sagt Hormes. Wenn er nicht gerade Bier verkostet, leitet er die Qualitätssicherung und Abfüllung der Brauerei in Radeberg. Schiedermair ist Erster Braumeister und Produktionsleiter.

Trinken für die Freigabe

In den vier großen Abfüllanlagen der Firma werden jedes Jahr mehrere 100 Millionen Flaschen und jede Menge Fässer für die Gastronomie gefüllt. Zur Verkostung kommen jeden Morgen mindestens sechs, maximal 18 Tester, die sonst in der Verwaltung, Produktion, Logistik oder Betriebskontrolle der Brauerei arbeiten.

Bei der täglichen "Freigabeverkostung" trinken sie Proben aus bereits abgefüllten, etikettierten Flaschen und aus den 500 bis 1800 Hektoliter fassenden Drucktanks, die zur Abfüllung vorgesehen sind. Zwischen der frischen und der noch abzufüllenden Probe darf es keine Qualitätsabweichung geben. Erst wenn alle Bier-Experten einverstanden sind, werden Flaschen und Tanks freigegeben.

Solche Verkostungen sind nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes in allen deutschen Brauereien üblich - je nach Menge des abzufüllenden Bieres bis zu zweimal täglich. Der Brauer-Bund hat dazu keinerlei Vorgaben. Bindend sind allein die Regeln aus dem Reinheitsgebot von 1516, wonach nur vier Zutaten zur Herstellung eines deutschen Bieres gestattet sind: Malz, Hopfen, Wasser und Hefe.

Schaum beeinträchtigt das Aroma

Etwa 20 Minuten dauert das tägliche Prozedere. "Wir schaffen immer die gleichen Bedingungen, um uns voll auf den Geschmack und die Aromen des Bieres konzentrieren zu können", so Hormes. Das zu verkostende Bier ist etwa 15 bis 18 Grad Celsius warm und wird schaumfrei eingeschänkt. Denn der Schaum mindert das Aroma, der Eindruck des Testers vom Bier wäre beeinträchtigt.

Der Testraum hat etwa 20 Grad Raumtemperatur und ist mit konstantem Neonlicht ausgeleuchtet. Untersagt ist den Mitarbeitern, vorab Lebensmittel zu essen, die den Biergeschmack verändern könnten, etwa Kaugummis oder Bonbons. Betrunken wird während der Verkostung aber niemand, denn mehr als einen viertel Liter Pilsner trinkt keiner der Experten.

