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Duisburg

Chefin von Behindertenwerkstatt kassierte 376.000 Euro Gehalt - und muss jetzt gehen

Sie bekam doppelt so viel Gehalt wie ihr zugestanden hätte - und fand das offenbar bis zuletzt angemessen: In Duisburg ist der Geschäftsführerin der Werkstatt für Menschen mit Behinderung fristlos gekündigt worden.

FUNKE Foto Services / Jörg Schimmel

Roselyne Rogg

Donnerstag, 09.08.2018   16:33 Uhr

Der Aufsichtsrat der Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat Geschäftsführerin Roselyne Rogg entlassen. Das Vertrauensverhältnis sei "irreparabel gestört", heißt es in einer Mitteilung des Gremiums vom Mittwoch, über die mehrere Medien berichten.

Demnach hatte Rogg nach einer Gehaltserhöhung jährlich 376.000 Euro für ihre Arbeit bekommen. Laut einem Gutachten, das der Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hatte, seien für die Position aber nur 150.000 bis 180.000 Euro angemessen gewesen.

Bereits im Dezember hatte das Recherchezentrum "Correctiv" darauf aufmerksam gemacht, dass Rogg möglicherweise ein viel zu hohes Gehalt beziehe. Damals hatte sich die Stadt Duisburg geweigert, Auskunft über die Höhe des Gehalts zu geben. Die Stadt ist zur Hälfte an der Werkstatt beteiligt.

Die Duisburger Werkstatt für Menschen mit Behinderung hat laut "Correctiv" 190 festangestellte Mitarbeiter, die mehr als 1000 Menschen mit Behinderung betreuen. Das Unternehmen betreibt vier Werkstätten, in denen Elektro- und Metallgeräte montiert und Verpackungen und Gärtnerarbeiten erledigt werden. Zudem werden zwei Restaurants betrieben und es gibt ein eigenes Modelabel. Die Werkstatt wurde im vergangenen Jahr zu den 100 innovativsten Unternehmen im deutschen Mittelstand gekürt.

Rogg habe "ihre persönlichen Interessen über die der Werkstatt für Menschen mit Behinderung gestellt", zitiert die Funke-Mediengruppe nun den Aufsichtsratschef Thomas Krützberg. Das Kontrollgremium habe von einer Gehaltserhöhung, die Rogg 2013 bekommen habe, nichts gewusst.

Die Geschäftsführerin hatte am Dienstag selbst eine Pressekonferenz einberufen, in der sie sich für ihr Gehalt rechtfertigte und den Vorwurf zurückwies, dass der Aufsichtsrat nicht informiert gewesen sei. Der damalige Vorsitzende des Gremiums sei in alle Verhandlungen eingebunden gewesen.

Wie die "Rheinische Post" schreibt, begründete Rogg ihre hohen Bezüge damit, dass ihr Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sei. Ein zweites Gutachten sei zum Jahresbeginn zu dem Schluss gekommen, dass Roggs Gehalt keineswegs überzogen gewesen sei.

Die Geschäftsführerin wollte ihren Vertrag Mitte 2019 auslaufen lassen, weil der Aufsichtsrat nicht mehr geschlossen hinter ihr stehe. Dazu kommt es nun jedoch nicht mehr. Krützberg sprach am Mittwoch nicht nur die fristlose Kündigung, sondern gleichzeitig auch ein Hausverbot aus.

lov

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