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25.02.2013
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Gehaltsreport

Arm dran ist, wer zu viel verdient

Von Christoph Stehr
Corbis

Spitzenverdiener haben es gut - außer wenn sie einen neuen Job suchen. Dann wird das hohe Gehalt zur Hürde beim Vorstellungsgespräch. Wer freiwillig verzichtet, macht sich verdächtig. Mit guten Argumenten kann man den Rückschritt als Fortschritt verkaufen.

Als Peter Molyneux noch Chef der europäischen Spieleentwicklung von Microsoft war, ging es ihm richtig gut: dickes Gehalt, fette Prämien, schickes Büro. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Und wenn er an einer Uni einen Vortrag hielt, eilte ihm der Ruf eines Gurus voraus. Ganz nebenbei räumte er alle Preise ab, die die Branche für Computerspiele bereithielt.

Eines Tages saß Molyneux in seinem Büro im englischen Guildford in den Sessel zurückgelehnt, die Augen geschlossen, Musik auf dem Kopfhörer, in Gedanken tief versunken in die Action-Welt eines seiner Spiele. Da merkte er, wie sich der Sessel bewegte. Er machte die Augen auf und sah die Frau, die jeden Monat vorbeikam und die Sitzposition korrigierte, damit die Guru-Bandscheiben bloß keinen Schaden nahmen. Molyneux wurde schlagartig klar, dass er bei Microsoft in einem "goldenen Käfig" saß, wie er es später in einem Interview mit der britischen Fachzeitschrift "Develop" nannte.

Und so breitete der kostbare Vogel die Flügel aus und flog davon. Das war im März 2012, inzwischen arbeitet Molyneux in seinem eigenen Studio.

Schönes Ruhekissen

Nach Angaben der US-Vergütungsberatung Payscale zahlt Microsoft mit die höchsten Gehälter in den USA. IT-Spezialisten ohne Berufserfahrung können mit 74.500 Dollar Einstiegsgehalt rechnen. Wer zehn Jahre Berufserfahrung hat, verdient knapp 114.000 Dollar. Die Softwareschmiede legt durchschnittlich 16 Prozent auf die marktübliche Vergütung drauf. Kein Wunder, dass Microsoft-Mitarbeiter in den Bewertungsportalen im Internet sehr häufig die Bestnote für ihren Arbeitgeber zücken.

Ein Top-Gehalt ist ein schönes Ruhekissen, auf dem viele Träume wahr werden - mein Haus, mein Auto, mein Boot. Das böse Erwachen folgt häufig erst bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. "Wir haben jeden Monat in unserer Coaching-Praxis mindestens einen Fall, bei dem jemand im goldenen Käfig festsitzt", sagt Jürgen Hesse, Gründer des bundesweit tätigen Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader. "Das sind hochqualifizierte Führungskräfte, die nach dem Studium mit vielleicht 45.000 Euro eingestiegen waren, drei, vier Jahre später nach ein, zwei Wechseln bei 70.000 bis 90.000 lagen, schnell die 100.000 geknackt haben und heute als Bereichsleiter oder CEO zwischen 200.000 und 250.000 verdienen. Wenn die, aus welchen Gründen auch immer, wechseln wollen oder müssen, wird es sehr schwierig."

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Hesse begleitet zurzeit einen Top-Manager, der es mit einer sehr speziellen Expertise zu einem Jahresgehalt von 200.000 Euro gebracht hat, allerdings im "gefährlichen" Alter von 50 plus. Sein Unternehmen bietet ihm den goldenen Handschlag an, doch der Mann fühlt sich zu jung für einen Lebensabend auf dem Golfplatz. "Ich muss ihm klarmachen, dass er nie wieder 200.000 Euro verdienen wird", sagt Hesse, "sondern sich glücklich schätzen darf, wenn er überhaupt eine Stelle bekommt und diese mit 100.000 bis 120.000 Euro vergütet wird."

