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04.01.2013
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Gerichtsurteil

Böller auf Toilette gezündet - Job weg

DPA

Einen Böller in einem Dixi-Klo zu zünden, ist keine gute Idee. Erst recht nicht, wenn gerade ein Kollege drauf sitzt. Ein Gerüstbauer hat es trotzdem gemacht - und seinen Job verloren. Dagegen klagte er, das sei doch nur ein "Stimmungsaufheller" gewesen.

Für seinen Kollegen hat sich ein Gerüstbauer einen ganz besonders fiesen Scherz überlegt: Er zündete einen Feuerwerkskörper in einem Dixi-Klo, auf dem der andere gerade saß. Die Folgen waren fatal: Der Böller verbrannte den auf der Toilette sitzenden Bauarbeiter am Oberschenkel, im Genitalbereich und an der Leiste. Drei Wochen war er arbeitsunfähig. Der Arbeitgeber kündigte dem zündelfreudigen Gerüstbauer fristlos.

Dagegen klagte der Mann nun vor Gericht. Seine Argumentation: Scherze seien als "Stimmungsaufheller" unter den Kollegen üblich gewesen, auch mit Böllern. Er habe den Kollegen nicht verletzen wollen. Anders als von dem Verletzten behauptet, habe er den Feuerwerkskörper auch nicht von oben in die Toilette geworfen, sondern an der Tür angebracht. Der Böller sei nur versehentlich in die Kabine gerutscht. Außerdem arbeite er schon seit 15 Jahren für die Firma, und es habe noch nie Probleme gegeben.

Das Arbeitsgericht Krefeld wies seine Klage ab. Dass der nicht sachgerechte Umgang mit Feuerwerkskörpern zu schweren Verletzungen führen könne, sei allgemein bekannt, so die Richter. Das gelte erst recht, wenn so damit hantiert werde, dass der Betroffene nicht flüchten könne. Einer vorhergehenden Abmahnung habe es angesichts der Umstände des Falles nicht bedurft. Trotz der langen Betriebszugehörigkeit sei dem Arbeitgeber hier nicht einmal mehr die Einhaltung einer Kündigungsfrist zuzumuten (Aktenzeichen: 2 Ca 2010/12).

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Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt

Eine Verletzung am Arbeitsplatz beschäftigte auch das Oberlandesgericht Karlsruhe - mit gänzlich anderem Ausgang. Die Richter wiesen die Klage eines Eishockeyspielers ab, der von einem Mitspieler 10.000 Euro Schmerzensgeld verlangte. Er war während eines Spiels von ihm Richtung Bande gestoßen worden und hatte sich bei dem Aufprall an der Schulter so schwer verletzt, dass er zweimal operiert werden musste und den Beruf des Eishockeyspielers seither nicht mehr ausüben kann. Die Berufsgenossenschaft hat den Unfall als Arbeitsunfall anerkannt und zahlt entsprechend.

Die Richter entschieden, dass der Verletzte keinen Anspruch auf Schmerzensgeld hat. Der Beklagte habe nicht vorsätzlich gehandelt - und nach der gesetzlichen Unfallversicherung haften Arbeitnehmer, die einen Arbeitskollegen im Betrieb verletzen, nur bei Vorsatz. Das gilt auch bei Berufssportlern (Aktenzeichen: 4 U 256/11).

Fußballer haften für rüde Fouls

Erst vor wenigen Wochen hatte das Oberlandesgericht Hamm entschieden, dass ein Fußballer, der seinen Gegenspieler "bei regelgerechter und dem Fairnessgebot entsprechender Spielweise verletze", nicht dafür haften muss - wohl aber, wenn er rücksichtslos handelt.

