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05.02.2013
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Firmen auf Bewerberjagd

Die besten Karriereseiten

Von
Corbis

Wie ködern Firmen die besten Bewerber? Heute vor allem: Mit einer ausgefuchsten Internetpräsenz. Eine Studie zeigt, wie schwer das ist, neuerdings gehört auch ein Mobilauftritt dazu. Auf den rasanten Wandel reagieren Fresenius, Telekom und ThyssenKrupp am besten.

Manche Unternehmer haben eben erst verstanden, dass da draußen eine digitale Revolution im Gang ist: Das Internet, das sie eigentlich nur für eine Mode gehalten haben, will einfach nicht mehr verschwinden. Und irgendwie nutzen es immer mehr Menschen für die ulkigsten Sachen. Während sie früher - so die antiquierte Vorstellung - nur ein paar belanglose Elektrobriefe an Freunde geschrieben und illegal Musik geladen haben, erledigen sie nun ihre Bankgeschäfte digital, kaufen Autos und Häuser, und suchen sogar ihren nächsten Arbeitgeber im Netz.

Wer noch auf diesem Stand verharrt, dem dürften viele talentierte junge Leute erst gar nicht über den Weg laufen - geschweige denn, dass sie sich in seinem Unternehmen bewerben. Denn eine neue Studie zeigt, dass die Mitarbeiter von Morgen schon wieder einen Schritt weiter sind. Für sie ist nicht nur das Internet das Medium, das ihnen bei der Jobsuche hilft. Immer lieber nutzen sie dafür Handys oder Tabletcomputer wie das iPad, und das verändert die Lage erneut dramatisch.

Wie jedes Jahr hat die Unternehmensberatung Potentialpark die Bewerberkommunikation zahlreicher europäischer Unternehmen untersucht und gefragt: Wie übersichtlich und informativ sind die Internetauftritte? Wie gut sind die Angebote auf die Bedürfnisse einer jungen Zielgruppe zugeschnitten, die die Weichen für die eigene Karriere stellt? Dazu wurden in Deutschland 407 Infoangebote von 142 Arbeitgebern untersucht und gut 2000 Studienabgänger nach ihren Erwartungen befragt.

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Top Ten der Online-Kommunikation: Welche Konzerne am geschicktesten Bewerber ködern
Eins der Ergebnisse: Während im Vorjahr noch 9 Prozent der Studenten mit einem Mobilgerät auf Jobsuche gegangen sind, tun es 2013 schon 13 Prozent. Vielleicht noch wichtiger: 48 Prozent würden gerne diesen Weg gehen, tun es aber noch nicht, weil sie die Angebote der Unternehmen bislang für ungeeignet halten.

Man muss den Arbeitgebern zu Gute halten, dass sich das Feld sehr schnell wandelt. Vor wenigen Jahren ging es nur um Stellenausschreibungen im Internet, heute findet im Idelfall das gesamte Bewerbungsverfahren dort statt. Bevor Studenten aber persönliche Informationen auf einen Firmenserver hochladen, wollen sie sich informieren, ob ihnen der Arbeitsalltag in der Firma zusagen könnte. Sie wollen Fragen stellen, ohne sich schon festlegen zu müssen. So kamen nach und nach die sozialen Netzwerke wie Facebook und Xing ins Spiel.

Julian Ziesing von Potentialpark stellt fest: "Es gibt kein Unternehmen, das auf allen Kanälen der Bewerberkommunikation perfekt agiert." Aber es gibt Konzerne, die alles in allem schon sehr gut sind - siehe das Ranking am Ende des Artikels. Am besten gelungen finden die Studienautoren die Personalansprache von Fresenius, Deutsche Telekom und ThyssenKrupp. Und während die beiden erstplatzierten bereits früher schon gut abschnitten, hat ThyssenKrupp in diesem Bereich beachtlich zugelegt - um 12 Plätze.

Das ist typisch: Alle Unternehmen müssen in diesem Bereich lernen, immer wieder neu, weil sich das Feld so stark verändert. So hat die Verwendung von Facebook beispielweise um 10 Prozentpunkte zugelegt: 71 Prozent der Befragten erwarten einen Arbeitgeberauftritt dort. Nur: Es ist nicht sinnvoll, die Inhalte der übrigen Karriereseiten des Unternehmens zu kopieren, denn Facebook funktioniert anders. Wer dort Interesse wecken will, muss Inhalte anbieten, die Facebook-Nutzer gerne ihren Freunden zeigen. Als Beispiel sagt Ziesing: "Mein Freund hat ein Foto eines Karriere-Events der Firma XY geteilt - das interessiert mich auch!" Im Idealfall werden dann die Statusmitteilungen des Unternehmens abonniert.

Beim handygerechten Online-Auftritt sieht Ziesing den größten Spielraum. Von 142 Arbeitgebern in Deutschland haben nur 36 eine eigene Mobilseite.