Je höher eine Führungskraft in der Gehaltsliga klettert, desto tiefer droht sie bei einem Wechsel des Arbeitgebers zu fallen. Deutlich wurde das beim Platzen der Dotcom-Blase vor zehn Jahren, als hochdekorierte Internetspezialisten auf Normalgehälter von 60.000 bis 80.000 Euro zurechtgestutzt wurden - und froh waren, überhaupt in ihrer Branche bleiben zu können. "Manche brauchten ein Jahr und mehr, um diesen Rückschritt psychisch zu verkraften und ihren Lebensstandard anzupassen", erinnert sich Hesse. Die Dotcom-Veteranen mussten wenigstens nicht lange erklären, warum sie bereit waren, für weniger Geld zu arbeiten: Jeder wusste, wie schlecht es der Branche ging und dass der Jobverlust nichts über die Qualifikation der Bewerber aussagte.

Gesetz der Fallhöhe

Ist die Lage am Arbeitsmarkt dagegen ruhig, macht Bescheidenheit oft misstrauisch. Mancher Personaler unterstellt, dass jemand, der nur noch 80 Prozent seines früheren Gehalts bekommt, auch nur noch 80 Prozent Leistung bringt. Bewerber benötigen gute Argumente, um den finanziellen Verzicht zu begründen. Claudia Kimich, Verhandlungsexpertin und Karriere-Coach in München, berichtet von einer Bankerin, die nach der Elternpause nicht mehr als Führungskraft arbeiten wollte - inklusive Gehaltsabschlag: "Fragen wie 'Warum wollen Sie denn nicht Filialleiterin bleiben?' und Aussagen wie 'Sie sind ja überqualifiziert!' waren an der Tagesordnung. Allerdings lag die Erklärung in diesem Fall auf der Hand, dass nämlich aufgrund der familiären Situation angepasste Arbeitszeiten angestrebt wurden." Die Bank hatte schließlich ein Einsehen und gab der Frau einen Posten, der wenige Überstunden mit sich brachte.

Eine gute Strategie, um einen Rückschritt beim Gehalt plausibel zu machen, besteht darin, aus Sicht des Arbeitgebers zu argumentieren. Die Wiesbadener Trainerin Ute Bölke kennt mehrere solcher Fälle. Einem IT-Spezialisten, der die Branche wechseln wollte, weil vielerorts Positionen wie seine ins Ausland verlagert wurden, empfahl sie diese Argumentation: Ich will mich breiter aufstellen, bringe aber für die neue Aufgabe wenig Erfahrung mit, also muss das Unternehmen Zeit und Geld in meine Einarbeitung investieren und deshalb beteilige mich an den Kosten, indem ich ein niedrigeres Gehalt als in meiner früheren Position akzeptiere.

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In einem anderen Fall wollte eine Führungskraft nach einem Burnout einen Job ohne Personalverantwortung, vorzugsweise bei einem Arbeitgeber, der eine ausgeprägte Wertekultur lebte und die Mitarbeiter nicht verheizte. Auf Bölkes Rat schrieb die Klientin in ihre Bewerbung: "Es ist mir bewusst, dass dieser Schritt eine Verminderung meines Einkommens nach sich zieht. Dies ist eingeplant, machbar und mit meinem Partner abgestimmt." Ansonsten hob die Umsteigerin Qualifikationen und Erfahrungen hervor, die zur Stelle passten. Bölkes Fazit: "Mit gut durchdachter Argumentation und Offenheit ist ein solcher Schritt durchaus möglich, ohne als Verlierer dazustehen."

Schweigen ist Geld

Zur Verhandlungskunst zählt aber auch, offen und authentisch zu wirken, ohne zu viel preiszugeben. "Nach Möglichkeit lässt der Bewerber den künftigen Arbeitgeber im Unklaren darüber, wie hoch sein Einkommen genau war", sagt Hesse. Ab einer gewissen Gehaltsklasse sei die direkte Frage nach dem bisherigen Verdienst in Deutschland ohnehin unüblich. Unternehmen, die eine Führungskraft für 150.000 Euro im Jahr suchen, sind im Bewerbungsgespräch viel diskreter, als wenn sie einen Sachbearbeiterjob für 25.000 Euro zu vergeben haben.

