Lade Daten...
24.02.2013
Schrift:
-
+

Reklamehersteller

Den Bus habe ich beklebt!

TMN/ Andreas Monning

Mal eben 80 Limousinen für eine Filmpremiere mit Folie bekleben - und in der selben Nacht wieder abrüsten: Schilder- und Lichtreklamehersteller machen alle Arten von Oberflächen bunt. Und sind damit weit mehr als die Handlanger der Werbeagenturen.

David Lange setzt Plexiglasplatten zusammen, es sollen hunderte werden. Was jetzt noch auf seiner Werkbank liegt, wird später müden Gästen helfen, nach Hause zu finden: Die Platten werden als Schilder neben den Zimmertüren in einem Hotel hängen.

Noch bevor David Lange fertig ist, kennt er schon seinen nächsten Auftrag: Er muss den großen Drucker für die Produktion eines Werbebanners einrichten. Lange ist bei der Berliner Firma Furore Azubi als Schilder- und Leuchtreklamehersteller.

Innerhalb der dreijährigen Ausbildung fasziniert ihn ein Bereich besonders, in dem es um Papierposter, Textilbanner und bedruckte Folien geht: "Ich spezialisiere mich im Digitaldruck", sagt der 26-Jährige. Alternativ hätte er sich auch auf Technik, Montage und Werbeelektrik konzentrieren können.

Doch egal welcher Schwerpunkt, in dem Beruf fällt viel Arbeit am Computer an. So muss Lange zum Beispiel immer überprüfen, ob die vom Auftraggeber übermittelten Daten im richtigen Format vorliegen und die benötigte Auflösung aufweisen. Falls es notwendig ist, muss er an den Daten noch Korrekturen vornehmen.

Denglisch-Quiz - Lost in Translation
Das ist nicht alles: Lange hat sich auch mit Bildbearbeitungs- und Malprogrammen beschäftigt. "Ich kann jetzt Digitaldruckverfahren anwenden, weiß aber auch, wie man Messe- und Ausstellungsstände herstellt." In der Berufsschule hat Lange eigene Logos entworfen und musste ganze Kommunikationskonzepte entwickeln und präsentieren. "Der Job ist kreativ und abwechslungsreich", sagt er.

Das bestätigt auch Produktionsleiterin Andrea Gellert: "Man arbeitet mit verschiedensten Materialien und Geräten." Beispielsweise müssen Objekte aus Holz oder Keramik beschriftet, aber auch Oberflächen aus Metall oder Glas bedruckt werden. "Und die Branche wird laufend vielfältiger", beobachtet Martina Gralki vom Zentralverband für Werbetechnik (ZVW). Ständig kämen neue Maschinen und Techniken hinzu: Neuerdings seien durch das vollflächige Bekleben von Autos oder die Lichtgestaltung mit LED-Technik ganz neue Märkte entstanden.

"Man findet eigentlich überall Arbeit"

Arbeitsplätze nach der Ausbildung gibt es deshalb viele verschiedene: Vor allem bei Firmen der Werbetechnik, bei Kongressveranstaltern oder Firmen im Bereich Fahrzeugbeschriftung. Darüber hinaus können sie aber auch in Druckereien für Siebdruck oder in Montagebetrieben für Lichtreklame arbeiten. "Und auch bei Zulieferern gibt es Jobs", sagt Martina Gralki. "Die Werbebranche ist groß und bunt und wird immer vielfältiger. Man findet eigentlich überall Arbeit." Und wer noch weiterlernen möchte, geht an die Hochschule: Gut sei etwa, im Anschluss Betriebswirtschaftslehre zu studieren oder als Grafikdesigner den gestalterischen Bereich zu vertiefen.

Wer Schilder- und Lichtreklamehersteller werden möchte, sollte sich für Technik begeistern und handwerkliches Geschick beweisen. "Und man muss mit dem Computer umgehen können", sagt Andrea Gellert. In der Produktion geht es nicht ohne Teamarbeit und die Azubis müssen auch bereit sein, flexible Arbeitszeiten hinzunehmen: "Es kommt vor, dass für die Verleihfeier eines Filmpreises 80 Autos beklebt und direkt nach der Veranstaltung wieder von den Folien befreit werden müssen." Dann sei die gesamte Belegschaft auch abends und am Wochenende im Einsatz. "Körperliche Fitness braucht man übrigens auch", ergänzt David Lange. Längere Strecken zurücklegen, zügig Treppensteigen oder auf Leitern klettern muss den Werbemittelherstellern leicht fallen. Mitunter müsse man auch schwere Plakatballen oder Aufstellerteile tragen.

Die Stadt mitgestalten

Für ihre Arbeit bekommen Azubis im ersten Ausbildungsjahr laut Bundesagentur für Arbeit durchschnittlich 460 Euro. Im zweiten Ausbildungsjahr sind es 520, im dritten Ausbildungsjahr 610 Euro. Später bekommen die tariflich beschäftigten Schilder- und Lichtreklamehersteller laut ZVW 13,30 Euro brutto in der Stunde.

