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06.12.2012
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Unternehmens-Ranking

Die besten Karriereseiten

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Große deutsche Firmen umgarnen Bewerber jetzt mit Spielen, Videos und bunten Bildchen. Nur auf E-Mails antworten sie selten. Ein neues Ranking zeigt, welche Unternehmen sich im Web am besten präsentieren.

Vanessa lässt sich mit einem Klick umziehen. Zur Auswahl stehen Kittel und Kochmütze, beigefarbener Pulli und Trekkinghose oder lilafarbene Bluse und Jeans. Was macht diese Frau - ist sie IT-Beraterin, Köchin oder Agrarwissenschaftlerin? Und arbeitet sie in Antwerpen, Rom oder Limburgerhof? Das Berufe-Quiz hat sich Vanessas Arbeitgeber ausgedacht: Der Chemiekonzern BASF will damit potentielle Bewerber auf Facebook ködern.

Ein innovativer Ansatz und ein positives Beispiel für Firmenmarketing in sozialen Netzwerken, findet Christian Berens, Chef von NetFederation. Die Kölner Unternehmensberatung hat die Karriereseiten von 100 großen deutschen Unternehmen untersucht: Wie übersichtlich und nutzerfreundlich sind sie? Gibt es Einstellungstests zum Üben? Werden soziale Netzwerke einbezogen? Und wie schnell ist die Reaktion auf E-Mails?

Insgesamt 80 Kriterien wurden bewertet, 1000 Punkte gab es zu sammeln. Sieger wurde Otto mit 863 Punkten, vor der Deutschen Postbank und Daimler mit je 852 Punkten. BASF landete trotz des gepriesenen Facebook-Spielchens mit Anziehpuppe nur auf Platz sechs. Im Durchschnitt kamen die Firmen auf rund 600 Punkte.

"Die Möglichkeit der Online-Bewerbung bieten mittlerweile fast alle Unternehmen, aber vor allem beim Service gibt es noch Defizite", sagt Berens. Zum Test war für die Studie zeitgleich an alle Firmen eine E-Mail verschickt worden, in der eine Schulabgängerin um Hilfe für ein Referat bat. Sie wollte wissen, wie das Unternehmen zu anonymisierten Bewerbungen steht. Und erwähnte in einem Nebensatz, dass sie demnächst auch einen Ausbildungsplatz suche. Von den 100 Firmen antworteten ihr nur 23. "In Zeiten, in denen Bewerber dringend gesucht werden, kann man sich das eigentlich nicht leisten", sagt Berens.

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Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?
Ranking-Sieger Otto konnte mit seiner übersichtlichen Seitengestaltung und dem Direkteinstieg in die Jobsuche punkten. Hier bemängelten die Tester vor allem das Fehlen eines Beispiel-Eignungstests. Bei der Postbank lobten sie die umfassenden Informationen, vermissten aber einen Erinnerungsdienst, durch den Bewerber erfahren, wenn eine für sie interessante Stelle ausgeschrieben wird.

Auf Jobsuche mit dem Smartphone

Auf der Seite von Daimler suchten die Tester vergeblich nach Argumenten, warum man sich bei dem Autobauer bewerben sollte. "Allein ein toller Firmenname reicht dem Bewerber heutzutage nicht mehr", sagt Berens. "Hier werden bei vielen Unternehmen Chancen vertan." Nur knapp ein Drittel der untersuchten Firmen versucht auf ihrer Webseite, Bewerber von sich zu überzeugen.

Punkten konnte Daimler aber auf einem anderen Gebiet: Die Karriereseite ist auch mit dem Handy gut nutzbar. Mit diesem Problem haben sich 83 der 100 Firmen offenbar noch gar nicht beschäftigt. Pluspunkte gab es auch für Firmenvideos und Mitarbeiterblogs - zwei Formate, die allerdings statt Begeisterung auch gern mal Häme, Spott und intensives Fremdschämen auslösen können: Wer will schon der Belegschaft beim Rappen, Tanzen, Schnipsen zuschauen - oder PR-Texte von Trainees lesen?

"Die Inhalte können und wollen wir nicht bewerten", sagt Berens. In der Studie habe er sich den Firmenwebseiten ganz objektiv nähern wollen. Punkte für besonders gelungene Spiele, Videos oder Blogs habe man nicht vergeben, "weil bei dieser Bewertung immer subjektive Faktoren eine Rolle spielen".

NetFederation ist nicht die einzige Beratungsfirma, die Karriereseiten bewertet. So hat im vergangenen Februar Potentialpark ebenfalls untersucht, welche großen deutschen Unternehmen die beste Figur machen. Hier gewann der Medizinkonzern Fresenius vor dem Finanzmulti Allianz und Otto. Insgesamt schnitten die Unternehmen recht gut ab, sie geben sich viel Mühe mit möglichst attraktiven Präsentationen.

Tipps fürs Jobinterview: "Erwähnen Sie das besser nicht"

Auch die NetFederation-Tester haben einige Highlights entdeckt, etwa das Video eines Kollegen-Flashmobs bei Bayer (Betriebsjubiläum; Kollege Karlheinz ist seit 40 Jahren dabei) oder das Blog von Daimler, in dem auch Themen wie Mutterschutz diskutiert werden. Und natürlich das Job-Ratespiel von BASF. Das wirft jedoch noch eine ganz andere Frage auf: Wie viele persönliche Informationen darf ein Unternehmen über mögliche Bewerber sammeln?

Um den Beruf der hübschen Vanessa erraten zu dürfen, müssen die Spieler der BASF-Facebook-Applikation den Zugriff auf ihre Facebook-Nutzerkennnummer, auf Profilnamen und -bild, Geschlecht, Netzwerke und Freundesliste erlauben. Und den "Gefällt mir"-Button schon drücken, bevor das Spiel überhaupt startet.

Mehr als 12.000 Likes sind so für die Karriereseite des Chemiekonzerns schon zusammengekommen. Ein Trick, der sich für die Personaler lohnen dürfte: Je mehr Leute die Seite als Liebling bei Facebook deklarieren, desto schneller verbreitet sich eine Stellenanzeige unter möglichen Bewerbern. "So trifft man genau die Zielgruppe der Schüler und Studenten", sagt Berens.

Stark beeindruckt hat die Tester die Offenheit von RWE. Der Energiekonzern listet auf der Webseite beliebte Interviewfragen auf - und gibt dazu gleich freimütig Tipps, was man im Vorstellungsgespräch antworten sollte. Der letzte Job war total öde? Das Projekt ist gescheitert, weil Sie einen groben Fehler gemacht haben? Und ob Sie wirklich zu RWE wollen, wissen Sie noch gar nicht, weil Sie noch andere Bewerbungen laufen haben? "Erwähnen Sie das besser nicht", empfiehlt RWE.

Unternehmens-Ranking: Die besten Karriereseiten im Netz

Platz Firma Punkte
1 Otto 863
2 Deutsche Postbank 852
2 Daimler 852
4 Fresenius 842
5 Bertelsmann 830
6 Bayer 829
6 BASF 829
8 Boehringer Ingelheim 823
9 ThyssenKrupp 806
10 Henkel 801
10 Deutsche Telekom 801
12 Siemens 800
13 RWE 796
14 Ergo 777
15 Tui 772
15 Allianz 772
17 Deutsche Post 776
18 BMW 751
19 Volkswagen 733
20 Commerzbank 732
21 Hannover Rückversicherung 731
22 BP Europa 727
23 SAP Deutschland 727
24 Lufthansa 721
24 Heraeus Holding 721
26 Continental 704
27 Vattenfall 697
28 Deutsche Shell Holding 691
29 Robert Bosch 687
29 Münchner Rückversicherung 687