Nach Hesses Erfahrung schlucken die meisten Arbeitgeber auf die Frage nach dem früheren Verdienst eine Antwort wie: "Mein bisheriges Gehalt liegt geringfügig über dem, was Sie mir angeboten haben." Dass "geringfügig" hier womöglich das Doppelte bedeutet, weiß allein der Bewerber - und der behält dieses Wissen schön für sich.


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Forum

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insgesamt 92 Beiträge
1.
AcrossTheUniverse 25.02.2013
Man ist endweder authentisch oder nicht. -Haltung vor Handlung-
Man ist endweder authentisch oder nicht. -Haltung vor Handlung-
2. optional
sprechweise 25.02.2013
Die Ursache des Fachkräftemangels ist in der Unfähigkeit und Einfältigkeit der Unternehmen, gerade auch der Personalabteilungen begründet. Leistung lohnt selten. Der Nasenfaktor dominiert. So bleibt Deutschland nicht [...]
Die Ursache des Fachkräftemangels ist in der Unfähigkeit und Einfältigkeit der Unternehmen, gerade auch der Personalabteilungen begründet. Leistung lohnt selten. Der Nasenfaktor dominiert. So bleibt Deutschland nicht Weltspitze. Die Gesellschaft wird insgesamt vom Wohlstand Abstand nehmen.
3. Beileid
urdemokrat 25.02.2013
Mir kommen die Tränen !
Mir kommen die Tränen !
4.
kdshp 25.02.2013
DAS geht ja garnicht und wer dann statt 5mil im jahr verlangt statt wie davor 7 oder 8mil der ist auch verdächtig sorry!
Zitat von sysopSpitzenverdiener haben es gut - außer wenn sie einen neuen Job suchen. Dann wird das hohe Gehalt zur Hürde beim Vorstellungsgespräch. Wer freiwillig verzichtet, macht sich verdächtig. Mit guten Argumenten kann man den Rückschritt als Fortschritt verkaufen. Gehaltsreport: Spitzenverdiener haben es bei Jobwechsel schwer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/gehaltsreport-spitzenverdiener-haben-es-bei-jobwechsel-schwer-a-884742.html)
DAS geht ja garnicht und wer dann statt 5mil im jahr verlangt statt wie davor 7 oder 8mil der ist auch verdächtig sorry!
5. Es sind...
grenoble 25.02.2013
...seit Jahrzehnten, die gleichen dummen Sprüche, seit Jahrzehnten der gleiche untaugliche Versuch der Anbiederei. Und natürlich weis der Personaler nicht was alle Spatzen von den Dächern pfeifen, die mehr oder weniger [...]
Zitat von sysopIch will mich breiter aufstellen, bringe aber für die neue Aufgabe wenig Erfahrung mit, also muss das Unternehmen Zeit und Geld in meine Einarbeitung investieren und deshalb beteilige mich an den Kosten, indem ich ein niedrigeres Gehalt als in meiner früheren Position akzeptiere. Gehaltsreport: Spitzenverdiener haben es bei Jobwechsel schwer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/gehaltsreport-spitzenverdiener-haben-es-bei-jobwechsel-schwer-a-884742.html)
...seit Jahrzehnten, die gleichen dummen Sprüche, seit Jahrzehnten der gleiche untaugliche Versuch der Anbiederei. Und natürlich weis der Personaler nicht was alle Spatzen von den Dächern pfeifen, die mehr oder weniger abgewandelten stereotypen Sprüche der Bewerber. Es spielt hier im übrigen keine Rolle in welchem Gehaltsegment sich die angebotene Arbeit befindet.

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