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25.02.2012
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Deutschlands höchster Chirurg

Der Instant-Gipser und Einrenker

DPA

Bei Skiunfällen auf dem Feldberg ist der Schwarzwald-Arzt nah: Roland Just arbeitet direkt an der Piste, auf 1300 Metern Höhe. In der höchstgelegenen deutschen Chirurgenpraxis gipst er Beine, renkt ausgekugelte Schultern ein, näht Schnittwunden. Ausspannen kann Just auch mal. Im Sommer.

Roland Just, 49, fährt vor der Arbeit häufig ein Stündchen Ski. Vom Lift bis zum Arbeitsplatz sind es nur wenige Meter: Seine Praxis liegt mitten im Skigebiet, in 1300 Metern Höhe auf dem Feldberg im Südschwarzwald. Es ist die höchstgelegene chirurgische Praxis in Deutschland - und die erste Anlaufstelle für verletzte Wintersportler.

Just röntgt verdrehte Beine, schient gebrochene Finger oder renkt ausgekugelte Gelenke wieder ein. An Spitzentagen versorgt er bis zu 30 Unfallopfer. Zeit für eine Kaffeepause hat der Chirurg nicht. Ein Krankenwagen fährt vor, direkt dahinter ein Motorschlitten der Bergwacht. Auf der Trage liegt ein sechs Jahre altes Mädchen aus der Schweiz. Sie hat sich beim Skifahren das Schienbein gebrochen, Just gipst es sogleich ein.

Danach geht es im Eiltempo ins Zimmer nebenan zum nächsten Patienten. Es ist ein Medizinstudent, der auf der Piste gestürzt ist und sich dabei eine Risswunde zugezogen hat. Im Wartezimmer sitzt schon der nächste Patient: ein junger Niederländer, der auf einer Rampe für Snowboarder verunglückt ist.

Im Winter gilt die Sieben-Tage-Woche

"Viele Wintersportler überschätzen sich", sagt Just. Das Skifahren werde immer schneller und riskanter, das führe zu schwereren Verletzungen, und oft fehle die Sicherheitsausrüstung. Am häufigsten hat es der Mediziner mit typischen Wintersportverletzungen zu tun: gebrochene Handgelenke, verdrehte Kniegelenke, angeknackste Schlüsselbeine.

Die Bergwacht ist froh, einen Spezialisten direkt an der Piste zu haben. Den Patienten erspart das Wartezeiten und die lange Fahrt ins Krankenhaus. "Bei einer ausgekugelten Schulter ist die erste Stunde nach dem Unfall entscheidend", sagt Roland Just. "Kommt es in dieser Zeit nicht zu einer ärztlichen Behandlung, drohen Folgeschäden." Wird das Gelenk rasch wieder richtig eingerenkt, ist der Patient geheilt und bald schmerzfrei. In Ärztekreisen werden Chirurgen auch gerne "Einrenker" genannt.

In den vergangenen zwei Monaten hat Just knapp 450 verunglückte Wintersportler versorgt. In der Skisaison ist er jeden Tag in der Praxis, auch am Wochenende. "Angst vor dem Winter darf man hier oben keine haben", sagt er. Vor dem Behandlungszimmer türmt sich der Schnee, das Fenster ist eingeschneit.

Just kommt aus Saarbrücken, die kleine Praxis hat er vor eineinhalb Jahren übernommen. Vor ihm leitete ein Allgemeinmediziner die Station. Die Praxis ist das ganze Jahr über geöffnet. Im Sommer geht es aber ruhiger zu, dann kommen vor allem Einwohner des Ortes Feldberg und der umliegenden Gemeinden zu ihm.

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Jürgen Ruf, dpa/vet

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
1. Achja???
madicus 28.02.2012
Woher haben Sie nur diesen Schwachsinn?
Zitat von sysopIn Ärztekreisen werden Chirurgen auch gerne "Einrenker" genannt. A
Woher haben Sie nur diesen Schwachsinn?

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