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04.08.2012
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Berliner Zivilfahnder

"Sondereinheit Tasche" ermittelt

DPA

Sie schleichen sich an, unsichtbar, lautlos - Zivilfahnder der Berliner Polizei spähen Taschendiebe aus, lernen deren Tricks und ertappen sie auf frischer Tat. Manchmal reicht schon ein Blick der Fahnder, und die Diebe suchen das Weite.

Für Ingo Przeradzki, Zivilfahnder, gehört der Argwohn zum Beruf. Er schaut über den Bussteig am Bahnhof Zoo in Berlin; sieht die Menschen an, wie sie zur Arbeit fahren, zum Einkaufen, zum Essen, da steht eine Gruppe Touristen. Er sagt: "Manche Menschen laufen so arglos durch die Stadt, dass ihr Verhalten schon fast als Einladung zu verstehen ist."

Przeradzki, 54, führt eine Sondereinheit des Berliner Landeskriminalamts - kurz LKA 711. Jeden Tag versuchen er und die anderen 18 Fahnder in der ganzen Stadt Taschendiebe zu fangen. An einem Platz wie dem Bahnhof Zoo ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Przeradzki irgendwann, nach ein paar Minuten des Wartens und Beobachtens, einen entdeckt.

Tausende Menschen strömen hier aus der U-Bahn hoch zur Straße, gehen auf den Kurfürstendamm zu den Kaufhäusern, warten auf einen Bus, wechseln zur S-Bahn und zur Fernbahn. Manche schlendern, trödeln, andere sind in Eile. "Das Gedränge, die fragenden Gesichter: Der Ort hat magnetische Wirkung auf Taschendiebe", sagt Przeradzki.

Kunstvolle Langfinger? Gibt's nicht mehr

Sie gehen häufig die Treppen hinauf und hinab, verfolgen besonders Menschen, die Rucksäcke tragen - denn bei denen sei das Ziel auf der Treppe schon auf Augenhöhe und sie müssten nur noch zugreifen: "Rucksäcke sind Fremdkörper. Keiner merkt irgendetwas. Und wenn dann Geld und Handy noch im Außenfach verstaut sind ..."

Die Ermittlungsgruppe der Berliner Polizei gegen Taschendiebstahl wurde 2005 gegründet, damals als "EG Tasche". Die Zahl der Taschendiebstähle war in den Jahren zuvor in Berlin stark angestiegen. Seitdem haben Przeradzki und seine Kollegen Hunderte von Dieben geschnappt.

FOTOSTRECKE

Phantombilder zeichnen: Der war's! War er's?
Mittlerweile kenne man den einen oder anderen, so Przeradzki: "Man braucht einen guten Blick für Leute", sagt er - um etwas nicht nur zu sehen, sondern zu erkennen, wenn man am Eingang des Bahnhof Zoo steht und den Blick über den Platz schweifen lässt. Manchmal reiche dann schon "ein Nicken und die wissen, dass wir sie im Auge haben."

Die Zeiten, in denen sich Taschendiebe kunstfertig das Portemonnaie aus der Innentasche ihres Opfers angelten, sind allerdings vorbei. Heute wird oft sehr körperlich gearbeitet: Einige Diebe schlitzen mit Messern Jackentaschen auf, andere nehmen ihre Opfer regelrecht in die Mangel. Schubs-Attacken und Bein stellen gehören auch zum Repertoire der Diebe.

Die Liebe Oma mit dem fiesem Trick

Im Büro der Sondereinheit kümmern sich weitere 20 Beamte um die Auswertung der Delikte: Wie sind die neuesten Tricks der Diebe, was haben Przeradzki und seine Kollegen auf der Straße beobachtet? Wo gehen sie verstärkt auf Raubzug? Sondereinheiten wie die Berliner Taschendiebjäger gibt es inzwischen auch in anderen Bundesländern.

Viele der Täter, die Przeradzki und seine Kollegen aufgreifen, stammen nicht aus Deutschland. Ihre Heimatländer sind Osteuropa, Nordafrika, Südamerika - fast die ganze Welt. In Berlin ist jeder vierte Taschendieb ein Deutscher, bundesweit jeder dritte.

Die Täter sind meistens arm oder leben in schwierigen sozialen Verhältnissen - manchmal wird auch psychischer Druck auf sie ausgeübt: Vor einigen Jahren, erzählt Przeradzki, hätte seine Gruppe in Berlin viele Kinder aus Roma-Familien beim Diebstahl erwischt. Die Fahnder fanden heraus, dass den Jungen und Mädchen zu Hause Schläge angedroht wurden, wenn sie am Tage zu wenig erbeuteten.

