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12.01.2013
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Designerin für Berufskleidung

Des Barmanns neue Kleider

Von Peter Ilg
Fotos
Daniel Karl

Öder Einheitslook war gestern: Berufskleidung soll nicht nur praktisch sein, sondern auch schick. Firmenmode-Designer stellt das vor Herausforderungen. Sie müssen Kleidung für Mitarbeiter nähen, die es noch gar nicht gibt, und wissen, wie hoch der Rockschlitz von russischem Hotelpersonal sein darf.

Berufskleidung, das klingt nach Blaumännern und Kittelschürzen, nach Warnschutzwesten und Arbeitsstiefeln mit Stahlkappe. Dass eine Dienstkluft auch elegant sein kann, will Modedesignerin Simone Plitzko mit ihren Kreationen beweisen. Die 41-Jährige hat sich auf Firmenmode spezialisiert, sie stattet Mitarbeiter von Hotels in ganz Europa aus und kleidet die Besatzung von Passagierschiffen ein. "Man muss dabei anders denken, weil die Anforderungen an diese Kleidung ganz andere sind", sagt sie. "Das Design soll nicht nur gut aussehen, es muss auch funktional sein."

Bei Arbeitskleidung, neudeutsch "Corporate Fashion", kommt es auf langlebige Materialien an, hochwertige Verarbeitung, damit sie möglichst lange halten, exakte Schnitttechniken für unterschiedliche Größen und Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. "In russischen Hotels darf der Schlitz im Rock fast bis zur Hüfte gehen, der Ausschnitt möglichst tief sein." Für viele Hotels in Dubai wäre das völlig ausgeschlossen, weil auch Muslime dort arbeiten. Am liebsten in bodenlangen Kleidern. Klamotten und Arbeitgeber müssen zusammenpassen und sich die Mitarbeiter darin wohlfühlen. Alle. Das ist die Kunst des Uniformen.

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Beispiel Europa II, ein neues Kreuzfahrtschiff von Hapag Lloyd, das gerade in einer französischen Werft gebaut und im Frühjahr 2013 in See stechen wird. Obwohl Plitzko noch nicht weiß, wie viele der 500 Crewmitglieder Männer und Frauen sind, welche Größe sie brauchen und woher sie kommen, lässt sie die Klamotten in einer Fabrik in Polen bereits nähen. Vom Maschinisten bis zum Kapitän. Anzüge, Kostüme, Hemden, Blusen, Krawatten, Halstücher, Kleider, Polo-Shirts, Pullover, warme Jacken, luftige Shirts. "Weil zum Produktionszeitpunkt noch keine Mitarbeiter eingestellt sind und damit die benötigten Größen nicht bekannt sind, produziere ich nach Erfahrungswerten." Wenn Schiff und Kleidung fertig sind, wird sie zur Massenanprobe nach Frankreich fahren.

Entwürdigende Kittel im Supermarkt

Berufskleidung zu designen sei genauso kreativ wie das Entwerfen von Haute Couture, behauptet die Modeschöpferin. Sie kennt beides: Nach ihrem Designstudium, für das sie sich gegen knapp 1000 Mitbewerber durchsetzen musste, arbeitete sie freiberuflich, unter anderem für Swarovski. "Ich habe spektakuläre Show-Kleider entworfen, an denen neue Steine, Farben und Effektschliffe der Kristallsteinchen präsentiert wurden."

Daneben arbeitete Plitzko als Modegrafikerin für bekannte Marken. Sie zeichnete Trendkollektionen und nähte Ballkleider für die Reichen und Schönen. Damals lernte sie, sich an modische Maßgaben zu halten: Trendinstitute gaben Farben, Formen und Schnitte der Kleider vor. Heute sind es die Unternehmen, die genaue Vorstellungen von der Arbeitskleidung ihrer Mitarbeiter haben. An die muss Plitzko sich halten.

Ihren ersten Auftrag für Berufskleidung erhielt sie im Jahr 2000: Bei einer Modenschau fragte sie der Direktor des Arabella Sheraton in Frankfurt, ob sie für das Hotel eine Kollektion entwerfen wolle. Heute entwirft die Designerin ihre Kollektionen in ihrem Haus in Frankfurt. Gezeichnet wird von Hand. "Ich bin noch ohne Computer durchs Studium gerutscht." Eine Herausforderung für sie wäre es, die Mitarbeiter von Supermarktketten einzukleiden. "Keiner der Verkäufer kann mir erzählen, dass er sich in seinem Kittel wohlfühlt." Solche Art Berufskleidung hält Plitzko teilweise für entwürdigend. Gute für motivierend.

Forum

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insgesamt 7 Beiträge
1. Aber Hallo
mitbestimmender wähler 12.01.2013
Gebrauchte Stewardessen Kleidchen, Marine-Offiziers Uniformen, Die Ausgeh Uniform diverser Armeen............ Neue Knöpfe, ein Patch drauf bügeln, Schriftzug nähen. Ich mach mir Morgen einen Design Berufskleider Shop [...]
Gebrauchte Stewardessen Kleidchen, Marine-Offiziers Uniformen, Die Ausgeh Uniform diverser Armeen............ Neue Knöpfe, ein Patch drauf bügeln, Schriftzug nähen. Ich mach mir Morgen einen Design Berufskleider Shop auf....lach
2. was ist das?
hochst 12.01.2013
ist dies ein Artikel ueber Veraenderungen am Markt der Berufsbekleidung (interessant) oder Werbung fuer Frau Plitzko? Hoffentlich melden sich jetzt auf die Äußerung, die Supermarktketten sollten an Ihren Outfits arbeiten Aldi und [...]
ist dies ein Artikel ueber Veraenderungen am Markt der Berufsbekleidung (interessant) oder Werbung fuer Frau Plitzko? Hoffentlich melden sich jetzt auf die Äußerung, die Supermarktketten sollten an Ihren Outfits arbeiten Aldi und co bei Frau Plitzko, dann gibt es blaue Aldi-Hemden mit Strasssteinen und rote Netto-Polohemden mit Rueschen. Die muessen die Mitarbeiter natuerlich kaufen! Tolle Geschaeftsidee, Franchise im kleinen und jaehrlicher Modewechsel fuer die Discounter, so kann man von den Mitarbeitern direkt mehr Lohn zurueckholen! Ein tolles Beispiel dafuer, wie unsere Wirtschaft derzeit "waechst", durch die Generierung von kuenstlichem Bedarf wie diesen Designer-Arbeitsklamotten. Nunja immerhin laesst Sie in der EU naehen. Trotzdem verstehe ich nicht, was ein derartiger Artikel bei Spon zu suchen hat. Ein objektiver Artikel ueber Umwaelzungen am Berufsbekleidungsmarkt mit mehr als einer Stimme und einer Erlaueterung ueber die Marktentwicklung, das waere dem Spiegel wuerdig gewesen. Dieser Artikel aber grenzt an Schleichwerbung und hat etwas von einer als Artikel getarnten Werbeanzeige. Fuer richtigen Journalismus wuerde ich zahlen, fuer so etwas aber habe ich kein Verstaendnis!
3.
NightToOblivion 12.01.2013
Meiner Erfahrung nach gibt es zu solcher Kleidung nur zwei Dinge zu wissen: 1.) sie sind immer unbequem 2.) sie sind immer zu groß
Meiner Erfahrung nach gibt es zu solcher Kleidung nur zwei Dinge zu wissen: 1.) sie sind immer unbequem 2.) sie sind immer zu groß
4. Anekdote
ijf 12.01.2013
Da faellt mir eine nette Anekdote ein: vor ca 12-15 Jahren war eines meiner Business-Outfits ein schmales feuerrotes Kostuem, die Jacke war an Revers und Schulterpartie weiss, dazu rote Wildlederpumps. Dann Dienstreise via Air [...]
Da faellt mir eine nette Anekdote ein: vor ca 12-15 Jahren war eines meiner Business-Outfits ein schmales feuerrotes Kostuem, die Jacke war an Revers und Schulterpartie weiss, dazu rote Wildlederpumps. Dann Dienstreise via Air France. Ich klettere in die Maschine und - werde ueberaus freundlich, fast vertraut auf frz begruesst. Ich wundere mich (Bin ich mit der Crew schon mal geflogen? Kennen die mich? Keine Ahnung, bei mind 2 Dienstreisen, meist per Flieger, pro Woche...) Handgepaeck verstaut, hingesetzt. Boarding rush hour vorbei, ich stehe nochmal auf und will mir noch eine Zeitschrift vom Einstiegsbereich holen und - werde von anderen Passagieren im Vorbeigehen aufgehalten und angesprochen mit typischen Fragen und Bitten, die sonst so ans Bordpersonal gerichtet werden. Erst da betrachte ich die Stewardessen genauer und darf feststellen, dass mein Outfit und die Dienstkleidung der Stewardessen offensichtlich vom gleichen Designer/Schneider waren, absolut identisch,,, ich hab in der Folgezeit bei der Kleiderwahl darauf geachtet, mit welcher Linie ich fliege ;-)
5. @ hochst
digitus_medius 12.01.2013
... wenn du für SPON zahlst hast du irgendwas falsch gemacht...
... wenn du für SPON zahlst hast du irgendwas falsch gemacht...

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