09.08.2012
Talent-Irrtümer
Scheibenwischer? Wegwerfwindeln? Kein Bedarf!
Von Markus FlohrIm Herbst 1956 wollte Andy Warhol dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York eines seiner Bilder schenken: den "Shoe". Beim MoMA lehnte man dankend ab, nicht genug Platz, weder in der Galerie, noch im Lager. Herr Warhol solle sein Bild wieder abholen.
Heute wäre Warhols Schuh ein paar tausend Dollar wert - das Museum kaufte in den folgenden Jahrzehnten eine Reihe dem Schuh sehr ähnlicher Kunstwerke (auf denen auch Schuhe zu sehen sind) und heute erzählt die Presseabteilung des Museums diese Geschichte selbst gerne weiter.
Trotzdem bleibt am MoMA der kleine Makel hängen, dass Andy Warhol sein Bild zurückholen musste. Woran aber hätten sie sein besonderes Talent erkennen können, bevor es jeder kannte? Oder ist das alles bloß Zufall?
Der Lapsus-Moment
In der Karriere einer ganzen Zahl von berühmten Menschen - seien es Künstler, Unternehmer, Musiker, Sportler oder Politiker - findet sich ein solcher Lapsus-Moment. Oft war die Ablehnung, wie bei Warhol oder Oliver Kahn, auch ein besonderer Ansporn, der sie erst Recht an die Spitze trug.
Heute ist die Suche nach und die Einschätzung von Talenten eine eigene Profession geworden: Weltweit spüren Agenten jungen Sportlern, Musikern und Literaten nach - und in der Wirtschaft sondieren Headhunter den Markt. Ist die Zeit der Talent-Irrtümer deshalb vorbei?
Der KarriereSPIEGEL hat einige berühmte wie bodenlose Irrtümer des Talentmanagements gesammelt und einem berufsmäßigen Talentexperten vorgelegt: Headhunter Christoph Kleinen von der Personalberatungsfirma Korn/Ferry aus Frankfurt am Main. Er spürt Managertalente für Leitungspositionen auf und vermittelt sie in neue Jobs.
Was sagt der Headhunter dazu?
Kleinen fiel auf, dass bei den meisten Fehlentscheidungen zwei Dinge fehlten: Mut und Risikobereitschaft im richtigen Moment. Es gibt zwar heute Methoden, das Talent und den, der es fördert oder nachfragt, systematisch zusammenzubringen - Assessment-Center, langwierige Bewerbungsverfahren oder spezielle Software. Aber eines ist trotz allem nicht messbar: Spaß an dem, was man macht, Leidenschaft oder der berühmte kleine Götterfunken.
Am Ende nimmt dem Talentsucher niemand die Verantwortung ab: Erkennt er den besonderen Kandidaten - oder doch nicht?
Gewogen und zu leicht gefunden - hier geht es zu fünf bemerkenswerten Fehlleistungen bei der Talentsuche mit den Kommentaren von Headhunter Christoph Kleinen.