David Lange ist bald so weit, in Kürze hat er seine Abschlussprüfung. Mit der Wahl des Berufes ist er immer noch sehr zufrieden. Das Umfeld der Werbebranche findet er spannend, langweilig wird es nie: "Man muss sehr sorgfältig arbeiten und kniffelige Probleme lösen", erklärt Lange. Vor allem dann, wenn ein Projekt aus vielen Einzelschritten besteht und einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Eine besondere Motivation sei aber das Gefühl, die eigene Stadt mitzugestalten und der Stolz, wenn ein Bus vorbeifährt, den er selbst beklebt hat.

Andreas Monning/dpa/mia

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 10 Beiträge
1. optional
freeride4ever 24.02.2013
putzig ein H.I.M. Fan ;)... dass es die noch gibt
putzig ein H.I.M. Fan ;)... dass es die noch gibt
2. Chemie - Folien und Druckfarben
lalito 24.02.2013
Stinkendes Dreckszeug, macht auf Dauer auch das Hirn weich - wer das mag . . . ;-(
Stinkendes Dreckszeug, macht auf Dauer auch das Hirn weich - wer das mag . . . ;-(
3. Wie meine Freunde aus der Tintenbranche immer sagen:
Dr. Clix 24.02.2013
"Das ist alles biologisch abbaubar...leider nur in der Leber!" Wenn es gut belüftet zugeht kein Problem. Auf einer Messe wurden mir die biologischen Tinten (Milchtinten aufEsterbasis) mal vorgeführt und die Verkäuferin [...]
"Das ist alles biologisch abbaubar...leider nur in der Leber!" Wenn es gut belüftet zugeht kein Problem. Auf einer Messe wurden mir die biologischen Tinten (Milchtinten aufEsterbasis) mal vorgeführt und die Verkäuferin zeigte mir das Ergebnis ist genauso farbig wie haltbar und "riechen sie mal...es riecht nicht". Später wurde ich dann wieder von meinen Freunden aus der Tintenfabrik aufgeklärt:" Das Problem ist, dass es nicht riecht. Wenn Du etwas riechst weisst Du dass es gefährlich sein kann, wenn Du nichts riechts kriegst halt Kopfschmerzen und dein Krankenbett!"
4. der war gut
lalito 24.02.2013
. . . und luftdichte Zargesbox im Auto, claro. Na denn, wenn es nur die Tinten wären - da sind ja noch die Kleber auf der anderen Seite der Folien . . . Unter dem Gesichtspunkt Ressourcenverbrauch will ich von dem Sinn oder [...]
Zitat von Dr. Clix"Das ist alles biologisch abbaubar...leider nur in der Leber!" Wenn es gut belüftet zugeht kein Problem. . . .
. . . und luftdichte Zargesbox im Auto, claro. Na denn, wenn es nur die Tinten wären - da sind ja noch die Kleber auf der anderen Seite der Folien . . . Unter dem Gesichtspunkt Ressourcenverbrauch will ich von dem Sinn oder Unsinn einer Beklebung von 80 "Limos" für einen Tag gar nicht erst anfangen, was'n Dreck . . .
5.
iweriwo 24.02.2013
Hab in dieser Branche gelernt, war vor fast 3 Jahren mit der Ausbildung fertig. Auch Digitaldruck, Folienkram. Bin 1 Jahr später in eine Werbeagentur umgestiegen. Die Tinten sind hochgiftig, Lösemittel, wo man nicht weiß was in [...]
Hab in dieser Branche gelernt, war vor fast 3 Jahren mit der Ausbildung fertig. Auch Digitaldruck, Folienkram. Bin 1 Jahr später in eine Werbeagentur umgestiegen. Die Tinten sind hochgiftig, Lösemittel, wo man nicht weiß was in der Tinte genau für Inhaltsstoffe sind. UV-Tinte ist übrigens noch schlimmer, neben dem "Sonnenbrand" in den Augen wenn man ohne UV-Schutz Brille prüft, ist UV Farbe giftiger. Man kann Lüften wie man will, den Gestank kriegt man nicht raus. Vor allem man muss ja aufpassen, das Luftfeuchte passt damit das Farbergebnis immer korrekt ist. Werbebanner die am ende mit Hochfrequenzschweiß Anlagen konfektioniert werden, wo man Impotent wird... Ich bereue den Schritt nicht!

Empfehlen

Fotostrecke

Verwandte Themen

Die Werbebranche

Deutschlands Werber
Corbis

In der deutschen Werbebranche arbeiten Schätzungen zufolge mehrere hunderttausend Menschen, viele davon als Freiberufler. Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ging im Jahr 2006 von gut 130.000 Stellen in den Werbeagenturen hierzulande aus.
Die Agenturlandschaft
Rund 3000 Werbeagenturen sind im deutschen Handelsregister eingetragen. Über 100 davon - vor allem die großen der Branche - haben sich im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) zusammengeschlossen. Zwei Drittel der GWA-Agenturen haben 2010 neue Mitarbeiter eingestellt. Wichtigster Kunde der Werber war im vergangenen Jahr die Autoindustrie.

