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28.01.2013
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Arbeitsrecht

Keine Extrawurst für Berufsanfänger

Corbis

Wer wird wohl den Job bekommen: Der Anfänger oder der Erfahrene?

Ein 36-Jähriger bewirbt sich auf eine Stelle als Trainee, kassiert eine Absage - und klagt: Er habe den Job nur wegen seines Alters nicht bekommen. Das darf nicht sein, bestätigt das Bundesarbeitsgericht. Warum dies das Ende der Stellenanzeigen für Berufsanfänger sein könnte, erklärt Arbeitsrechtler Stefan Kursawe.

Traineeprogramme gelten als Karrieresprungbrett für Hochschulabsolventen. Die Teilnehmer verdienen zwar im Zweifel weniger als bei "normalen" Festanstellungen, dafür winkt ihnen in gut strukturierten Programmen eine praxisnahe Ausbildung und im Idealfall die Eintrittskarte für den weiteren Karriereweg. Bislang galt, dass Unternehmen solche Stellen gezielt für Berufsanfänger ausschreiben dürfen. Doch das könnte sich durch ein aktuelles Urteil des Bundesarbeitsgerichts nun ändern (Az. 8 AZR 429/11).

Ein Krankenhaus hatte ein Traineeprogramm für Hochschulabsolventen/Young Professionals ausgeschrieben. Ein 36 Jahre alter Rechtsanwalt mit einiger Berufserfahrung bewarb sich, kassierte eine Absage - und klagte. Er berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung wegen des Alters verbietet. In den ersten beiden Instanzen war der Mann erfolglos.

Doch das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied nun: Eine Stellenausschreibung, die sich ausdrücklich an Hochschulabsolventen und Berufsanfänger richtet, kann ein Indiz für eine Altersdiskriminierung sein. Die Folge: Kann der Arbeitgeber keine anderen Sachargumente für die Kandidatenauswahl vortragen, können erfolglose Bewerber, bei denen vermeintlich das Alter den Ausschlag gab, eine Entschädigung verlangen. Das BAG hat den Fall nun an das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg zurückverwiesen. Das soll klären, warum der Kläger die Stelle nicht bekommen hat: War tatsächlich das Alter ausschlaggebend? Oder waren seine Examensnoten nicht gut genug?

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Arbeitsrechts-Urteile: Abgemahnt, gefeuert, geklagt
Richtig ist: Stellenausschreibungen, die sich gezielt nur an Hochschulabsolventen und Berufsanfänger richten, bevorzugen faktisch Jüngere und benachteiligen Ältere, wenngleich es natürlich nicht nur junge Absolventen gibt. An den Bedürfnissen der Arbeitswelt geht das Urteil des BAG dennoch vollkommen vorbei: Ein Traineeprogramm, das Absolventen gerade nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht, dient einer speziellen Förderung von Nachwuchskräften. Als künftige Führungskräfte sollen die Trainees wichtige Firmenbereiche und Personen in einem beschleunigten und strukturierten Zeitrahmen kennenlernen und sich selbst vorstellen. Traineeprogramme komplettieren also das Studium. Das hat auch die Vorinstanz im aktuellen Fall zutreffend festgestellt.

Absolventen ohne Berufserfahrung haben auf dem Arbeitsmarkt häufig einen Nachteil, weil viele Stellenausschreibungen - was bislang noch als zulässig angesehen wird - Berufserfahrung verlangen. Traineeprogramme für Berufsanfänger können diesen Nachteil nur für eine relativ geringe Zahl von Bewerbern kompensieren.

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Auch in Zukunft werden Unternehmen Traineeprogramme anbieten, um ihren Bedarf an künftigen Führungskräfte zu decken und Absolventen ein Hineinschnuppern in die unterschiedlichen Abteilungen zu ermöglichen. Ändern werden sich aber nun wohl die Stellenausschreibungen: Sie werden so formuliert sein müssen, dass sie sich an Nachwuchsführungskräfte jeden Alters richten.

Außerdem werden die Unternehmen sich zusätzlich absichern, indem sie noch stärker auf objektive Kriterien wie die Examensnoten setzen. Dass in der Praxis aller Erfahrung nach trotzdem bevorzugt Hochschulabsolventen direkt nach dem Examen genommen werden, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch ist dem Urteil vielleicht auch eine positive Seite abzugewinnen: Wenn Formulierungen, die ein Indiz für eine Altersdiskriminierung sein könnten, genauer unter die Lupe genommen werden, gehören Bezeichnungen wie "Young Professional" oder "Junior Project Manager" vielleicht bald der Vergangenheit an.

