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10.01.2013
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Mobbing-Opfer

"Ich halte Millionen-Entschädigungen für möglich"

Corbis

Werden Mobbing-Klagen bald richtig teuer für den Arbeitgeber? Um Firmen abzuschrecken, könnten demnächst deutlich höhere Schmerzensgelder fällig werden. Ein Präzedenzfall um 893.000 Euro Entschädigung wird derzeit in Düsseldorf verhandelt.

Sie sieht sich als Mobbing-Opfer und fordert die Rekordsumme von knapp 900.000 Euro Schmerzensgeld: Eine Rechnungsprüferin, die bei der Stadt Solingen beschäftigt war, provoziert ein wegweisendes Urteil. Die 52-Jährige möchte damit vor allem dem Arbeitgeber weh tun - und somit Wiederholungstäter abschrecken.

Die Beträge, die Mobbing-Opfern in Deutschland bislang zugesprochen werden, bewegen sich zumeist in der Größenordnung von 2000 bis 5000 Euro. "Willkürliche Beträge", so Michael Hiesgen, der Anwalt der Klägerin. "Diese Summen stellen keine abschreckende Wirkung für Unternehmen dar - noch eher für die Opfer, die für diese Summen jahrelang prozessieren müssen", so der Jurist. Im Ausland kann eine Mobbingklage ein Unternehmen schwer treffen: So musste beispielsweise die Deutsche Bank in London ihrer Sekretärin Helen Green 1,2 Millionen Euro Schmerzensgeld zahlen.

"Ich halte eine Entwicklung hin zu Entschädigungen in Millionenhöhe auch in Deutschland für möglich", sagt Hiesgen. Die Summe sei nicht völlig aus der Luft gegriffen, der Anwalt beruft sich auf die jüngere Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Danach seien die bislang zugesprochenen Summen zu gering und müssten erhöht werden, um den Psychoterror nachhaltig abzustellen. Für den Vorsitzenden Richter Wolfgang Jansen vom Landesarbeitsgericht Düsseldorf hingegen sind die geforderten 893.000 Euro eine "extreme Größenordnung".

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Mobbing: Feindliche Angriffe am Schreibtisch
"Man hat meine Ehre und meine Würde mit Füßen getreten", klagte die Klägerin, eine Diplom-Ökonomin. Jahrelang sei sie schikaniert worden und man habe ihr sogar zu Unrecht fristlos gekündigt. Als sie nach gewonnenem Prozess in ihr Büro zurückkehren wollte, habe man sie mit einem Sonderprüfauftrag, für den sie nicht ausgebildet sei, in ein neun Kilometer entferntes städtisches Klinikum "entsorgt". Eine Schulung habe die Stadt nicht zahlen wollen.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Jansen vom Landesarbeitsgericht Düsseldorf zeigte sich am Dienstag skeptisch, ob die von der Klägerin aufgeführten Fälle tatsächlich den Tatbestand systematischen Mobbings erfüllten. Hiesgen verwies dagegen auf "die Vielzahl kleiner Nadelstiche", die ein deutliches Gesamtbild ergäben.

Die Rechnungsprüferin klagt inzwischen in zweiter Instanz, nachdem sie im vergangenen Jahr vor dem Solinger Arbeitsgericht gescheitert war. Nach dem erneuten Gerichtstermin am vergangenen Dienstag wird nun auf einen Verkündigungstermin gewartet - an dem wird entweder ein Urteil gesprochen, oder es sollen weitere Beweise aufgenommen werden.

dpa/end

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insgesamt 88 Beiträge
1. Nicht sachgerecht
Lorbeerblatt 10.01.2013
Ich halte den Versuch, hier in Deutschland an so hohe Schmerzensgeldforderungen zu kommen, nicht sachgerecht! Zum Glück ist es so, dass wir in einem Land leben, dass nicht exorbitante Schmerzensgelder in der Praxis hat. Auf der [...]
Ich halte den Versuch, hier in Deutschland an so hohe Schmerzensgeldforderungen zu kommen, nicht sachgerecht! Zum Glück ist es so, dass wir in einem Land leben, dass nicht exorbitante Schmerzensgelder in der Praxis hat. Auf der anderen Seite wäre eine Erhöhung bestimmter Sätze durchaus begrüßenswert, nicht aber in dem Umfang! Nur zum Vergleich: Ebenfalls aktuell ist derzeit ein Fall, in dem ein Vergewaltigungsopfer von seinem Peiniger ein REKORD-Schmerzensgeld fordert..... in Höhe von 80.000 Euro. Das Opfer ist 3 Tage lang festgehalten, ans Bett gefesselt und gepeinigt worden. Und nun möge man das bitte in irgendeine vernünftige Relation setzen!
2. eben
anders_denker 10.01.2013
drei Tage gegen langjährige permanente Drangsalierung. Ich wünsche der Dame alles Gute. Und dann der Stadt die sich hoffentlich bei den netten Kollegen und ihrem Vorgesetzten das Geld zurückholen kann.
Zitat von LorbeerblattIch halte den Versuch, hier in Deutschland an so hohe Schmerzensgeldforderungen zu kommen, nicht sachgerecht! Zum Glück ist es so, dass wir in einem Land leben, dass nicht exorbitante Schmerzensgelder in der Praxis hat. Auf der anderen Seite wäre eine Erhöhung bestimmter Sätze durchaus begrüßenswert, nicht aber in dem Umfang! Nur zum Vergleich: Ebenfalls aktuell ist derzeit ein Fall, in dem ein Vergewaltigungsopfer von seinem Peiniger ein REKORD-Schmerzensgeld fordert..... in Höhe von 80.000 Euro. Das Opfer ist 3 Tage lang festgehalten, ans Bett gefesselt und gepeinigt worden. Und nun möge man das bitte in irgendeine vernünftige Relation setzen!
drei Tage gegen langjährige permanente Drangsalierung. Ich wünsche der Dame alles Gute. Und dann der Stadt die sich hoffentlich bei den netten Kollegen und ihrem Vorgesetzten das Geld zurückholen kann.
3. Schmerzensgeld ist nicht Strafe
Rickie 10.01.2013
Die Abschreckungswirkung von Schmerzensgeld ist amerikanische Rechtsphilosophie. Nach euroäischer Rechtgsphilosophie soll Schmerzensgeld hingegen den erlittenen Schmerz ausgleichen.
Die Abschreckungswirkung von Schmerzensgeld ist amerikanische Rechtsphilosophie. Nach euroäischer Rechtgsphilosophie soll Schmerzensgeld hingegen den erlittenen Schmerz ausgleichen.
4.
antopus 10.01.2013
Es ist nicht die geforderte Summe zu hoch, sondern der Wert des Menschen in diesem Land zu niedrig. Sieht man auch sehr gut an den 80.000 für die Vergewaltigungsopfer. Nur logisch in einer Gesellschaft, in der man den Mund nicht [...]
Es ist nicht die geforderte Summe zu hoch, sondern der Wert des Menschen in diesem Land zu niedrig. Sieht man auch sehr gut an den 80.000 für die Vergewaltigungsopfer. Nur logisch in einer Gesellschaft, in der man den Mund nicht aufkriegt um zu loben, und die Klappe nicht halten kann wenns ums Kritisieren geht. Sehr Deutsches Problem.
5. Interessante Passage
ellereller 10.01.2013
Interessante Passage im verlinkten Beitrag: "In diesem Zusammenhang hat das Gericht auch den in der Vergangenheit erfolgten Versuch eines Mediationsverfahrens der Parteien angesprochen. Dieses scheiterte, weil die Klägerin [...]
Interessante Passage im verlinkten Beitrag: "In diesem Zusammenhang hat das Gericht auch den in der Vergangenheit erfolgten Versuch eines Mediationsverfahrens der Parteien angesprochen. Dieses scheiterte, weil die Klägerin das Eingeständnis eines Mobbingverhalten durch die beklagte Stadt zur Vorbedingung der Gespräche machte." Ich würde eine Wette eingehen, dass sie keinen Schadensersatz zugesprochen bekommt.

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