Insgesamt gibt es bundesweit mehr als 10.000 Werbeagenturen. Der Großteil beschäftigt nur eine Handvoll Angestellter; bei vielen übertrifft der Umsatz laut GWA nicht einmal die Schwelle von 250.000 Euro im Jahr.

Die Riesen der Branche
Marktführer ist die Firma Serviceplan. Das Münchner Unternehmen erreichte im Ranking der größten unabhängigen und inhabergeführten Werbeagenturen, das die Branchenmagazine "Horizont" und "w&v" ermittelten, den ersten Platz. Serviceplan beschäftigte demnach 2010 im Jahresmittel rund 1000 Mitarbeiter, erzielte einen Netto-Honorarumsatz von 145 Millionen Euro und wuchs damit um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den folgenden Plätzen: Scholz & Friends (1500 Mitarbeiter, Umsatz 122 Millionen Euro); Media Consulta (334 Mitarbeiter; Umsatz 75 Millionen Euro); Jung von Matt (581 Mitarbeiter; Umsatz 64,3 Millionen Euro); Dialogfeld (245 Mitarbeiter; Umsatz 29 Millionen Euro).
Jung & weiblich
58 Prozent des Agenturpersonals sind laut einer GWA-Studie aus dem Jahr 2009 Frauen. Es ist eine sehr junge Branche: Fast die Hälfte der Mitarbeiter (46 Prozent) ist der Umfrage zufolge 30 Jahre oder jünger.

Tobias Lill

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Wo geht's denn hier zur Werbung?

Ausbildung
Corbis

In der Werbung können junge Menschen in ganz verschiedenen Bereichen anheuern. Die Kreativabteilungen suchen zum Beispiel Werbetexter oder Grafiker; im Beratungsbereich bilden Agenturen unter anderem ihre Marketing- oder Strategieexperten aus. Zudem gibt es auch Event- oder Mediaplaner, die etwa Zeitschriften oder TV-Sender im Blick haben.
Genau hinschauen
Im Gegensatz zu den meisten Branchen gibt es in der Werbewirtschaft keinen Ausbildungstarifvertrag. Gewerkschafter raten deshalb, bei der Auswahl eines Traineeplatzes genau hinzusehen. Oft bieten nur großen Agenturen gute Möglichkeiten zur Aus- und Fortbildung an. So können Trainees bei Serviceplan "berufsbegleitend an zahlreichen Veranstaltungen des internen Weiterbildungs-Programms teilnehmen"; Scholz&Friends stellt Trainees zudem persönliche Mentoren zur Seite. Der Andrang ist groß: Auf eine Trainee-Stelle kommen oft 20 Bewerber.
Zugang und Studium
Einen reglementierten Ausbildungsweg gibt es nicht, die Werbebranche ist auch für Quereinsteiger offen. Potentielle Texter können sich im Copy-Test, einer Art Textwettbewerb, für eine Agentur empfehlen. Der Trend zur Akademisierung ist aber deutlich, immer mehr Agenturen erwarten studierte Bewerber. In den Kreativbereich führen diese Studiengänge: Grafik-, Kommunikations- oder Mediendesign - oder der Besuch einer Texterschule. Dem Beratungsbereich nähert man sich durch: BWL oder Wirtschaftswissenschaft mit Schwerpunkt Marketing; Medien- oder Kommunikationswissenschaften; Medienwirtschaft, Medien- oder Eventmanagement; auch Psychologie oder Soziologie.
Bachelor oder Master?
Für Werber muss es kein Master-Abschluss sein, der Bachelor kann durchaus reichen. Für vier von fünf vom GWA befragten Agenturen spielt es keine Rolle, ob der Bewerber einen Bachelor- oder Masterabschluss hat (bzw. Diplom, Magister). Ein Serviceplan-Sprecher sagt: "Entscheidend ist die Praxiserfahrung, die man während des Studiums - etwa durch Praktika - gesammelt hat."
Praktika
"Der Einstieg ist am einfachsten über ein Praktikum", sagt ein Sprecher von Scholz & Friends. Bei manchen Firmen sind diese Schnupper-Monate mittlerweile sogar unerlässlich für eine spätere Festanstellung. "Praktika sind gerade seit dem Vormarsch des Bachelors immer verbreiteter", sagt auch GWA-Sprecher Mirco Hecker. Viele Praktika dauern drei oder sechs Monate, manche aber auch ein ganzes Jahr - und nicht alle sind vergütet. Zu lange Praktika ohne jede Bezahlung sollten Interessenten nicht akzeptieren. Tobias Lill

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles zum Thema Werbekampagnen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten