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24.02.2012
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Büro-Knigge

Was den Chef in Rage bringt

Corbis

Auch im kleinsten Fettnapf ist noch Platz: Gerade im Umgang mit dem Chef kann Unbedacht katastrophale Folgen haben. Wer den Vorgesetzten vor Kollegen bloßstellt oder penetrant schleimt, manövriert sich ins Abseits. Ein paar Regeln bewahren vor dem Schlimmsten.

Ein Mitarbeiter geht gut gelaunt ins Büro seines Chefs. Um sich anzubiedern, lässt er eine Zote fallen über das Blondchen, das gerade den Raum verlässt. Sein Pech: Das war die Frau vom Chef.

Es kann böse Folgen haben, in so ein Fettnäpfchen zu treten. Wer es sich mit dem Boss verscherzt, hat schnell wenig zu lachen. Die gröbsten Fehler im Umgang mit dem Chef im Überblick.

Über den Chef lästert jeder mal. Dabei darf man sich nur nicht dämlich anstellen. Als Slapstick-Varianten zur Auswahl: Der Verspottete steht direkt hinter dem Lästerer. Oder er bekommt eine Kopie einer bissigen E-Mail. Oder er kann diverse Boshaftigkeiten gleich bei Facebook mitlesen. Vor allem die beiden digitalen Varianten sind gefährlich, denn sie produzieren Beweisstücke, die leicht einer Kündigung beigelegt werden können.

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Der Chef hat keine Ahnung vom Thema? Ob Sie's glauben oder nicht: Muss er auch nicht. "Dem Chef muss man zugestehen, dass zehn Prozent von dem, was er macht, Mist ist", sagt Claudia Enkelmann, Karriereberaterin aus Königstein im Taunus. Denn um seine Defizite auszubügeln, hat er ja seine Mitarbeiter.

Die sollten sich aber besser nicht in großer Runde wie Schweinchen Schlau aufführen. Denn der Boss fühlt sich natürlich blamiert, wenn ein Besserwisser ihn vor versammelter Mannschaft als Trottel dastehen lässt. Ihn auflaufen zu lassen und bloßzustellen, ist keine gute Idee.

Der Chef hat also immer Recht? Selbst, wenn er den letzten Unsinn erzählt? Das nicht - Kritik muss aber richtig serviert werden. "Das ist wie bei bitterer Medizin: immer auf einem Stückchen Zucker", sagt Karriereberater Jürgen Hesse aus Berlin. Statt einen Vorschlag vom Chef einfach abzubügeln, gehen Mitarbeiter besser erst einmal darauf ein, indem sie etwa sagen: "Ich kümmere mich darum und gebe Ihnen Bescheid."

Hinterher können sie dem Chef immer noch unter vier Augen erklären, warum der Vorschlag keine gute Idee ist. Und zur Not lässt sich das Ganze dann noch auf andere abschieben - etwa so: "Das ist eine interessante Idee, da wäre der Herr Müller am besten für geeignet."

Weicheier mag kein Chef. Es kommt daher nie gut an, wenn Angestellte ihm mit ihren Problemen die Ohren vollheulen. "Der Chef will keine Mitarbeiter, die anstrengend sind", sagt Hesse. "Er will wissen: Was ist Ihre Lösung?"

Daher kann es nach hinten losgehen, wenn Beschäftigte gestresst auf die Aktenberge auf ihrem Tisch zeigen und über die vielen Schwierigkeiten bei einem Projekt stöhnen. Dabei wollen manche damit nur zeigen, wie viel sie leisten und wie wichtig sie sind. Auf den Vorgesetzten wirken sie dann aber schnell überfordert. "Er denkt dann: Der packt das nicht", erklärt Svenja Hofert, Karrierecoach aus Hamburg.

Der Kunde ist König? Schön für ihn, aber der Chef ist halt... der Chef. Wenn er Hilfe beim Erstellen einer wichtigen Präsentation braucht und PC-Probleme hat, ist das wichtiger als eine Kundenanfrage, sagt Claudia Enkelmann. "Dann sagt man besser nicht: 'Kommen Sie damit mal, wenn ich hier mit meiner Arbeit fertig bin.'" Pflichtbewusste Mitarbeiter machen das leicht falsch und denken, dass es reicht, seine Arbeit gut zu machen. Sie sind dann die Dummen.

"Die alltägliche Aktenarbeit fällt nicht auf", erklärt Hofert. Dem Chef aus der Patsche zu helfen, macht dagegen schwer Eindruck. "Wenn man ihn stattdessen warten lässt, nimmt er es am Ende sogar persönlich und denkt sich: Jetzt geb' ich dem mal eine Gelegenheit, und der Kerl lässt mich im Stich", sagt Enkelmann.

Man muss dem Chef nicht alles gleich auf die Nase binden - zum Beispiel, dass man sich gerade anderswo bewirbt. Während den meisten klar sein dürfte, dass so etwas das Vertrauen des Vorgesetzten untergräbt, ist manch einer aber zu sorglos gegenüber den Kollegen. Deshalb sollte man sorgfältig abwägen, mit wem man über die eigenen Wechselgelüste spricht: Plaudert der auch wirklich nichts aus?

Ähnlich schlau ist es, wenn Mitarbeiter offen ihre Unlust oder Unwissenheit zur Schau stellen. Erzählt die Sekretärin etwa freimütig, dass sie die Telefonanlage nicht versteht und die ganzen Kundenanrufe eh nerven, mag mancher Kollege verständnisvoll nicken. Der Vorgesetzte dürfte eher hellhörig werden, wenn diese Dinge nun mal zum Job der Sekretärin gehören. "Da muss ich als Chef drauf reagieren", erklärt Hesse. Schlimmstenfalls heißt das, dass er sich eine neue Sekretärin sucht.

Ja, der geborene Chef ist ein Narzisst und kann gar nicht genug Lob bekommen. Sagen Mitarbeiter so etwas wie "Klasse, wie Sie das beim Vorstand durchgeboxt haben", fühle sich mancher Abteilungsleiter daher tatsächlich geschmeichelt, erklärt Hofert. Versucht jemand aber ständig, dem Chef nach dem Mund zu reden, wirke das schnell aufgesetzt und unsicher. Denn bei aller Vorsicht gilt: "Es kommt fast immer besser an, wenn Mitarbeiter authentisch bleiben."

dpa/mamk

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