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insgesamt 4 Beiträge
1. Deutsche Postbank?
rolandharry 06.12.2012
Am 5.12. 2012 habe ich den Bericht von Stern-TV über die Deutsche Postbank und deren Tochterunternehmen gesehen. Was nützt es, wenn man da eine Stelle bekommt und anschließend in übelster Drückerkolonnenmanier vor allem alte [...]
Am 5.12. 2012 habe ich den Bericht von Stern-TV über die Deutsche Postbank und deren Tochterunternehmen gesehen. Was nützt es, wenn man da eine Stelle bekommt und anschließend in übelster Drückerkolonnenmanier vor allem alte Leute um ihr Erspartes bringen soll. Mein Vorschlag an die Deutsche Postbank für eine Werbekampagne: Kunde fragt: "Wie komme ich mit Ihrer Hilfe zu einem kleinen Vermögen?" Anwort: "Indem Sie uns ein sehr großes Vermögen anvertrauen?"
2. Werbung ...
Feindbild_Mensch 07.12.2012
für die Großunternehmen? Ich bewerte Übersichtlichkeit und einfaches Bewerberportal. Ein professioneller Clip von den unterschiedlichen BUs des Hauptgeschäftsfelds. Für Naturwissenschaftler ist wohl FuE und Produktion [...]
für die Großunternehmen? Ich bewerte Übersichtlichkeit und einfaches Bewerberportal. Ein professioneller Clip von den unterschiedlichen BUs des Hauptgeschäftsfelds. Für Naturwissenschaftler ist wohl FuE und Produktion interessant und ein kurzes Video bringt mir mehr als hübsche Pop-Ups und die Standard-Compliance-Phrasen des HR-Managments. Das findet man meist hervorragend umgesetzt bei kleineren Unternehmen - wie immer der Mittelstand bekommt von den Medien nicht die nötige Aufmerksamkeit. Schade darum.
3. Arbeitgeber Rankings
malwin433 07.12.2012
Ein solches Ranking, dass nach nachvollziehbar wissenschaftlichen Kriterien die Arbeitgeber und deren Stellenportale rankt, ist definitiv ein begrüßenswerte Ergänzung zu den sog. Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie kununu, [...]
Ein solches Ranking, dass nach nachvollziehbar wissenschaftlichen Kriterien die Arbeitgeber und deren Stellenportale rankt, ist definitiv ein begrüßenswerte Ergänzung zu den sog. Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie kununu, www.evaluba, http://www.jobvoting.de & Co und wie sie alle heißen, bei denen man anhand der oftmals doch recht wenigen Bewertungen nur die subjektiven Eindrücke einiger Mitarbeiter sammeln kann. Dadurch entsteht kein wirklich Gesamteindruck. Solche Rankings, wie sie jetzt z.b. NetFederation durchgeführt haben, sind da um einiges besser, weil informativer, transparenter und vor allem objektiver!
4. optional
malwin433 07.12.2012
Ein solches Ranking, dass nach nachvollziehbar wissenschaftlichen Kriterien die Arbeitgeber und deren Stellenportale rankt, ist definitiv ein begrüßenswerte Ergänzung zu den sog. Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie kununu, [...]
Ein solches Ranking, dass nach nachvollziehbar wissenschaftlichen Kriterien die Arbeitgeber und deren Stellenportale rankt, ist definitiv ein begrüßenswerte Ergänzung zu den sog. Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie kununu, www.evaluba, http://www.jobvoting.de & Co und wie sie alle heißen, bei denen man anhand der oftmals doch recht wenigen Bewertungen nur die subjektiven Eindrücke einiger Mitarbeiter sammeln kann. Dadurch entsteht kein wirklich Gesamteindruck. Solche Rankings, wie sie jetzt z.b. NetFederation durchgeführt haben, sind da um einiges besser, weil informativer, transparenter und vor allem objektiver!

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