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08.11.2012
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Arbeiter in Rage

"Ich hau dir vor die Fresse" - Job weg

Corbis

Böser Blick: Derbe Drohungen gegen den Chef können sich schnell rächen

Wer seine Arbeit behalten will, sollte dem Chef keine Prügel androhen. Und ihm auch nicht die Entlassung nahelegen, mit den Worten: "Wenn ich dann die Kündigung kriege, ist mir das egal." Nach seinem Ausraster wurde ein Straßenbauer gefeuert - zu Recht, entschieden Arbeitsrichter.

Wüste Drohungen am Arbeitsplatz können zur fristlosen Kündigung führen. Damit muss ein Arbeitnehmer rechnen, auch wenn er schon seit Jahrzehnten bei einem Betrieb beschäftigt ist. Denn kein Chef muss einfach hinnehmen, dass ihm ein Angestellter Prügel androht.

Das hat am Mittwoch das Arbeitsgericht Mönchengladbach im Fall eines Arbeiters entschieden, der sich mit seinem unmittelbaren Vorgesetzten überworfen hatte. Der Mann arbeitete seit 1987 im Bereich Straßenmanagement bei der Stadt Mönchengladbach und stritt mit dem Chef über Bodenbelagsarbeiten. Dabei sagte er, wie ein anderer Mitarbeiter bestätigte:

"Ich hau dir vor die Fresse, ich nehme es in Kauf, nach einer Schlägerei gekündigt zu werden. Der kriegt von mir eine Schönheitsoperation, wenn ich dann die Kündigung kriege, ist mir das egal."

Prompt bekam er im Juni dieses Jahres tatsächlich die Kündigung - und zwar fristlos. Egal war das dem Angestellten dann aber doch nicht, er ging vor das Arbeitsgericht. Begründung für seine Kündigungsschutzklage: Der Chef habe ihn zuvor massiv provoziert.

Das konnte der Mönchengladbacher Arbeiter vor Gericht aber nicht hinreichend beweisen. Die Richter wiesen seine Klage ab, denn der Mann habe seinen Vorgesetzten "in strafrechtlich relevanter Art und Weise bedroht". Zudem war es nicht der erste Fall, schon ein Jahr vorher hatte er wegen Bedrohung seines damaligen Chefs eine Abmahnung erhalten. Daher sei die fristlose Kündigung rechtswirksam (Aktenzeichen 6 Ca 1749/12).

Oft kommen Angestellte mit Abmahnungen davon

Bei derartigen Entgleisungen gerät stets der Job in Gefahr, vor allem wenn sie mit einer konkreten Gewaltandrohung verbunden sind. Über Beleidigungen in Unternehmen urteilen Arbeitsgerichte ständig - aber nicht jedes harte Wort im Streit legen sie gleich auf die Goldwaage. Überraschend häufig kommen Arbeitnehmer, wenn sie den Chef verbal hart angehen, mit einer Abmahnung davon. So war es etwa bei einem Angestellten, der seinen Boss als "Wichser" und die Firmenleitung als "Arschlöcher" beschimpft hatte; so war es auch beim Bereichsleiter eines Lebensmittel-Discounters nach seinem sarkastischen Spruch "Jawohl, mein Führer".

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Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt
Was für Richter in solchen Fällen zählt: Wie hat sich der Chef selbst verhalten, wie ist der Konflikt entstanden, lernt ein Arbeitnehmer daraus, oder kann sich so ein Vorfall wiederholen? Wichtig ist auch, wie lange jemand schon in einem Unternehmen beschäftigt ist, ob er sich zuvor tadellos verhalten hat und ob soziale Gründe gegen die Kündigung sprechen.

Wenn Arbeitsgerichte alle Umstände würdigen, entscheiden sie nicht selten recht milde und gestehen Arbeitnehmern eine zweite Chance zu oder halten zumindest eine fristgerechte Kündigung für angemessener als einen sofortigen Rausschmiss. Das zeigt auch eine Reihe von Urteilen zu Beleidigungen via Facebook - von "Speckrolle" über "Drecksau" bis zu "arme Pfanne"".

jol

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insgesamt 23 Beiträge
1. und umgekehrt?
eigene_meinung 08.11.2012
Wenn mich mein Chef beleidigt, kann ich mich allerdings nicht wehren. Die Firma wird ihn wahrscheinlich deswegen nicht abmahnen oder entlassen, und wenn ich den Chef wegen Beleidigung anzeige und verklage, entlässt mich die Firma [...]
Wenn mich mein Chef beleidigt, kann ich mich allerdings nicht wehren. Die Firma wird ihn wahrscheinlich deswegen nicht abmahnen oder entlassen, und wenn ich den Chef wegen Beleidigung anzeige und verklage, entlässt mich die Firma ebendeswegen.
2.
Ambermoon 08.11.2012
Das mag für Mittelständler und GF-Mitglieder gelten. Ein Abteilungsleiter in einer größeren Firma ist bei verbalen Entgleisungen schnell erledigt. Aber ab einer gewissen Gehaltsstufe kann man professionelles Verhalten auch [...]
Zitat von eigene_meinungWenn mich mein Chef beleidigt, kann ich mich allerdings nicht wehren. Die Firma wird ihn wahrscheinlich deswegen nicht abmahnen oder entlassen, und wenn ich den Chef wegen Beleidigung anzeige und verklage, entlässt mich die Firma ebendeswegen.
Das mag für Mittelständler und GF-Mitglieder gelten. Ein Abteilungsleiter in einer größeren Firma ist bei verbalen Entgleisungen schnell erledigt. Aber ab einer gewissen Gehaltsstufe kann man professionelles Verhalten auch voraussetzen.
3.
sponner_hoch2 08.11.2012
Es geht um Bedrohung, nicht um Beleidigung. Falscher Vergleich. Wenn sie bedroht wären (und der Bedroher nicht geht), können sie genau so reagieren, und das Arbeitsverhältnis fristlos kündigen. Ihnen kann [...]
Zitat von eigene_meinungWenn mich mein Chef beleidigt, kann ich mich allerdings nicht wehren. Die Firma wird ihn wahrscheinlich deswegen nicht abmahnen oder entlassen, und wenn ich den Chef wegen Beleidigung anzeige und verklage, entlässt mich die Firma ebendeswegen.
Es geht um Bedrohung, nicht um Beleidigung. Falscher Vergleich. Wenn sie bedroht wären (und der Bedroher nicht geht), können sie genau so reagieren, und das Arbeitsverhältnis fristlos kündigen. Ihnen kann natürlich genau so wenig zugemutet werden, mit dem Bedroher zusammen zu arbeiten. Wo ist also das Problem?
4. optional
chalchiuhtlicue 08.11.2012
Tja, lieber User "eigene_meinung", wenn sie damit unzufrieden sind, einfach selber Chef werden. ;)
Tja, lieber User "eigene_meinung", wenn sie damit unzufrieden sind, einfach selber Chef werden. ;)
5.
julius_sors 08.11.2012
Manche sind eben gleicher als gleich ;)
Zitat von eigene_meinungWenn mich mein Chef beleidigt, kann ich mich allerdings nicht wehren. Die Firma wird ihn wahrscheinlich deswegen nicht abmahnen oder entlassen, und wenn ich den Chef wegen Beleidigung anzeige und verklage, entlässt mich die Firma ebendeswegen.
Manche sind eben gleicher als gleich ;)

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