23.11.2012
Skurrile Mitarbeitersuche
Ein Job für Headbanger
KarriereSPIEGEL: Herr Butzkies-Schiemann, Sie wollen potentielle Mitarbeiter mit der Verlosung von Karten für das Heavy-Metal-Festival in Wacken ködern. Dort zelten die Leute drei Tage lang im Schlamm, duschen nicht, trinken schales Bier aus Plastikbechern und hören Bands, die "Endstille" oder "Grave Digger" heißen. Solche Mitarbeiter wollen Sie?
Butzkies-Schiemann: Heavy Metal und Schwermetall passen nicht nur als Wortspiel gut zusammen. Funkenregen und klirrende Hämmer - so wie da auf der Bühne sieht es auch bei uns in der Werkstatt aus. Außerdem mag ich die Musik selbst sehr gern und war auch schon zweimal in Wacken dabei, von unserer Firma in Krempe aus ist man in 20 Minuten da. Viele der Besucher haben durchaus Stil - einen anderen als die Menschen, die Volksmusik oder Pop hören, aber keinen schlechteren. Das ist ein ehrliches Ausleben in der Freizeit! Die meisten unserer Mitarbeiter nehmen sich jedes Jahr für das Festival frei.
KarriereSPIEGEL: Bei Ihnen laufen also alle mit langen Haaren und schwarzen Mänteln herum?
Butzkies-Schiemann: Lange Haare nicht, aber dunkle Farben herrschen schon vor. Metal-Fans sind kein Mainstream, das empfinde ich aber als positive Eigenschaft. Wir stellen schließlich auch keine beliebigen Länge-Breite-Höhe-Container auf die Wiese, sondern übernehmen individuelle Großprojekte, bei denen man mit Herzblut dabei sein muss. Ein Hochhaus kann jeder bauen, aber wenn ein Scheich will, dass sich sein 420-Meter-Turm mit der Sonnenrichtung dreht und in den Aufzug auch sein Bentley passt, dann ist das unser Projekt.
KarriereSPIEGEL: Gebaut haben Sie nicht nur die "Rotating Towers" in Dubai, sondern auch das HSV-Stadion, die Airbus-Halle in Hamburg-Finkenwerder und das Hamburger Musical-Theater für "Der König der Löwen". Brauchen Sie da so eine Marketingaktion?
Butzkies-Schiemann: Das ist ja das Verrückte. Selbst große Unternehmen wissen oft nicht, dass es uns hier auf dem platten Land gibt. Und seit etwa zwei Jahren funktioniert die herkömmliche Art der Bewerbersuche nicht mehr. Der Markt ist leergefegt. Die meisten Bauingenieure knüpfen schon während ihres Studiums die Kontakte zum Arbeitgeber, und wir haben hier im Norden nicht viele entsprechende Fakultäten. Wir bieten mittlerweile zwar auch ein duales Studium an, zusammen mit der Fachhochschule Lübeck, aber es dauert natürlich, bis man die Leute großgezogen hat. Die Lücke kriegen wir kaum gefüllt. Ich könnte von heute auf morgen drei Bauingenieure einstellen, aber bis wir mit Zeitungsannoncen und Headhuntern jemanden gefunden haben, vergehen im Schnitt acht Monate.
KarriereSPIEGEL: Und die Metal-Fans sollen es jetzt richten?
"Karohemd und Samenstau"
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KarriereSPIEGEL: Wenn Wacken vorbei ist, was machen die Metal-Fans dann bei Ihnen in Krempe, ganz tief in der norddeutschen Provinz?
Butzkies-Schiemann: Man kann hier sehr gut leben. Die Lebenshaltungskosten sind deutlich günstiger als in einer Metropole wie Hamburg, es gibt keine Parkplatzprobleme, in fünf Minuten ist man am Bahnhof - und in die Hamburger Innenstadt braucht man genauso lange wie von vielen Hamburger Stadtteilen aus.
KarriereSPIEGEL: Und die Musik kann man auch laut aufdrehen?
Butzkies-Schiemann: Absolut! Man hört ja auch den ganzen Tag die Maschinen von uns. Das stört niemanden. Die Kremper sind mit uns verwachsen, es arbeitet ja auch jeder zweite für uns. Und für Heavy-Metal-Fans ist das ohnehin Musik in den Ohren.