Doch auch flinke Senioren machen manchmal lange Finger: In Berlin-Neukölln war eine zeitlang eine 85jährige Frau aktiv, die als "liebe Oma" junge Mütter ansprach, in ein Gespräch verwickelte, über das Kind und die Welt - und am Ende ließ sie die Geldbörsen der Frauen mitgehen. Ein anderes Rentnerduo spazierte durch Supermärkte, fragte wahllos andere Kunden, welcher Preis da auf dem Schild stünde - man schaute gemeinsam nach - und der andere Rentner bediente sich währenddessen an der Tasche des Opfers.

Irgendwie war die Situation komisch

Besonders geschickt sei der Restaurant-Trick: Das Opfer hängt seine Jacke beim Ankommen im Restaurant über den Stuhl und nimmt Platz. Der Täter sieht die Jacke über der Lehne, setzt sich Rücken zu Rücken an den Nebentisch und hängt seine Jacke ebenfalls über seine Lehne, so dass die Jacken einander berühren. Dann greift der Dieb durch seine Jacke in die Jacke des Opfers. "Echte Profis", sagt Przeradzki, "holen dabei nur die Scheine aus dem Portemonnaie und stecken es wieder zurück".

Kann man sich gegen solche Taschendiebstähle denn überhaupt schützen? "Na klar", so Przeradzki: "Taschen schließen, Rucksack im Gedrängel vor der Brust tragen und Augen aufhalten. Hinterher denkt man immer: Irgendwie war die Situation doch komisch..."

Aber dann ist die Geldbörse schon weg.

Julian Mieth/dpa/maf

Forum

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insgesamt 26 Beiträge
1. kleine Fische
3of5 04.08.2012
Was es wohl für Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft hätte, diese 18 Beamten statt auf Taschendiebe auf Wirtschaftsverbrecher anzusetzen? Oder einige Probleme an der Wurzel, statt an den Symptomen kurieren zu wollen? Wir [...]
Was es wohl für Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft hätte, diese 18 Beamten statt auf Taschendiebe auf Wirtschaftsverbrecher anzusetzen? Oder einige Probleme an der Wurzel, statt an den Symptomen kurieren zu wollen? Wir werden es nie erfahren...
2. .
Bobby Shaftoe 04.08.2012
Was für eine aufregende Geschichte aus der Hauptstadt, die immer noch arm, aber sexy ist. Ist die Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Polizei immer noch so beschissen, dass sich selbst der Spiegel mit solchen Provinzgeschichten [...]
Was für eine aufregende Geschichte aus der Hauptstadt, die immer noch arm, aber sexy ist. Ist die Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Polizei immer noch so beschissen, dass sich selbst der Spiegel mit solchen Provinzgeschichten abspeisen lassen muss?
3. Endlich neue Jobs in Berlin!
herr minister 04.08.2012
Ein Bericht über Taschendiebe im Karriere-Spiegel? Vielleicht wird es Zeit, die Steuer- und Sozialgesetzgebung zu überdenken.
Ein Bericht über Taschendiebe im Karriere-Spiegel? Vielleicht wird es Zeit, die Steuer- und Sozialgesetzgebung zu überdenken.
4.
Seraphan 04.08.2012
Soso, unsichtbar,,, solch ein Artikel sollte dann doch eher unter Wissenschaft als unter Karrierespiegel laufen. Aber vielleicht hat der Autor auch nur einen Wettbewerb seiner Schulzeitung gewonnen; es liest sich auch eher [...]
Zitat von sysopSie schleichen sich an, unsichtbar, lautlos... Taschendiebe: Berliner Polizei ermittelt mit Sondereinheit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,848066,00.html)
Soso, unsichtbar,,, solch ein Artikel sollte dann doch eher unter Wissenschaft als unter Karrierespiegel laufen. Aber vielleicht hat der Autor auch nur einen Wettbewerb seiner Schulzeitung gewonnen; es liest sich auch eher wie ein Ausatz.
5. Musste das sein?
merkel123 04.08.2012
Warum wieder der Hinweis, dass ein Viertel der Ertappten Nichtdeutsche sind? Von SPON haette ich mehr po. corr. erwartet. Wenn die Zahl ueberhaupt stimmt, liegt es vielleicht daran, dass die Beamten gezielt Auslaender [...]
Warum wieder der Hinweis, dass ein Viertel der Ertappten Nichtdeutsche sind? Von SPON haette ich mehr po. corr. erwartet. Wenn die Zahl ueberhaupt stimmt, liegt es vielleicht daran, dass die Beamten gezielt Auslaender observieren? Gewissermassen als selbsterfuellende Prophezeiung...

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