02.05.2012
Existenzgründer
Die Löffel am Fördertopf
Von Eva-Maria Simon
Junge Gründer: Faszinierende Idee - aber wie bringt man's der Bank bei?
Frank Heyduck weiß, wovon er redet. Wenn er Menschen beim Schritt in die Selbständigkeit berät, spricht er auch aus eigener Erfahrung. Im vergangenen Jahr hat er sein Beratungsunternehmen gegründet. Vorher war er lange als Berater angestellt, dann wurde er arbeitslos. Zum Neustart brauchte er nicht viel - eigentlich nur ein Auto für die weiten Strecken in seinem Einsatzgebiet rund ums brandenburgische Strausberg.
Heyduck ging zu seiner Bank und beantragte einen Kredit von der Förderbank KfW. "Der Bankmitarbeiter wollte sehr viel von mir wissen über die geplanten Ausgaben, Umsätze und Aufträge", erinnert er sich. Bei ihm ging alles gut, doch im Gespräch mit Kunden stellt er immer wieder fest: "Wenn sie sich nicht rechtzeitig um die Finanzierung kümmern, geht ihr ganzes Projekt nicht auf."
Deutschland tut so viel für Existenzgründer wie kaum ein anderes Land. Das haben Forscher der Universität Hannover und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit festgestellt, im "Global Entrepreneurship Monitor" von 2010. Die regelmäßige Studie basiert auf 5500 Telefonbefragungen und 40 Experteninterviews. Die öffentlichen Förderprogramme für Existenzgründer bekamen dabei gute Noten. In einer Gruppe von 22 vergleichbaren Industrieländern schnitt nur die Schweiz besser ab.
Allein die Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr 900 Millionen Euro für Gründerkredite ausgegeben; das Geld stammt ursprünglich aus dem Marshall-Plan (European Recovery Program, ERP) zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Für Arbeitslose gibt es den Gründungszuschuss oder das Einstiegsgeld. Bund und Länder unterstützen außerdem Bürgschaftsbanken, die wiederum Darlehen ermöglichen für Menschen, die keine ausreichenden Sicherheiten vorweisen können. Auch Mikrokredite, bekannt aus Entwicklungsländern wie Bangladesch, sollen mit Staatshilfe in Deutschland populär werden.
Viele wissen nicht, worauf es der Bank ankommt
Doch trotz allem kritisiert ein großer Teil der Experten aus dem Global Entrepreneurship Monitor, die Finanzierungsmöglichkeiten seien immer noch elementare Hindernisse für Gründer. Die staatlichen Programme zur Unterstützung neuer und wachsender Unternehmen seien nur mittelmäßig wirkungsvoll. Berater sagen: Viele Gründer sind nicht ausreichend vorbereitet, deshalb kommen sie nicht an die Fördertöpfe ran.
"Viele Gründer haben eine gute Idee, aber sie wissen häufig nicht, worauf es im Bankgespräch ankommt", sagt Sebastian Alexander Schütz, Referatsleiter für Unternehmensfinanzierung beim Dachverband der Industrie- und Handelskammern (DIHK). Für seinen aktuellen Gründerreport hat der Verband 320.000 Kontakte mit angehenden Unternehmern ausgewertet und festgestellt: 51 Prozent der Kunden in der Gründungsberatung haben sich zu wenige Gedanken über das Alleinstellungsmerkmal ihrer Geschäftsidee gemacht.
46 Prozent schätzen Startinvestitionen und laufende Kosten zu niedrig ein. Die meisten kommen aus der Arbeitslosigkeit; gerade ihnen fällt es oft schwer, andere zu überzeugen. Doch das müssen sie. Nicht nur, wenn sie ein Darlehen von einer privaten Bank brauchen. Auch über die Förderkredite der KfW entscheidet die Hausbank. Und wer sich als Arbeitslosengeld-I-Empfänger selbständig machen will, muss neuerdings seine Arbeitsagentur überzeugen: Seit Jahresanfang ist der Gründungszuschuss eine Ermessensleistung; die Vermittler entscheiden je nach Fall darüber.
