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21.01.2013
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Vorurteile unter Ärzten

Ich, Halbgott

Von und Anne Haeming

Radiologen sind geldgierige Geier, Hausärzte halten sich für Leibärzte und Urologen sind die Partyhengste der Medizin: Jede Disziplin des Arztberufs hat ihre eigenen Vorurteile - und alle sind sie wahr. Eine kleine Typologie der weißen Zunft.

Corbis
Seit auch Ärzte für mehr Geld streiken, wissen es alle: Die Hackordnung dieser Zunft wird nicht durch Können oder Wissen allein, sondern vor auch durch die Gehaltshierarchie definiert. Radiologen sahnen am meisten ab, am miesesten stehen die Hausärzte da.

Vor allem aber wurde bei den Medizinerstreiks deutlich, dass sich die einzelnen Fachrichtungen nicht grün sind. Cowboys und Draufgänger, Partyhengste und Mauerblümchen der Medizin streiten um die Gunst der Patienten. Wir haben uns die Halbgötter im Kittel vorgeknöpft. Hier eine - natürlich - total unfaire Typologie:

Getty Images
Allgemeinmediziner: Der Leibarzt

Ganz unten in der Hierarchie steht der Allgemeinmediziner, vulgo: Hausarzt. Er mag rein finanziell der Loser seiner Zunft sein, nicht auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, aber an seiner Selbstwahrnehmung kratzt das nicht. Im Gegenteil, er fühlt sich als Leibarzt seiner Patienten, er deckt schließlich 20 Fachrichtungen gleichzeitig ab. Motto: Bevor ich jemanden zum Orthopäden schicke, mache ich es selbst! Er ist in einer Machtposition, er ist es, der Patienten an Fachkollegen überweist. Oder nicht. Der Alptraum jedes Allgemeinmediziners: das Schicksal als Durchlauferhitzer, der nur noch Überweisungen schreibt und Rezepte ausstellt.

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Kardiologe: Der König der Herzen

Der Kardiologe hält sich für den König seiner Zunft: Schließlich behandelt er mit dem Herzen das wichtigste Organ des menschlichen Körpers. Schiebt er den Herzkatheter in Richtung Infarkt, weiß er: Er arbeitet im Zentrum allen Seins, greift in den natürlichen Lauf der Dinge ein. Dass Kardiologen was Besseres sind, zeigen sie auch in ihrem Freizeitgebaren: Sie spielen typischerweise Tennis und tummeln sich, so oft es geht, in luxuriösen Hotelanlagen. Sie sind, wenn man so will, die Jurastudenten unter den Ärzten.

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Psychiater: Erst mal reden

Psychiater erkennt man an ihren Cordjacketts. Obwohl sie eine medizinische Ausbildung haben wie alle anderen, werden sie von den meisten Ärzten nicht als Ärzte wahrgenommen. Sie haben schließlich keine Ahnung von "echten" Krankheiten. Sondern wollen immer erst mal reden. Im Gegenzug halten Psychiater ihre Kollegen für verbohrt, weil sie psychosomatische Zusammenhänge nicht erkennen wollen. Fallbeispiel: Ein Patient kommt mit Atembeschwerden ins Krankenhaus, der Internist diagnostiziert Asthma und verschreibt Cortison. Der Psychiater weiß, dass kurz hintereinander die Mutter des Patienten erstickt und der Opa an einer Lungenerkrankung verstorben ist, und verordnet eine Psychotherapie. Na, was hilft?

