Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Stellenanzeige für polnische Pfleger in Großbritannien

"Brexit-Sorgen? Kommen Sie nach Deutschland!"

Die Uni-Klinik Düsseldorf wirbt in Großbritannien um Pflegekräfte - und setzt auf die Ängste polnischer Angestellter vor dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Getty Images

Pflegepersonal (Symbolbild)

Freitag, 08.02.2019   21:05 Uhr

Gesundheit- und Krankenpfleger werden in der Uniklinik Düsseldorf dringend gesucht. Ob in der Kinderklinik, der Gynäkologie, der Anästhesie oder im OP: Das Krankenhaus sucht über sein Stellenportal für etliche Abteilungen jede Menge Fachpersonal.

"Alle Krankenhäuser in Deutschland sind verzweifelt auf der Suche nach Pflegekräften, auch die Uniklinik Düsseldorf", sagt Krankenhaus-Sprecher Tobias Pott - und begründet damit eine ungewöhnliche Stellenanzeige.

Das Krankenhaus wirbt in Großbritannien um Pflegepersonal - und setzt auf die Brexit-Ängste der Angestellten. "Brexit-Sorgen? Kommen Sie nach Deutschland!", heißt es in Anzeigen der Uniklinik, die sie in zwei polnischsprachigen britischen Zeitungen veröffentlicht hat.

In Großbritannien bereiten sich tausende Unternehmen mit Notfallplänen auf einen ungeregelten Brexit vor, jedes dritte britische Unternehmen sieht sich wegen des für Ende März vorgesehenen EU-Austritts zu Verlagerungsplänen gezwungen. Viele EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten, sind beunruhigt.

"Wir haben den kürzeren Weg nach Polen"

In der Anzeige verspricht die Klinik Pflegerinnen und Pflegern nicht nur "die Sicherheit eines EU-Staates", sondern wirbt augenzwinkernd auch mit anderen Vorteilen, die der Arbeitsplatz in Düsseldorf biete. "Wir haben nicht nur die bessere Bezahlung, die besseren sozialen Leistungen und bessere Arbeitszeiten. Wir haben auch das bessere Wetter, das bessere Essen und den kürzeren Weg nach Polen."

Es sei nicht das erste Mal, dass die Uniklinik im Ausland Mitarbeiter suche, sagt Sprecher Pott. Vor einigen Jahren habe das Krankenhaus spanische Pflegekräfte umworben, als in dem Land die Wirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreichte habe. Polnische Pflegekräfte seien auch deshalb für die Klinik besonders interessant, weil viele von ihnen schon Deutschkenntnisse hätten, sagt Pott.