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Schattenseiten von Firmengründern: Narzissten, Machiavellisten, subklinische PsychopathenEine Stellungnahme von Berater oder Kammer zum Gründungskonzept könne aber helfen, die Bank zu überzeugen. Und wenn auch das nichts nützt? Dann solle man nicht gleich aufgeben, sondern nach dem Grund fragen: "Nutzen Sie diese Angaben um Ihr Konzept nochmals zu überarbeiten und einer anderen Bank erneut vorzustellen."
Das Geschäft mit Gründern ist für Banken nun einmal riskant, denn diese können oft kein ausreichendes Eigenkapital und Sicherheiten vorweisen. In solchen Fällen springt die KfW mit ihrem Startgeld ein: Sie nimmt den Banken 80 Prozent des Risikos ab für den Fall, dass der Kreditnehmer nicht zurückzahlen kann. Eine ähnliche Funktion erfüllen die Bürgschaftsbanken: Sie bürgen für kleine oder mittlere Unternehmen, denen es an eigenen Sicherheiten mangelt.
Warum ein Mikrokredit nützlich sein kann
Doch auch wenn der Staat einen großen Teil des Risikos trägt, stehen Kleingründer bei den Banken oft vor verschlossener Tür. "Bei weniger als 10.000 Euro lohnt sich für sie der Verwaltungsaufwand nicht", sagt Berater Heyduck. In solchen Fällen empfiehlt er einen Mikrokredit. Dabei umgehen die Gründer die Hausbank; stattdessen bekommen sie das Darlehen von einem Mikrofinanzinstitut.
Diese Finanzierer, sie heißen etwa Mikrofinanzagentur Thüringen oder Minerva Mikrokredit, beraten die Gründer auch intensiv. Der Staat sichert die Darlehen über den Mikrokreditfonds Deutschland ab. Das Modell könnte für viele geeignet sein: Die KfW hat festgestellt, dass 80 Prozent der Gründer mit externem Finanzbedarf für den Start weniger als 25.000 Euro brauchen.
Wer dagegen große Geldsummen benötigt, etwa für ein Technologieunternehmen, für den kann Beteiligungskapital statt Kredit eine Option sein: Ein Investor stellt einen Teil des Kapitals bereit, verlangt dafür aber Rendite und Mitspracherechte. Auch solche Modelle fördert die KfW, indem sie etwa den Investor mit einem Darlehen refinanziert oder als Co-Investorin auftritt. Für Kleingründer ist das allerdings nichts: "Beteiligungskapitalgeber haben gerade bei Gründungen oftmals eine hohe Renditeerwartung. Diese kann bei mehr als 20 Prozent im Jahr liegen", sagt DIHK-Experte Schütz, "das muss man erst mal stemmen."
Finanzbedarf: Oft gibt es eine positive Überraschung
Es mangelt jedenfalls nicht an Möglichkeiten, Geld für den Unternehmensstart zu bekommen. Trotzdem empfiehlt Berater Frank Heyduck seinen Kunden: "Man sollte zunächst überlegen, wie viele eigene Mittel man einsetzen kann." Wer viel Eigenkapital mitbringt, ist weniger abhängig von Banken und erhöht seine Kreditwürdigkeit für die Zukunft. "Manchmal kann es auch sinnvoll sein, ein Darlehen bei Familienmitgliedern aufzunehmen", sagt Heyduck, "allerdings birgt das natürlich auch Konfliktpotential."
Am wichtigsten sei es jedenfalls, den Finanzbedarf früh auszurechnen. Dabei könnte so manchen sogar eine positive Überraschung erwarten: Der KfW-Gründungsmonitor zeigt, dass rund 80 Prozent der Gründer ganz ohne externe Mittel auskommen.