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insgesamt 96 Beiträge
1. Nirgends auf der Welt
n+1 21.01.2013
(es soll angeblich in Japan auch schlimm sein) wird so viel durchleuchtet wie in Deutschland. Röntgen gibt Geld. Der Radiologe ist an der Spitze der Verdienstpyramide, jeder Zahnarzt hat inzwischen sein eigenes Gerät. Grund: [...]
(es soll angeblich in Japan auch schlimm sein) wird so viel durchleuchtet wie in Deutschland. Röntgen gibt Geld. Der Radiologe ist an der Spitze der Verdienstpyramide, jeder Zahnarzt hat inzwischen sein eigenes Gerät. Grund: die Honorierung. Hier müsste angesetzt werden. Eine Halbierung der Vergütung würde wohl die schlimmsten Auswüchse verhindern. Schließlich bringt einmal Röntgen mehr Strahlung in den Körper als die jahrelange Arbeit in einem Kernkraftwerk.
2. aha?
rydd 21.01.2013
Interessante Behauptung. Gibt es eine Quelle für diese Aussage? Was bedeutet für Sie "einmal Röntgen"? Eine Hand? Einen Thorax? Klassisches Röntgen? CT? Viel relevanter scheint dies hier: Zwei 12,5h Flüge [...]
Zitat von n+1(es soll angeblich in Japan auch schlimm sein) wird so viel durchleuchtet wie in Deutschland. Röntgen gibt Geld. Der Radiologe ist an der Spitze der Verdienstpyramide, jeder Zahnarzt hat inzwischen sein eigenes Gerät. Grund: die Honorierung. Hier müsste angesetzt werden. Eine Halbierung der Vergütung würde wohl die schlimmsten Auswüchse verhindern. Schließlich bringt einmal Röntgen mehr Strahlung in den Körper als die jahrelange Arbeit in einem Kernkraftwerk.
Interessante Behauptung. Gibt es eine Quelle für diese Aussage? Was bedeutet für Sie "einmal Röntgen"? Eine Hand? Einen Thorax? Klassisches Röntgen? CT? Viel relevanter scheint dies hier: Zwei 12,5h Flüge bewirken in etwa die gleiche Strahlendosis wie eine RöThorax Aufnahme (Strahlenexposition - DocCheck Flexikon (http://flexikon.doccheck.com/de/Strahlenexposition#Nat.C3.BCrliche_Strahlenexposition)). Denn es gibt wohl mehr Flugzeuggäste als Kraftwerksarbeiter, nicht? ;-) Zum Artikel: Es ist, wenn natürlich auch etwas überzogen, viel Wahres dabei. Herzlichen Dank dafür.
3. Lobby bis ans Ende der Welt
perryhagedorn 21.01.2013
Solange Krankenkassen nicht auf die Idee kommen Ärzte einzustellen werden wir weiterhin bis ans Ende des Tunnels geführt wo Dunkelheit herrscht. Es vielen Ärtzen nicht darum den Patinent zu heilen sondern Kasse zu machen. Die [...]
Solange Krankenkassen nicht auf die Idee kommen Ärzte einzustellen werden wir weiterhin bis ans Ende des Tunnels geführt wo Dunkelheit herrscht. Es vielen Ärtzen nicht darum den Patinent zu heilen sondern Kasse zu machen. Die Verlockung der Pharmaindustrie sind sehr groß. Sehr groß. Ich weiss es.
4.
rrot 21.01.2013
Der Radiologe fordert keine Untersuchung an, sondern der Überweiser beim Radiologen. Eine Halbierung der Untersuchubgskosten führte also eher zu doppelter Untersuchungszahl (weil billiger anzufordern) als zu einer geringereren. [...]
Der Radiologe fordert keine Untersuchung an, sondern der Überweiser beim Radiologen. Eine Halbierung der Untersuchubgskosten führte also eher zu doppelter Untersuchungszahl (weil billiger anzufordern) als zu einer geringereren. Ein wenig Kenntnis vom System täte hier gut. Davon abgesehen haben Radiologen die höchsten Anschaffungs-, Erhaltungskosten und mit das höchste unternehmerische Risiko. Das soll und muss auch angemessen vergütet werden. "Abgesahnt" wird ohnehin nicht. Jeder dahergelaufene BWLer oder Jurist kann über ärztliche Vergütung nur schmunzeln. Überall und an allen Ecken und Enden wird unser Gesundheitssystem auf Wirtschaftlichkeit getrimmt. Alles wird Kosten-Nutzen-gegengerechnet und abgewogen. Aber Wehe der Arzt denkt einmal unternehmerisch! Dann ist der Aufschrei groß. Das ist doch paradox...
5. Quatsch
paddler0 21.01.2013
Jede Reise nach Malle bedeutetein x-Faches an Strahlen als ein Besuch beim Radiologen
Jede Reise nach Malle bedeutetein x-Faches an Strahlen als ein Besuch beim Radiologen

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