sun/dpa

insgesamt 46 Beiträge
kumi-ori 08.02.2019
1.
Es ist schön, wenn wir Pflegekräfte aus Krisenländern wie Spanien und Großbritannien abziehen können, aber ganz allgemein ließe sich der Pflegenotstand in Deutschland rasch beheben, wenn wir ein angemessenes Einkommen zahlen [...]
Es ist schön, wenn wir Pflegekräfte aus Krisenländern wie Spanien und Großbritannien abziehen können, aber ganz allgemein ließe sich der Pflegenotstand in Deutschland rasch beheben, wenn wir ein angemessenes Einkommen zahlen würden. Bei einer Vollzeit-Krankenpflegefachkraft mit zehn Jahren Berufserfahrung sollte beim Monatsgehalt vorne eine "4" stehen, und die Altenpflegekraft sollte nicht wesentlich darunter liegen. Es geht nicht nur darum, ob die Fachpflegekräfte, die eine lange Ausbildungsdauer hinter sich haben, "so viel Geld brauchen". In der Höhe des Gehalts spiegelt sich eben auch immer noch die Wertschätzung der Gesellschaft für einen Mitarbeiter wieder, und wenn die Gesellschaft sagt: Krankenschwester, du bist uns ungefähr genauso viel Wert wie eine Aushilfsschreibkraft im Büro, dann sagt die Krankenschwester eben: Gesellschaft, dann wirst du mich auch nicht vermissen, wenn ich in die Pharma wechsle, oder in eine Versicherung, denn die zahlen mir deutlich mehr.
janos71 08.02.2019
2. Märchen aus D für polnische Fachkräfte
Zitat: "Wir haben nicht nur die bessere Bezahlung, die besseren sozialen Leistungen und bessere Arbeitszeiten. Wir haben auch das bessere Wetter, das bessere Essen und den kürzeren Weg nach Polen." Ist schon klar [...]
Zitat: "Wir haben nicht nur die bessere Bezahlung, die besseren sozialen Leistungen und bessere Arbeitszeiten. Wir haben auch das bessere Wetter, das bessere Essen und den kürzeren Weg nach Polen." Ist schon klar die polnischen Fachkräfte fahren mal eben so 600km weiter Richtung Westen weil in D eigentlich alle Bedingungen besser sind. Für wie blöd hält man die polnischen Fachkräfte in England eigentlich. Sicherlich der Weg von Düsseldorf per Auto nach Polen ist kürzer aber das Gehalt in D dürfte längst nicht mit den Verdienstmöglichkeiten in England mithalten. Das Wissen nicht nur polnische Fachkräfte sondern auch viele andere Experten aus dem Ausland. D hat in West- und Nordeuropa ein eher bescheidenes Lohnniveau/Lebensstandard. Wäre es anders würden uns die Fachkräfte aus DK, NL, GB, NOR, CH, A, IRL, FIN, ... die Bude einlaufen. Die sind in aber in D eine sehr seltene Ausnahme.
Lontrax 08.02.2019
3. exit
Ganz egal wie es ausgeht. Der Depp ist der Steuerzahler in Länder wie Polen, der dafür lohnt diese Pfleger auszubilden, selber aber nix davon hat, weil sie dann in die "Premium" EU Länder gehen um zu arbeiten. Diese [...]
Ganz egal wie es ausgeht. Der Depp ist der Steuerzahler in Länder wie Polen, der dafür lohnt diese Pfleger auszubilden, selber aber nix davon hat, weil sie dann in die "Premium" EU Länder gehen um zu arbeiten. Diese wiederum sparen an Ausbildungskosten und holen sich fertig ausgebildete Billigarbeitskräfte. Diese EU dient wirklich nur noch einer handvoll Reichen in einer handvoll reichen Ländern. Wenn sich die EU nicht reformiert, wird es bald mehrere xxx-exits geben, begleitet von saftigen Gelbwestenprotesten.
nurEinGast 08.02.2019
4. nun ja
keine Ahnung, wieso das ne Meldung wert ist. In einer globalisierten Welt gibts nunmal keine Grenzen- erst recht nicht in der Arbeitswelt. Und so ist es einfach nur folgerichtig und logisch, auch ein England Werbung zu machen. [...]
keine Ahnung, wieso das ne Meldung wert ist. In einer globalisierten Welt gibts nunmal keine Grenzen- erst recht nicht in der Arbeitswelt. Und so ist es einfach nur folgerichtig und logisch, auch ein England Werbung zu machen. Schliesslich gibts dort ein riesiges Potential für neue Kollegen- und die Engländer wollen die Ausländer ja eh aus dem Land haben. So gesehen führt hier die Globalisierung zu einer win-win-win-Situation. Die Uniklinik gewinnt neue Mitarbeiter, die polnischen Pfleger eine neue Arbeitsstätte und die Engländer werden die ungeliebten Ausländer los.
Bell412 09.02.2019
5. Na endlich!
Hat es mal eine Organisation begriffen, wo wir sinnvollerweise um Arbeitskräfte werben, bevor es alle anderen tun.
Hat es mal eine Organisation begriffen, wo wir sinnvollerweise um Arbeitskräfte werben, bevor es alle anderen tun.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP