28.11.2012
Journalismus-Einsteiger
Krise war immer
Von Kathrin Breer, Marian Schäfer und Marcel Berndt
Umbruch in der Tagespresse: Unsichere Zeiten für den Journalistennachwuchs
Die Medienbranche ist derzeit für schlechte Nachrichten gut: An diesem Mittwoch sollen die Kündigungen bei der Nachrichtenagentur dapd ausgesprochen werden, die "Financial Times Deutschland" erscheint nur noch siebenmal bis zu ihrer Schließung, und durch die Flure der "Frankfurter Rundschau" geistert der Insolvenzverwalter. Dennoch ist Journalist für viele noch immer ein Traumberuf, und zahlreiche Volontäre und Journalistenschüler stecken viel Zeit und Herzblut in ihre Medienausbildung. Wie mag sich fühlen, wer sich in Kürze auf diesem frostigen Arbeitsmarkt behaupten muss? Drei junge Journalisten haben es aufgeschrieben.
Kathrin Breer - Die Krise bekommt Gesichter
Journalistin sein bedeutet: spannende Recherche, tolle Geschichten, interessante Interviews. Und es bedeutet wahnsinnigen Zeitdruck, unbezahlte Überstunden und durchgearbeitete Wochenenden. Im Vergleich mit anderen Akademikern werde ich vermutlich immer recht wenig verdienen, belegen Statistiken. Dass mein Gehalt sehr wahrscheinlich ein paar hundert Euro unter dem meines männlichen Bürokollegen liegen wird, nur weil ich eine Frau bin, finde ich eine unglaubliche Ungerechtigkeit.
Aber all das sind keine Neuigkeiten für mich. Seit mir klar ist, dass ich mein Leben mit diesem Beruf finanzieren will, weiß ich um diese Bedingungen.
Bisher war dieses Wissen eher abstrakt, die Krise zwar allgegenwärtig, aber noch weit weg von mir. Nun bekommt sie zum ersten Mal Gesichter, die ich kenne. Meine Journalistenschule gehört zum Verlag Gruner + Jahr, der gerade entschieden hat, die "Financial Times Deutschland" zu schließen. Jeden Tag sehe ich in der Kantine die Redakteure der "FTD". Zwei von ihnen arbeiten als Dozenten mit uns an unseren Texten. Gerade bereite sie die allerletzte Ausgabe ihrer Zeitung vor, die am 7. Dezember erscheinen wird.
Es ist hart zu sehen, dass ein gutes journalistisches Produkt mit guten Mitarbeitern einfach kein Geld verdient. Und dass wir mit diesen guten und erfahrenen Journalisten um Arbeitsplätze konkurrieren müssen, wenn die Schule im Sommer endet und uns auf den Arbeitsmarkt wirft.
Ausbildung beim Jugendmagazin? Gibt's plötzlich nicht mehr
In der Schulausbildung durchlaufen wir verschiedene Praxisstationen. Eine davon wollte ich bei einem Jugendmagazin machen. Den Platz dort hatte ich schon sicher, als das Heft plötzlich vor meiner Nase vom Markt genommen wurde - es gab nicht genug Jugendliche, die von ihrem Taschengeld das gedruckte Heft kauften. So trifft mich diese Krise erstmals direkt.
Doch Journalismus gibt es nicht nur auf Papier. Deshalb lernen wir in der Journalistenschule auch, wie man Videos dreht, Audioslideshows produziert und News kuratiert. Manches davon liegt mir nicht, Anderes macht unglaublichen Spaß. Klar ist: Es reicht nicht, nur schön schreiben zu können.
Wer in den Journalismus will, muss also wissen, worauf er sich einlässt. Aber gut ausgebildete Journalisten müssen sich auch darüber im Klaren sein, was sie wert sind. Es ist schlimm, dass ich manchmal im Praktikum darüber verhandeln muss, ob meine Arbeit überhaupt mit Geld honoriert wird. Ich finde, junge Journalisten dürfen nicht alles mit sich machen lassen. Sonst wird die Krise zum Totschlagargument für schlechte Bezahlung und miese Arbeitsbedingungen. Und dafür ist Journalismus als Beruf einfach zu wichtig - mir zumindest.