Im konkreten Fall ging es um ein Punktspiel der Dortmunder Kreisliga A3 vom 18. April 2010. Damals erlitt ein Spieler nach einem groben Foulspiel eine schwere Knieverletzung und konnte daraufhin seinen Malerberuf nicht mehr ausüben. Der gefoulte Spieler zog daraufhin vor Gericht und forderte Schadensersatz und Schmerzensgeld von seinem Gegenspieler. Das Oberlandesgericht hat die Verurteilung des Beklagten bestätigt. Er muss Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zahlen.

dpa/vet

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insgesamt 35 Beiträge
1. Na und...
expendable 04.01.2013
...da kann der Humorkönig ja auf dem Flur vom Arbeitsamt für gute Laune sorgen. Mal ehrlich, wer soll denn ernsthaft arbeiten können, wenn so eine geistige Wasserleiche im Team ist. Jede Wette, das niemand in der Firma dieser [...]
...da kann der Humorkönig ja auf dem Flur vom Arbeitsamt für gute Laune sorgen. Mal ehrlich, wer soll denn ernsthaft arbeiten können, wenn so eine geistige Wasserleiche im Team ist. Jede Wette, das niemand in der Firma dieser Stimmungskanone eine Träne nachgeweint hat.
2. Von mir aus
leserin_45 04.01.2013
könnte man die ganzen Böller und Raketen gänzlich verbieten. Birgt jede Menge Gefahren, aber bringt halt schön Steuergelder in die Kasse...
könnte man die ganzen Böller und Raketen gänzlich verbieten. Birgt jede Menge Gefahren, aber bringt halt schön Steuergelder in die Kasse...
3.
Kassian 04.01.2013
Ich stelle mir das ungefähr so vor bei seinem nächsten Vorstellungsgespräch: "Und warum haben Sie ihren Job verloren? Wegen der Wirtschaftskrise?" "Nein, ich hab nur einen Böller ins Dixi Klo geworfen als der [...]
Ich stelle mir das ungefähr so vor bei seinem nächsten Vorstellungsgespräch: "Und warum haben Sie ihren Job verloren? Wegen der Wirtschaftskrise?" "Nein, ich hab nur einen Böller ins Dixi Klo geworfen als der Kollege noch drin war" Wenn ich das ganze in zwei Worten zusammenfassen müsste dann wäre das wohl "natürliche Auslese". ;)
4. Sport und Böller in einem Artikel.....
SchwedenSkydiver 04.01.2013
Der Böllerkollege zeugt mal wieder vom fehlenden Rückgrat bei vielen Leuten in der heutigen Zeit! Ich kann diese Rumheulmentalität einfach nicht verstehen.... Mist gebaut -> Gerade stehen! Aber lieber SpOn Redakteur, das [...]
Der Böllerkollege zeugt mal wieder vom fehlenden Rückgrat bei vielen Leuten in der heutigen Zeit! Ich kann diese Rumheulmentalität einfach nicht verstehen.... Mist gebaut -> Gerade stehen! Aber lieber SpOn Redakteur, das ganze mit den Urteilen über Sportler zu vergleichen ist wie Äpfel und Birnen. Wenn ich in einem Sport wie Eishockey meinen Teamkamerade über die Bande schicke, dann ist das Teil des Spiels/Risikos. (Ausser es geschieht vorsätzlich). Ein Böllerwurf in ein Dixiklo verhält sich dazu, als wenn ich meinem Kameraden Abführmittel in die Trinkflasche kippe. Cheers!
5. nehme an, ....
gerd33 04.01.2013
dass der Knabe den Böller über die Entlüftungsöffnung im Dach der Kabine direkt in die Fäkalienbütte geworfen hat. Die Reaktion (Methan-Sauerstoff-Explosion) erklärt Verbrennungen am Oberschenkel und im Genitalbereich. [...]
dass der Knabe den Böller über die Entlüftungsöffnung im Dach der Kabine direkt in die Fäkalienbütte geworfen hat. Die Reaktion (Methan-Sauerstoff-Explosion) erklärt Verbrennungen am Oberschenkel und im Genitalbereich. Niemals versuchen, einem pupsenden Kollegen das Feuerzeug an seinen Anus zu halten! Die Folgen sind verheerend.

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