21.05.2012
Berufseinstieg mit Bachelor
Was ist mein Abschluss wert?
Von Britta MerschMit dem Berufseinstieg hatte Sarah Stuberg, 25, keine Probleme. Schon während ihres Bachelor-Studiums an der Uni Köln hatte sie bei Douglas gearbeitet, kurz vor ihrem Abschluss wurde sie gefragt, ob sie nicht als Trainee in der Online-Kommunikation anfangen wolle. Sie schrieb eine Bewerbung, hatte ein Vorstellungsgespräch und konnte direkt nach ihrem Studium mit dem Job beginnen. Bei Douglas kümmert sie sich jetzt um den Auftritt des Unternehmens in den sozialen Medien.
Dass sie nicht sofort eine unbefristete Stelle bekam, sondern als Trainee eingestellt wurde, stört Sarah Stuberg nicht: "Das machen Diplom- oder Master-Studenten ja auch." Außerdem seien die Übernahmechancen gut. Und nur den wenigsten Kommilitonen in ihrem Freundeskreis sei es gelungen, direkt nach dem Bachelor-Studium eine Festanstellung zu bekommen: "Die meisten machen erst ein Praktikum oder ein Trainee, viele schließen auch direkt den Master an."
Stubergs Beobachtungen decken sich mit den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft und des Hochschul-Informations-Systems: Viele Studenten fühlen sich mit dem Bachelor nicht gut auf den Beruf vorbereitet und wollen sich mit einem Master weiterqualifizieren, bevor sie in den Job starten. Die Hochschulen hatten ursprünglich damit gerechnet, dass nur ein Drittel der Bachelor-Absolventen den Master dranhängt. Es sind mehr als doppelt so viele.
Die Unsicherheit darüber, was der Bachelor in der Wirtschaft wert ist, hängt auch damit zusammen, dass der neue Abschluss sehr radikal eingeführt wurde. "Die Universitäten sind sofort auf sechs Semester Regelstudienzeit gegangen, an den Fachhochschulen war man vorsichtiger", sagt Kolja Briedis vom Hochschul-Informations-System. An den Fachhochschulen gebe es auch viele Bachelor-Studiengänge mit sieben Semestern, der Bruch zum alten System sei dort also nicht ganz so heftig verlaufen.
Der Bachelor qualifiziert noch nicht für den Master
Ob der Berufseinstieg gelingt, hängt vor allem von der Fachrichtung ab. Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure kommen in der Regel gut unter. Mathematiker, Informatiker oder Naturwissenschaftler brauchen aber mindestens den Master, wenn nicht sogar eine Promotion, um sich erfolgreich bei Arbeitgebern zu bewerben. Schließlich steigen sie direkt in die Forschung ein und übernehmen seltener Projektaufgaben als ihre Kommilitonen aus anderen Studiengängen.
Studentenvertreter fordern die Hochschulen deshalb auf, noch einmal nachzubessern und den Bachelor-Absolventen den Rücken zu stärken: "Viele Fakultäten haben sich keine Gedanken darüber gemacht, welche Qualifikationen sie den Studierenden vermitteln müssen, damit sie nach sechs Semestern ihr Berufsleben beginnen können", sagt Salome Adam, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften. "Die Hochschulen sollten einen Mittelweg zwischen Berufsbefähigung und Wissenschaft finden."
Druck entsteht auch, weil der Übergang zum Master noch längst nicht reibungslos funktioniert. Salome Adam hat in Leipzig Biochemie auf Bachelor studiert. Obwohl es in ihrem Fach ohne Master kaum Jobs gibt, müssen viele um einen Platz im weiterführenden Studiengang bangen: Der Bachelor allein qualifiziert nämlich noch nicht für den Master.
Wenn das Profil passt, ist der Abschluss egal
"Die Universitäten legen zum Beispiel fest, wie viele Credit Points, also Leistungspunkte, sie in einem Teilbereich erwarten", sagt Adam. So habe sie nachweisen müssen, dass sie im Bachelor-Studium jeweils 40 Credit Points in Biologie, Biochemie und Chemie erworben hat: "So schließen die Universitäten Studierende aus, die nach einem anderen Modell studiert haben, ganz zu schweigen von FH-Absolventen."
Selbst manchen Uni-Rektoren wird das jetzt zu bunt. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, macht sich stark für eine Übergangsquote von 100 Prozent. Und auch die Studenten haben keine Lust mehr, um einen Master-Platz zu bangen: "Vor allem, weil wir wissen, dass wegen der hohen Zugangshürden auch viele Plätze frei bleiben", sagt Salome Adam.
Die Sorgen der Studenten können viele Personalchefs nicht nachvollziehen. Für die Erhebung des Stifterverbandes wurden 1500 Firmen per Fragebogen und 45 Unternehmensvertreter telefonisch nach ihren Einstellungen zu Bachelor und Master befragt: "Viele von ihnen betonen, dass die Art des Abschlusses nicht unbedingt darüber entscheidet, für welche Einstiegsposition ein Bewerber vorgesehen ist", sagt Ann-Katrin Schröder, beim Stifterverband verantwortlich für den Programmbereich Hochschule und Wirtschaft. Wichtiger als der Abschluss sei das Gesamtprofil: Auslandserfahrung, Praktika, gesellschaftliches Engagement.
"Bachelor-Absolventen sollten darüber nachdenken, ob sie den Master wirklich brauchen", sagt Schröder. Wer den Berufseinstieg wagt, kann sich später noch weiter qualifizieren. So wie Sarah Stuberg, der eine Karriere à la Bologna gelungen ist. Über den Master möchte sie ohnehin erst in ein paar Jahren nachdenken: "Das Thema Social Media ist schon sehr spezialisiert. Da brauchen die Unis bestimmt noch ein bisschen, bis sie dafür ein gutes Angebot haben."