Unternehmens-Ranking: Die besten Online-Präsenzen 2013

Platz Firma Punkte Diff.
1 Fresenius 81,8
2 Deutsche Telekom 80,8
3 ThyssenKrupp 71,9
4 Allianz 70,9
5 Ernst & Young 69,1
6 Daimler 66,9
7 Accenture 66,8
8 Bertelsmann 66,4
9 Bayer 65,8
10 Deutsche Post DHL 64,4
11 Rohde&Schwarz 62,5
12 Bosch 61,9
13 BASF 60,7
14 BMW 60,6
15 Henkel 60,5
16 zeb/ 60,2
17 Roche 59,3
18 Eismann 58,9
19 PwC 58,7
20 Continental 58,0
21 Datev 57,8
22 Postbank 56,6
23 Otto 56,4
24 Volkswagen 56,1
25 Intel 56,0
26 Commerzbank 55,4
27 Merck 55,2
28 Deutsche Bank 54,7
29 RWE 54,2
30 Siemens 53,9

Potentialpark OTaC Study 2013

Forum

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insgesamt 11 Beiträge
1.
Wololooo 05.02.2013
Was bringt es, wenn man trotz 100% Eignung dann vergessen wird und auf Nachfrage (nach 2 Monaten) dann eine lieblos formulierte Absage erhält? (passiert bei Thyssen Krupp). Bei den meisten guten Absolventen ist es so, dass [...]
Was bringt es, wenn man trotz 100% Eignung dann vergessen wird und auf Nachfrage (nach 2 Monaten) dann eine lieblos formulierte Absage erhält? (passiert bei Thyssen Krupp). Bei den meisten guten Absolventen ist es so, dass die Firma, die als erstes eine Zusage rausschickt auch genommen wird, und damit die besten Leute erhält. Unternehmensberatungen, aber auch Bosch haben dies gelernt und geben innerhalb 1-2 Wochen Rückmeldung und bei Abnlehnung auf Nachfrage sogar Feedback.
2.
Arne Steinhoff (Dipl-Kfm) 05.02.2013
Von Feedback kann man derzeit nur träumen, in gut 1/3 der Fälle wird nicht einmal mehr eine Eingangsbestätigung formuliert. Oftmals dienen die Online-Portale nur dazu Bewerber abzuschrecken, da man seine Details mühsam in [...]
Von Feedback kann man derzeit nur träumen, in gut 1/3 der Fälle wird nicht einmal mehr eine Eingangsbestätigung formuliert. Oftmals dienen die Online-Portale nur dazu Bewerber abzuschrecken, da man seine Details mühsam in Masken eingeben muss, bei denen die passende Kategorie dann auch noch fehlt. Auf Individualität und andere Merkmale wird - trotz Beteuerungen andererseits - sowie kein Wert gelegt. Solche Aussagen und andere wie, dass Exoten geschätzt sollten getrosst vergessen werden, wenn die HR die Hälfte der Kandidaten mit Sortierung nach Nicht-BWL/Jura/Mint und Abitur >2.3 im ersten Gang aussortiert.
3. Märchenwelt
mk84 05.02.2013
Ja klar, wieder das Mantra von den "besten Bewerbern" und dem "Fachkräftemangel" und der "Jagd auf gute Nachwuchskräfte". Es werden insbesondere bei den hier vorgestellten Unternehmen Bewerber mit [...]
Ja klar, wieder das Mantra von den "besten Bewerbern" und dem "Fachkräftemangel" und der "Jagd auf gute Nachwuchskräfte". Es werden insbesondere bei den hier vorgestellten Unternehmen Bewerber mit schnurgeraden Lebensläufen, hoher Anpassungsfähigkeit und Ja-Sager-Qualitäten gesucht und nicht die Firmen liefern sich irgendwelche Wettbewerbe, sondern die Absolventen untereinander - heute schon in der Grundschule. Mich als Bewerber interessiert auch weder ein Facebook-Auftritt, noch die Mobilseite, sondern einzig und allein ein faires, transparentes Auswahlverfahren mit raschen und nachvollziehbaren Zu- oder Absagen. Gerne auch Bewerbungen in anonymisierter Form, ohne Altersangaben und Foto. Lustig ist ja auch, dass immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter durch Personalmanagementfirmen rekrutieren lassen, welche noch weniger nach tatsächlicher Eignung und Wissenshorizont aussieben. Wie all diese großen Unternehmen zukünftig noch Innovation und Ideen hervorbringen möchten, ist mir bei der Personalauswahl sowieso ein Rätsel.
4. Hmmm
Leser161 05.02.2013
Bertelsmann auf Platz 9? Das lässt sich jetzt ein bisschen an der Studie zweifeln. Zwar haben die ein gaannzz tolles Bewerberportal aber Usability ist eher mau, dann schon lieber PDF an die Personalabteilung mailen, das hat man [...]
Bertelsmann auf Platz 9? Das lässt sich jetzt ein bisschen an der Studie zweifeln. Zwar haben die ein gaannzz tolles Bewerberportal aber Usability ist eher mau, dann schon lieber PDF an die Personalabteilung mailen, das hat man da, das funktioniert.
5. Was für ein Käse
seldonia 05.02.2013
Schön dass nach dieser tollen Studie einige Firmen schon ganz toll - sehr gut - beim Thema Bewerberkommunikation abschneiden. Allerdings könnte man vermuten, dass diese Studie - wie auch der Artikel in Gänze - denjenigen [...]
Schön dass nach dieser tollen Studie einige Firmen schon ganz toll - sehr gut - beim Thema Bewerberkommunikation abschneiden. Allerdings könnte man vermuten, dass diese Studie - wie auch der Artikel in Gänze - denjenigen Bewerbern, denen offenbar vergessen wurde überhaupt zu antworten, nicht weiterhilft.

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