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27.02.2013
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Jobs für Informatiker

Wir können Autos, Waschmaschinen und Medizin

Von Peter Ilg
dapd

Informatiker arbeiten in Computerfirmen? Von wegen, kaum ein Berufsbild ist so vielseitig. Weil immer mehr Produkte mit Software gesteuert werden, sucht die Industrie nach IT-Spezialisten. Optimale Aussichten für Studenten - sie müssen nur ihren Abschluss schaffen.

Wenn der Computer beim Schreiben einer E-Mail abstürzt, ist das ärgerlich, kostet aber höchstens mehr Zeit. Wenn die Software einer Infusionspumpe im Krankenhaus versagt, kann das Leben kosten. Christian Mauro, 32, weiß das. Der Informatiker entwickelt Software für Infusionspumpen beim Medizintechnikhersteller B. Braun in Melsungen.

Mauro hat an der TU München Informatik studiert. Schon während des Studiums interessierte er sich für Medizintechnik. In Vorlesungen hörte er von bildgebenden Untersuchungsverfahren wie etwa Computertomografie und von der elektronischen Gesundheitskarte. "Während des Studiums entwickelte sich die Medizintechnik für mich zum spannendsten Anwendungsgebiet der Informatik", sagt er. Also promovierte er in Medizininformatik, seit Oktober 2011 ist er bei B. Braun.

Mit ihm arbeiten dort etwa 150 Informatiker. Zwei Drittel von ihnen haben klassische IT-Aufgaben und sorgen für einen möglichst reibungslosen Betrieb der Elektronik. Die anderen 50 entwickeln die Produkte. "Wir brauchen immer mehr Informatiker in der Produktentwicklung, weil der Software-Anteil in den Geräten steigt", sagt Personalchef Jürgen Sauerwald.

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Und die Software muss reibungslos funktionieren. In einer bestimmten Zeit eine bestimmte Medikamentenmenge zu verabreichen, das ist Standard. Neue Therapieformen verlangen aber mittlerweile auch nach neuen Funktionen: In einigen Behandlungsmethoden wird zum Beispiel nach bestimmten Zeitmodellen injiziert oder nur zu Beginn einer Therapie mehr gespritzt, um möglichst rasch eine hohe Medikamentenkonzentration im Körper des Patienten zu erreichen. Danach soll die Injektionsmenge abflachen. All das müssen neue Infusionspumpen können.

Jedes dritte Stellenangebot von Bosch hat IT-Bezug

Gleichzeitig unterliegt die Software in medizinischen Geräten hohen Sicherheitsanforderungen. "Deshalb verwenden wir zwei Prozessoren, die sich gegenseitig kontrollieren", sagt Mauro. Sollte einer der beiden nicht richtig funktionieren, warnt ein Sicherheitssystem das Krankenhauspersonal.

Und nicht nur in der Medizintechnik werden immer mehr Informatiker gebraucht, auch bei der Herstellung von Autos, Waschmaschinen, im Maschinenbau oder in der Logistik nimmt der Bedarf an IT-Spezialisten zu. Bei Bosch hat inzwischen jedes dritte Stellenangebot einen Bezug zur Informatik. Damit hat sich die Industrie zu einem Arbeitsumfeld entwickelt, das für Informatiker ebenso bedeutend ist, wie die Unternehmen der IT-Branche selbst.

"Die meisten unserer Absolventen gehen in die Industrie", beobachtet auch Ulrich Klauck, Studiendekan im Fachbereich Informatik an der Hochschule Aalen. Probleme, irgendwo unterzukommen, hätten die Absolventen nicht: "Jeder findet leicht einen Job", sagt er. Tatsächlich können sich Informatiker zumeist ihren Arbeitsplatz aussuchen. So ging es auch Michael Freisinger: Der 25-Jährige hatte sich gegen Ende seines Informatikstudiums an der Hochschule Nürnberg bei sechs Unternehmen beworben und erhielt direkt mehrere Zusagen.

Nur die Hälfte schafft den Abschluss

Der IT-Verband Bitkom in Berlin hat im vergangenen Herbst Unternehmen dazu befragt. Diese meldeten 43.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte. Und auch in der IT-Branche selbst sind 2012 rund 10.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Tausende weitere neue Jobs sollen in diesem Jahr dazukommen.

Kein Wunder, dass so viele Studenten wie noch nie derzeit in Informatik eingeschrieben sind, fast 51.000 waren es 2012 deutschlandweit. Dieser Rekord hat aber auch eine Schattenseite: Nur jeder zweite Studienanfänger schafft einen Abschluss. "Viele wissen nicht wirklich, was auf sie zukommt. Sie beginnen ihr Studium mit falschen Vorstellungen", sagt Ulrich Klauck. So mancher scheitere an der Mathematik und dem notwendigen Abstraktionsvermögen.