Forum

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insgesamt 26 Beiträge
1. Blanker Wahnsinn
j1958 28.01.2013
Demnächst wird die Bewerbung eines Müllwerkers auf eine Chefarztstelle noch genauestens analysiert und dokumentiert werden müssen. Lustigerweise sind gerade die Richter, die darüber entscheiden, aufgrund diverser Ausbildungs- [...]
Demnächst wird die Bewerbung eines Müllwerkers auf eine Chefarztstelle noch genauestens analysiert und dokumentiert werden müssen. Lustigerweise sind gerade die Richter, die darüber entscheiden, aufgrund diverser Ausbildungs- und Standesdünkel vor zu viel Wettbewerb geschützt. Aber auch hier gilt Orwell's Farm der Tiere: alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher als andere.
2.
sponner_hoch2 28.01.2013
Na toll. Nur dass das "Junior" darin mal gar nichts mit dem Alter zu tun hat. Ein bißchen Fremdsprachenkenntnisse kann man doch wohl erwarten, oder?
Zitat von sysopCorbisEin 36-Jähriger bewirbt sich auf eine Stelle als Trainee, kassiert eine Absage - und klagt: Er habe den Job nur wegen seines Alters nicht bekommen. Das darf nicht sein, bestätigt das Bundesarbeitsgericht. Warum dies das Ende der Stellenanzeigen für Berufsanfänger sein könnte, erklärt Arbeitsrechtler Stefan Kursawe. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/urteil-traineeprogramm-darf-nicht-nur-berufsanfaenger-ansprechen-a-879770.html
Na toll. Nur dass das "Junior" darin mal gar nichts mit dem Alter zu tun hat. Ein bißchen Fremdsprachenkenntnisse kann man doch wohl erwarten, oder?
3. 345345
kein Ideologe 28.01.2013
so, und nun erfinde ich noch die Qualifikationsdiskriminierung. Hatte ja schließlich nicht jeder die Chance zu studieren oder einen Beruf zu erlernen. Dafür kann man nicht ein ganzes Berufsleben lang benachteiligt werden. [...]
Zitat von sysopCorbisEin 36-Jähriger bewirbt sich auf eine Stelle als Trainee, kassiert eine Absage - und klagt: Er habe den Job nur wegen seines Alters nicht bekommen. Das darf nicht sein, bestätigt das Bundesarbeitsgericht. Warum dies das Ende der Stellenanzeigen für Berufsanfänger sein könnte, erklärt Arbeitsrechtler Stefan Kursawe. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/urteil-traineeprogramm-darf-nicht-nur-berufsanfaenger-ansprechen-a-879770.html
so, und nun erfinde ich noch die Qualifikationsdiskriminierung. Hatte ja schließlich nicht jeder die Chance zu studieren oder einen Beruf zu erlernen. Dafür kann man nicht ein ganzes Berufsleben lang benachteiligt werden. suchen Mitarbeiter/in Qualifikation egal Alter egal Geschlecht egal Teamfähigkeit egal Mobilität egal regelmässiges Erscheinen egal Sprachkenntnisse egal Religion egal Umgangsformen egal Die Arbeitsaufgabe wird, um ungeeignete Bewerber nicht zu diskriminieren, nicht mitgeteilt.
4. Junior-Putzfrau/mann
catcargerry 28.01.2013
Auch die Übersetzung mit "untergeordnet" leitet sich deutlich von der Ursprungsbedeutung "jünger" ab und löst bei jedem Leser, der femdsprachlich mehr als alberne Anglizismen kennt, entsprechende [...]
Zitat von sponner_hoch2Na toll. Nur dass das "Junior" darin mal gar nichts mit dem Alter zu tun hat. Ein bißchen Fremdsprachenkenntnisse kann man doch wohl erwarten, oder?
Auch die Übersetzung mit "untergeordnet" leitet sich deutlich von der Ursprungsbedeutung "jünger" ab und löst bei jedem Leser, der femdsprachlich mehr als alberne Anglizismen kennt, entsprechende Assoziationen aus. Man darf eben nicht einfach Leute suchen, die man braucht, sondern muss das breit anlegen und möglichst unauffällig den Mist aussortieren und seinen Bedarf decken. Leider ist dabei auch unvermeidlich, vielenguten aber nicht passenden Bewerbern unnötige Arbeit zu machen und demoralisierende Enttäuschungen zu bereiten.
5. Ein Rechtsanwalt
happlebee 28.01.2013
bewirbt sich und klagt. Er ist nur Rechtsanwalt weil er aufgrund seiner Benotung sich weder als Richter noch als Staatsanwalt bewerben konnte. Er meldet sich auf eine Stelle die der Förderung begabten Nchwuchses dient (und nicht [...]
bewirbt sich und klagt. Er ist nur Rechtsanwalt weil er aufgrund seiner Benotung sich weder als Richter noch als Staatsanwalt bewerben konnte. Er meldet sich auf eine Stelle die der Förderung begabten Nchwuchses dient (und nicht des Gerichtsfutters zu dem er es geschafft hat); Folge: unehrliche Stellenanzeigen, unnötige Bewerbungen, falsche Hoffnungen; aber er hatte immerhin seine 5 Minuten in der Sonne.

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Zum Autor

  • Stefan Kursawe ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Wirtschaftskanzlei Heisse Kursawe Eversheds. Er berät Unternehmen, Geschäftsführer und Vorstände in allen Fragen des Arbeitsrechts und ist Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig.

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