Sigrid Rehak, dapd/vet

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insgesamt 34 Beiträge
1. Reinheitsgebot
chupamela 19.02.2012
Natürlich gibt es noch viele ander Vorgaben, nach denen in Deutschland Bier gebraut werden muss, die in keinem Zusammenhang mit dem Reinheitsgebot von 1516 stehen. So darf man seltsamerweise nur Gerstenmalz untergärig [...]
Zitat von sysopdapdNa denn Prost: Schon um halb neun trinkt Jörg Hormes das erste Pils. Streng beruflich. Ohne seine Freigabe verlässt keine Flasche die Brauerei. Für 20 Minuten schauen die Tester morgens tief ins Glas und kosten. Ausspucken ist tabu - immerhin ist das Bier, kein Wein. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,815697,00.html
Natürlich gibt es noch viele ander Vorgaben, nach denen in Deutschland Bier gebraut werden muss, die in keinem Zusammenhang mit dem Reinheitsgebot von 1516 stehen. So darf man seltsamerweise nur Gerstenmalz untergärig verbrauen, wer Weizenmalz untergärig verbraut zahlt skurilerweise eine Strafe. In obergärigen Bieren sind Süßstoff und Zucker zugelassen, außerdem so leckere Klärungsmittel wie Polyvinylpolypyrrolidone, welches nicht 100%ig entfernt werden kann. Unvermälztes Getreide wie im Stout sind verboten, obwohl 1516 lediglich von Gerste die Rede war, aber nicht von Gerstenmalz. Weizen als Rohstoff wurde 1516 komplett verboten, da er zu wichtig für die Ernährung war, das hindert aber die Weizenbierbrauereien nicht daran auf ihre Flaschen zu schreiben, dass sie das Bier streng nach dem Reinheitsgebot von 1516 brauen, was ein glatte Lüge ist. Genau so ist es eine Lüge, dass bei uns Bier nach dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt gebraut werden muss, es gilt nämlich das vorläufige Biergesetz von 1993, das hört sich halt nicht so gut an. Alles insgesamt ein volksverblödender Marketinggag und wir sind ja in unserer nationalen Hybris so stolz auf unser tolles Bier, dass uns die Amerikaner mittlerweile in Grund und Boden brauen: BZO - Willkommen im Bildungszentrum Oberjosbach (http://www.bzo.de/data_de/presse/artikel/110429.php) Insgesamt ist es sehr schwierig, sich mit einem deutschen Bierkonsumenten über Bier zu unterhalten, kennt er doch normalerweise nur Pils, Helles und Weizen, was einen sehr kleinen Bruchteil all der genialen Bierstile auf der Welt darstellt (India Pale Ale, Kriek, Porter, Imperial Stout, Wit, Cascadian Dark Ale usw). Die sind bei uns dank Vielfaltsverbot allerdings so gut wie nicht erhältlich. Trotzdem denken wir immer noch, dass wir das beste Bier der Welt brauen und merken nicht, welch sensationelle Entwickling in Dänemark, Italien USA, Holland und sonst noch überall auf der Welt in Sachen Bier am laufen sind. Mit viel Glück kennt man hier den Unterschied zwischen obergärig und untergärig, eigentlich traurig, wie wenig die Konsumenten hier über ihr Lieblingsgetränk wissen.
2.
Stäffelesrutscher 19.02.2012
Dieser Satz bedeutet: Er probiert jede einzelne Flasche und gibt jede Flasche einzeln frei. Prost!
Zitat von sysopdapdNa denn Prost: Schon um halb neun trinkt Jörg Hormes das erste Pils. Streng beruflich. Ohne seine Freigabe verlässt keine Flasche die Brauerei. Für 20 Minuten schauen die Tester morgens tief ins Glas und kosten. Ausspucken ist tabu - immerhin ist das Bier, kein Wein. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,815697,00.html
Dieser Satz bedeutet: Er probiert jede einzelne Flasche und gibt jede Flasche einzeln frei. Prost!
3. .
TS_Alien 19.02.2012
Und genau deswegen ist in der Flasche das Bier nicht bis zum Kronkorken gefüllt.
Zitat von StäffelesrutscherDieser Satz bedeutet: Er probiert jede einzelne Flasche und gibt jede Flasche einzeln frei. Prost!
Und genau deswegen ist in der Flasche das Bier nicht bis zum Kronkorken gefüllt.
4. IF (Bier o.k.) THEN (Freigabe) ELSE (?)
Was bedeutet das alles? 19.02.2012
Die Berichterstatterin war so fasziniert von dem Umstand, daß an bestimmten Arbeitsplätzen Bier getrunken wird, daß sie darüber die Konsequenzen vergaß mitzuteilen. Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis [...]
Die Berichterstatterin war so fasziniert von dem Umstand, daß an bestimmten Arbeitsplätzen Bier getrunken wird, daß sie darüber die Konsequenzen vergaß mitzuteilen. Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind? Kann nachgebessert werden? Oder läßt man die ganze Charge hektoliterweise in den Gully laufen?
5.
chupamela 19.02.2012
Eine Brauerei, die was auf sich hält, kippt das Bier tatsächlich in den Gulli. Ich kenne eine bayrische Weißbierbrauerei, die hat extra eine Maschine um die Flaschen zu Öffnen, damit man den Inhalt wegkippen kann (beim [...]
Zitat von Was bedeutet das alles?Die Berichterstatterin war so fasziniert von dem Umstand, daß an bestimmten Arbeitsplätzen Bier getrunken wird, daß sie darüber die Konsequenzen vergaß mitzuteilen. Was passiert denn, wenn die Tester einmal mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind? Kann nachgebessert werden? Oder läßt man die ganze Charge hektoliterweise in den Gully laufen?
Eine Brauerei, die was auf sich hält, kippt das Bier tatsächlich in den Gulli. Ich kenne eine bayrische Weißbierbrauerei, die hat extra eine Maschine um die Flaschen zu Öffnen, damit man den Inhalt wegkippen kann (beim Hefeweizen mit Flaschengärung kann man das Ergebnis erst testen, nachdem abgefüllt wurde). Man kann den Fehlsud natürlich auch mit anderen verschneiden bis es wieder passt, je nach dem, was schief gelaufen ist. Bei einer Infektion muss das Zeug aber auf jeden Fall in den Gulli.

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