Und gute Berufsaussichten hat nur, wer bis zum Ende durchhält: "Wir werden in diesem Geschäftsjahr rund tausend Mitarbeiter einstellen, von denen die allermeisten Informatiker sein sollen", sagt Simone Wamsteker, Leiterin Recruiting in der Deutschland-Zentrale von Accenture in Kronberg im Taunus. Der international tätige IT-Dienstleister bemerkt trotz hoher Studentenzahlen noch immer einen Mangel an Informatikern in Deutschland: "Leider haben in den vergangenen Jahren die Absolventenzahlen der Informatik nicht im gleichen Maß zugenommen, wie sich die Nachfrage nach Fachkräften in der Wirtschaft entwickelt hat", sagt Wamsteker.

Arbeitsmarktexperten halten dem entgegen: Spezialisten sind immer Mangelware.

Forum

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insgesamt 15 Beiträge
1. Das typische blabla
backslash0 27.02.2013
immer dieser Fachkräftemangel. Das wird auch posaunt wenn es überhaupt keinen gibt - damit man sich die Sahnehäubchen raus suchen kann.
immer dieser Fachkräftemangel. Das wird auch posaunt wenn es überhaupt keinen gibt - damit man sich die Sahnehäubchen raus suchen kann.
2.
soldev 27.02.2013
Kein Wunder, dass Accenture kaum jemanden findet - so langsam hat auch der letzte Informatiker mitbekommen wie das bei denen läuft ;-)
Zitat von backslash0immer dieser Fachkräftemangel. Das wird auch posaunt wenn es überhaupt keinen gibt - damit man sich die Sahnehäubchen raus suchen kann.
Kein Wunder, dass Accenture kaum jemanden findet - so langsam hat auch der letzte Informatiker mitbekommen wie das bei denen läuft ;-)
3. Optional
SunSailor 27.02.2013
Dann zeig doch mal die ganzen fähigen Programmierer, die auf der Strasse rumlungern... In allen Unternehmen, in denen ich bisher war, waren Programmierer immer das Wachstumshemnis, häufig ich der einzige Bewerber. Und es [...]
Zitat von backslash0immer dieser Fachkräftemangel. Das wird auch posaunt wenn es überhaupt keinen gibt - damit man sich die Sahnehäubchen raus suchen kann.
Dann zeig doch mal die ganzen fähigen Programmierer, die auf der Strasse rumlungern... In allen Unternehmen, in denen ich bisher war, waren Programmierer immer das Wachstumshemnis, häufig ich der einzige Bewerber. Und es liegt sicherlich nicht am Lohn oder sonstigen - denn der war den nicht bewerbenden ja erst gar nicht bekannt...
4. Stimmt, aber ...
midnight_okay 27.02.2013
es stimmt schon, daß einem als "Kern-Informatiker" alle Branchen erstmal offen stehen, wobei auch die Arbeitgeber den Absolventen im Bewerbungsgespräch schon nach einschlägigen Erfahrungen fragen. Aber hat man sich [...]
es stimmt schon, daß einem als "Kern-Informatiker" alle Branchen erstmal offen stehen, wobei auch die Arbeitgeber den Absolventen im Bewerbungsgespräch schon nach einschlägigen Erfahrungen fragen. Aber hat man sich erstmal für eine Branche entschieden und ein paar Jahre Erfahrungen gesammelt, ist es auch für einen Informatiker schwierig oder gar unmöglich, die Branche zu wechseln.
5.
alles zwecklos 27.02.2013
Dem kann ich nur voll zustimmen. Ich selbst musste nach 15 Jahren in derselben Branche umsteigen und die Software einer ganz anderen Branche betreuen. Das war praktisch ein kompletter Neuanfang: Andere Hardware, komplett [...]
Zitat von midnight_okayes stimmt schon, daß einem als "Kern-Informatiker" alle Branchen erstmal offen stehen, wobei auch die Arbeitgeber den Absolventen im Bewerbungsgespräch schon nach einschlägigen Erfahrungen fragen. Aber hat man sich erstmal für eine Branche entschieden und ein paar Jahre Erfahrungen gesammelt, ist es auch für einen Informatiker schwierig oder gar unmöglich, die Branche zu wechseln.
Dem kann ich nur voll zustimmen. Ich selbst musste nach 15 Jahren in derselben Branche umsteigen und die Software einer ganz anderen Branche betreuen. Das war praktisch ein kompletter Neuanfang: Andere Hardware, komplett andere System- und Branchensoftware, andere Entwicklungs- und Testumgebung, andere Programmiersprachen, ganz andere Datenbankstrukturen usw. Dann kommt man als schon etwas älterer Mitarbeiter, von dem man reichlich Berufserfahrung erwartet, in ein relativ junges Team, und muss feststellen, dass ein Großteil der Berufserfahrung schlagartig so gut wie wertlos geworden ist. Die jungen Kollegen sind dann zunächst fachlich haushoch überlegen. Eine nicht ganz einfache Situation!

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