Lade Daten...
11.01.2013
Schrift:
-
+

Praktikant bei Carolina Herrera

Aufstieg zwischen Haarspray-Wölkchen

Von Susanne Koch, New York
Herrera archive

Was als unbezahltes Praktikum beginnt, wird manchmal doch noch gut - zumindest war es bei Ludwig Heissmeyer so. Inzwischen arbeitet er als Design-Director bei Carolina Herrera in New York. Auch wenn er täglich Glamour erlebt, die Tage im Prekariat hat er in lebendiger Erinnerung.

Es ist ein Montagmorgen im September und der offizielle Beginn der New York Fashion Week. Hinter den Kulissen reiht sich Haute Couture, Meter an Meter. Models, Designer und Stylisten wuseln durcheinander. Haarspray-Wölkchen stehen im Raum.

Ludwig Heissmeyer blickt nervös durch seine kugelrunden Brillengläser. Er sagt: "Jetzt kann man nur noch beten, dass alles gut geht." Der 36-jährige ist Design Director von Carolina Herrera und ein Nachwuchsstar in der New Yorker Modeszene. Und er hat geschafft, wovon Viele träumen: den Durchbruch in Manhattan.

Nicht nur hinter den Kulissen herrscht Aufregung. Auch vor dem Laufsteg wird es hektisch. In einer langen Schlange drängeln sich die Besucher, die Show von Carolina Herrera ist eine der Hauptattraktionen der Fashion Week. Boris Becker und Ehefrau Lilly sind gekommen, die gefürchtete Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour nimmt ein paar Stühle weiter Platz.

Fotostrecke

Aus Frust wird Karriere: Anna Scholz entwirft Mode für Mollige
Dann das Zeichen: Helfer ziehen die Folie vom blendend weißen Laufsteg. Die Show beginnt. Die Models scheinen zu schweben, präsentieren die fließend leichten Seidenstoffe, weiche Farben. "Das ist der Moment auf den man die ganzen letzten Monate hingearbeitet hat. Jetzt hofft man nur noch, dass keines der Models fällt", wird Heissmeyer später in seinem Büro erzählen. Die Outfits basieren teilweise auf seinen Ideen. "Natürlich in Zusammenarbeit mit Ms. Herrera."

Seit zehneinhalb Jahren arbeitet Heissmeyer bei Carolina Herrera. Angefangen hat er als Praktikant. Nach der Schule zog er zunächst von Hamburg nach Florenz, begann dort ein Modedesign-Studium, wechselte dann 1998 nach New York ans Fashion Institute of Technology und erwarb dort 2002 einen Bachelor of Fine Arts.

Vorteil, aus Deutschland zu kommen

Ein Praktikum bei Oscar de la Renta, Vera Wang oder eben Carolina Herrera - davon träumte fast jeder, der mit ihm studierte. Auch Heissmeyer. Zwar war sein Englisch gut, doch ob er als Fremder in den USA überhaupt eine Chance hatte, bezweifelte er damals. Umso größer dann die Überraschung, als die Zusage für die Praktikantenstelle kam. Es half sogar, Deutscher zu sein, wie sich nun herausstellte. "Wir Deutsche haben einen guten Ruf, denn die Amerikaner mögen deutsche Präzision und Zuverlässigkeit", sagt Heissmeyer. Außerdem gab es im Design-Team schon eine Münchnerin und eine Stuttgarterin. "Das war ein ganz guter 'Fit'."

Was dann kam, entspricht dem typischen Klischee eines Praktikums in New York: Lange Arbeitszeiten, selbstverständlich unentgeltlich, eingepferchtes Wohnen, schlechtes Essen. "Es gibt nur wenige Stellen in New York und man muss sich schnell bewähren", so der Designer. Zeit und Geld sind immer ein Problem, für Ausländer zudem die Aufenthaltsgenehmigung: Sie müssen nicht nur einen Job finden, sondern auch einen Arbeitgeber, der das Visum finanziert und organisiert. "Das war meine ständige Sorge, dass am Ende kein Job und damit auch kein Visum herausspringt", erinnert er sich.

Gut, wenn dich die Chefin mag

Heissmeyer arbeitete Tag und Nacht. Seiner Chefin gefiel das. Nach zwei Monaten wurde der Praktikantentraum wahr: Herrera stellte ihn als Assistenz-Designer ein. Mittlerweile, zehn Jahre später, ist der Deutsche Design Director. "Mode hat viel mit Glück zu tun", sagt er heute. "Das Gute war für mich, dass Ms. Herrera mich mochte."

Doch so aufregend, wie man sich das Leben eines Modedesigners bei einem weltweit bekannten Luxus-Label vorstellt, ist Heissmeyers New Yorker Alltag trotz steiler Karriere nicht. Er lebt in einer kleinen, geschmackvoll eingerichteten Zwei-Zimmer Wohnung mitten in Soho mit den typischen New Yorker Herausforderungen wie pfeifender Dampfheizung und quietschenden Badezimmerarmaturen. Ins Büro fährt er mit der U-Bahn. Die Büroräume von Carolina Herrera sind puristisch, liegen nur wenige Schritte vom Times Square entfernt.

Und auch den Kampf um eine dauerhafte US-Aufenthaltsgenehmigung hat Heissmeyer gewonnen: "Seit August 2012 habe ich endlich eine Greencard, nach 15 Jahren in der Stadt", erzählt er, "seitdem habe ich das Gefühl, angekommen zu sein."

Mit der Greencard würde ein Jobwechsel auch leichter fallen. Doch da winkt Heissmeyer nur ab.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
1. ???
mk84 12.01.2013
Mir erschließt sich der Sinn dieses Artikels leider nicht. Oder sollen hier etwa unvergütete Praktika (gehört ab mehreren Wochen Dauer eigtl. verboten) und der trügerisch-naive "vom Tellerwäscher zum Millionär"-Traum [...]
Mir erschließt sich der Sinn dieses Artikels leider nicht. Oder sollen hier etwa unvergütete Praktika (gehört ab mehreren Wochen Dauer eigtl. verboten) und der trügerisch-naive "vom Tellerwäscher zum Millionär"-Traum hochstilisiert werden? Berichten Sie doch lieber verstärkt über die vielen ausgebeuteten Praktikanten in der Medienlandschaft - die haben nämlich nur zu einem Bruchteil das Glück, bei SPON und Co. zu landen - zumal man sich dutzende Praktika kreuz und quer durch die Republik (die weite Welt ist natürlich ebenfalls stets willkommen) halt auch leisten können muss... Für den Rest, dem dann auch schnell fehlende Motivation angedichtet wird, heißt es dann meist trotz Studium und geistigem Vermögen: Hallo, ARGE!
2. ???!
systemrelevant 12.01.2013
Es soll sogar Praktika geben wo man sehr gut verdient ;) Aber man muss dazu sagen, wenn man etwas überlaufenes Macht wie Medien geht es halt nach Angebot und Nachfrage. Achja, sich selbst geistiges Vermögen zu attestieren zeugt [...]
Es soll sogar Praktika geben wo man sehr gut verdient ;) Aber man muss dazu sagen, wenn man etwas überlaufenes Macht wie Medien geht es halt nach Angebot und Nachfrage. Achja, sich selbst geistiges Vermögen zu attestieren zeugt eher von Unvermögen
3. Stolz
Dr. Süß 13.01.2013
Wie wäre es den Sinn des Artikels als Stolz auf den Landsmann zu interpretieren, der trotz dem - diplomatisch ausgedrückt - mageren Bezug der allgemeinen deutschen Bevölkerung zur Mode es geschafft hat einen der sehr wenigen [...]
Wie wäre es den Sinn des Artikels als Stolz auf den Landsmann zu interpretieren, der trotz dem - diplomatisch ausgedrückt - mageren Bezug der allgemeinen deutschen Bevölkerung zur Mode es geschafft hat einen der sehr wenigen tollen Jobs in der Branche wahrlich zu verdienen und in New York, einer der teuersten Stadt, zu überleben. Ich hoffe, man hört den Namen noch öfter.

Empfehlen

Mode-Quiz

Verwandte Themen

Fotostrecke

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Fotostrecke

MEHR IM INTERNET

Businessmode-Quiz

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles zum Thema Modemacher - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten